Todesstrafe in Arizona

16. Februar 2017 11:36; Akt: 16.02.2017 12:40 Print

«Bring die Giftspritze mit, wir erledigen den Rest»

Pharmafirmen weigern sich aus ethischen Gründen, Gift für die Hinrichtungen in die USA zu liefern. Jetzt hatte der Staat Arizona eine groteske Idee.

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Eine Reihe qualvoller Hinrichtungen löste in den USA riesige Debatten über die verwendeten Giftcocktails aus. Seit sich europäische Pharma-Unternehmen aus ethischen Gründen weigern, die Betäubungsmittel zu liefern, sehen sich die Bundesstaaten gezwungen, nach Alternativen zu suchen.

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Unter den vielen abstrusen Vorschlägen — von der Wiedereinführung des elektrischen Stuhls oder der Gaskammer bis zum Einsatz von Exekutionskommandos — sticht der Einfall der Behörden im US-Staat Arizona hervor: eine Einladung an die Anwälte der Todeskandidaten, für ihre Klienten den Stoff zu besorgen, der sie umbringen soll.

Anwälte und Experten sind sprachlos

Wie «The Guardian» berichtet, hat die Strafvollzugsbehörde in Arizona vor einigen Wochen ein neues Hinrichtungsprotokoll erlassen. Darin heisst es, die Anwälte der zum Tode Verurteilten seien «willkommen, die legal erhältlichen Drogen für eine Giftspritze selber mitzubringen».

Strafrechtsexperten für das Thema Todesstrafe finden die Idee «grotesk». Megan McCracken von der Rechtsfakultät an der Uni Kalifornien hielt die Vorgabe für «beispiellos und, ehrlich gesagt, absurd». Gefangene oder ihre Anwälte könnten sogenannte Barbiturate nicht auf legale Wege besorgen, aber noch weniger dürften sie den Stoff an die Behörden weitergeben. «Ich kann mir nicht vorstellen, was sich die Gefängnisbehörde da wohl gedacht hat, als sie diesen unsinnigen Vorschlag ins Protokoll aufnahm», sagte dazu McCracken.

Anwalt darf nicht helfen, seinen Mandanten hinzurichten

Das ist nicht das einzige Problem. Pflichtverteidiger Dale Baich ist «ratlos», weil es für ihn als Anwalt auch nicht legal wäre, Drogen zu besorgen, die seinen Mandanten töten würden. Damit geriete er in einen ethischen Konflikt. «Ich muss meine Klienten verteidigen. Der Staat hat die Aufgabe, die Todesstrafe im Rahmen der Verfassung auszuführen. Er kann diese Verantwortung nicht auf die Todeskandidaten oder andere Menschen abwälzen.»

Im Bundesstaat Arizona finden seit dem 23. Juli 2014 keine Hinrichtungen mehr statt. An diesem Tag kam es zu einer Panne, als der Doppelmörder Joseph Rudolph Wood exekutiert wurde. Nach der Giftspritze schnappte Wood fast zwei Stunden nach Luft — der Ablauf sollte jedoch nicht länger als sieben Minuten dauern und schmerzfrei sein.

Infografik: Die Todesstrafe in den USA

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ueli Schwyzer am 16.02.2017 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Pharmafirmen und Moral?

    Wegen moralischer Bedenken... Seit wann haben Pharmafirmen eine Moral?

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  • Simba74 am 16.02.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Bei Exit gibt es eine Flüssigkeit zu trinken und man entschläft friedlich..... weshalb eine quälende Spritze?

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  • Sila am 16.02.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Für Hinrichtung

    An alle Hinrichtungsgegner, mein Bruder wird ermordet, er stand seiner Frau und ihrem geliebten im Weg. Nach nicht einmal 3 Jahren kamen beide frei und leben ihr Leben. Es ist unerträglich, dass die zwei weiter leben dürfen, mein Bruder hatte keine chance.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Xenon Idrizi am 16.02.2017 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Blutrache ist die Lösung

    Machen wirs doch gleich wie in Albanien und führen die Blutrache ein.

  • HSG am 16.02.2017 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Kommentare mit Humor

    Die Sonderschüler rufen nach Vergeltung. Ich amüsiere mich köstlich.

  • Tanja am 16.02.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Niemand hat das Recht

    Diejenigen hatten nicht das Recht zu Morden aber der Staat hat es auch nicht.

    • HSG am 16.02.2017 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      Denkt an die Kleinen!

      Aber was wenn jemand deinem armen, kleinen Kind etwas antut? So etwas schreit förmlich nach Vergeltung!

    • Mister C am 16.02.2017 15:49 Report Diesen Beitrag melden

      und wieso nicht?

      Ich dachte das Gewaltmonopol sei einzig und alleine beim Staat?

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  • R v N am 16.02.2017 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Verseuchtes Flusswasser

    Spritzt doch einfach Wasser aus dem Fluss neben der Fabrik, wo Apple und Konsorte ihre Handys billig produzieren lassen - das wird keine sieben Minuten dauern...

  • Vater am 16.02.2017 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Wenn jemand meiner kleinen Tochter was antut, dann ist der Typ dran. Dann kann von mir aus jeder von euch irgendwas von "Vergebung" oder "nicht mehr im Mittelalter" quasseln, das wäre mir so was von egal!

    • mrfiveduck am 16.02.2017 15:41 Report Diesen Beitrag melden

      Ok

      das verstehe ich. Würde vermutlich gleich handeln. Das ist aber ganz was anderes als staatlich verordnete tötung in einem mangelhaften justizsystem

    • Miri am 16.02.2017 15:50 Report Diesen Beitrag melden

      Und genau desshalb

      Genau deshalb leben wir in einem Staat welcher als einziger das Grwaltmonopol hat. Würde jeder zur Selbstjustiz greifen (jeder ist von irgendwem die Tochter/ der Sohn) herrschte Chaos.

    • gheino am 16.02.2017 16:01 Report Diesen Beitrag melden

      @Vater

      Es ist nicht einfach. Deine Aussage bekräftigt, dass du so etwas im Leben zum Glück nicht erleben musstest.Wenn du Vater bist, wirst du vermutlich auch Ehemann, Bruder Onkel, Cousin und Sohn sein?... Was ist nach der Vergeltung? Du schadest nur dir un deiner Familie

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