«Wir wissen, was ihr tut»

15. November 2017 11:55; Akt: 15.11.2017 14:48 Print

Russische Hacker wollen Briten den Strom abstellen

Britische Behörden haben im letzten Jahr Cyber-Angriffe auf verschiedene kritische Industrien registriert – unter anderem auf das Stromnetz.

storybild

Wird Medienberichten zufolge russische Hacker-Angriffe auf kritische britische Infrastruktur bestätigen: Der Chef des Nationalen Zentrums für Cyber-Sicherheit, Ciaran Martin. (Archiv) Bild: NCSC

Zum Thema
Fehler gesehen?

Russische Hacker haben laut den britischen Behörden während des vergangenen Jahres, die Energie-, Telekommunikations-, und Medienindustrien Grossbritanniens angegriffen. Das hat der oberste britische Beamte für Cyber-Sicherheit, Ciaran Martin, heute zum ersten Mal bestätigt.

Der Chef des Nationalen Zentrums für Cyber-Sicherheit (NCSC) sagte, er könne zwar keine Geheimdienstinformationen preisgeben. «Aber ich kann bestätigen, dass russische Störaktionen, die vom NCSC im letzten Jahr beobachtet wurden, auch Angriffe auf die britischen Medien-, Telekommunikations-, und Energiesektoren beinhalteten», so Martin.

Induzierte Blackouts befürchtet

Im Juli war ein NCSC-Memo geleakt, in dem zu lesen war, dass der Energiesektor von «staatlich unterstützten Akteuren» angegriffen und womöglich kompromittiert wurde. Allerdings wurde darin der vermutete staatliche Urheber nicht genannt.

Russische Hacker griffen gemäss Medienberichten bereits im vergangenen Sommer das Stromnetz in Irland an. Dabei haben sie offenbar erfolgreich Passwörter von Ingenieuren gestohlen, wie die «Times» im Juli berichtete. Befürchtet wird ein russischer Cyber-Angriff wie jener, der im Dezember 2015 Teile der ukrainischen Stromversorgung lahmlegte.

«Russland will Informationen zur Waffe umwandeln»

Am Montag hatte bereits Premierministerin Theresa May bei einer Rede Russlands Aussenpolitik scharf kritisiert. Der Kreml führe neben der illegalen Annexion der Krim-Halbinsel, der militärischen Einmischung in der Ostukraine und den Luftraumverletzungen mehrerer europäischen Staaten auch eine «ununterbrochene Kampagne der Cyber-Spionage und der Störaktionen», sagte May am Bankett des Bürgermeisters der City of London.

«Russland will Informationen zur Waffe umwandeln», so die Premierministerin. Dabei führe Moskau seine Staatsmedien – zum Beispiel den Sender «Russia Today» und das Nachrichtenportal «Sputnik» – ins Feld, um Falschnachrichten und bearbeitete Bilder zu platzieren. Das sei Teil des Versuchs, im Westen Zwietracht zu säen und die Institutionen zu untergraben.

«Ich habe eine sehr einfache Botschaft an Russland», sagte May. «Wir wissen, was ihr tut – und ihr werdet damit keinen Erfolg haben. Ihr unterschätzt die Standhaftigkeit unserer Demokratien, die Anziehungskraft freier und offener Gesellschaften und die Hingabe westlicher Nationen an die Allianzen, die uns zusammenhalten.»

«Wir wissen, was ihr tut»: Theresa May spricht am Bankett des Bürgermeisters der City of London. (13. November 2017) Video: Youtube/The Guardian

(mch)