Drama in Duisburg

30. August 2010 09:43; Akt: 30.08.2010 13:25 Print

Klären Videos die Loveparade-Katastrophe?Klären Videos die Loveparade-Katastrophe?

Die Organisatoren der Loveparade haben Videos der Überwachungskameras veröffentlicht. Die Polizei spricht von «Manipulation und Verdunkelung».

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Der Zusammenschnitt des Videomaterials der Überwachungskameras: Urheber des Video ist Veranstalter «Lopavent», der es als Beweis für die Schuld der Polizei sieht. Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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21 Menschen kamen bei der Loveparade ums Leben, über 500 weitere wurden schwer verletzt, für das Drama von Duisburg geradestehen will aber niemand. Auch fünf Wochen nach der Massenpanik geht der Streit um die Schuldfrage weiter: Nun hat der Veranstalter 22 Stunden Filmmaterial der Überwachungskameras auf seiner Homepage veröffentlicht. In einem sechsminütigen Zusammenschnitt dokumentiert die Organisationsfirma «Lopavent» die Minuten vor der Katastrophe.

Im Mittelpunkt der Dokumentation steht eine Menschenkette der Polizei: Kurz vor 16 Uhr haben die Beamten einen Teil der Zugänge blockiert, wie das Video zeigt. Etwa 15 Minuten später soll die Polizeikette überrannt worden sein und Menschenmengen aus allen Richtungen prallten aufeinander. Für «Lopavent»-Chef Rainer Schaller ist dies der Auslöser für die Massenpanik gewesen: «Keiner von uns kann sich erklären, warum die Polizei die Kette im Tunnel gebildet hat und welche Funktion die Kette am unteren Ende der Rampe haben sollte. Ich glaube, ohne diese Kette würden die 21 Menschen noch leben», wird Schaller vom Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» zitiert.

Polizei: «Schaller will nur seinen Hals retten»

Die schwerwiegenden Vorwürfe gegen die Polizei entlasten nicht nur den Veranstalter, sondern belasten auch die Polizei: Die Behörde war bisher von mehreren Seiten kritisiert worden, stellt sich aber auch nach den neuesten Vorwürfen auf den Punkt, richtig gehandelt zu haben. Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), sagte gegenüber der «Bild», die Beamten hätten «teilweise unter Einsatz ihres Lebens versucht, die schlimmsten Folgen der schlampigen Loveparade-Planung zu verhindern.» Rückendeckung erhielt er von Dieter Wehe, dem Polizeiinspekteur von Nordrhein-Westfalen: «Der Veranstalter hat die Polizei um Hilfe gebeten, weil sein Sicherheitskonzept zusammengebrochen war. Er hatte zugesagt, die Eingangsschleusen zu schliessen. Das ist nicht geschehen.»

Staatsanwaltschaft kann Veröffentlichung nicht verbieten

Die Staatsanwaltschaft Duisburg hatte versucht, die Veröffentlichung des Videomaterials zu verbieten, ist aber offensichtlich gescheitert. «Nach meinen Informationen sieht die Staatsanwaltschaft Duisburg keine Möglichkeit, die Pläne Schallers juristisch zu stoppen», sagte Wendt, der «Neuen Osnabrücker Zeitung». Die Behörde habe aber Schaller in einem Schreiben «dringend aufgefordert, das Material der sieben Überwachungskameras aus Gründen der Pietät und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen nicht zu veröffentlichen», hob er hervor.

Die Polizei hatte Schaller bereits zuvor gewarnt, die Bilder zu veröffentlichen, wie die Nachrichtenagentur APN schreibt. «Es wäre das Allerletzte, die Hinterbliebenen im Netz mit den Bildern ihrer sterbenden Angehörigen zu konfrontieren», warnte Wendt Schaller vor dem Schritt an die Öffentlichkeit. Es bestehe zudem ein erhebliches Risiko, mit den Videoaufnahmen Zeugen der Vorfälle zu beeinflussen. Was Schaller damit versucht, ist für Wendt klar: «Herr Schaller manipuliert und verdunkelt, wo er kann. Ihm geht es offenbar nicht um die Wahrheit, sondern nur darum, seinen eigenen Hals zu retten.»

Videomaterial unvollständig

Tatsächlich berichtete unterdessen der WDR, dass es in der kritischen Phase im Lagezentrum von Veranstalter und Polizei nach Angaben einer Sicherheitsfirma zu technischen Störungen gekommen sein soll. Es habe Kamerabilder gegeben, die plötzlich verschwunden seien, sagte der Geschäftsführer der Kölner Sicherheitsfirma R.A.D., Robert Ahrlé, dem Sender. Die Kameras seien ausgefallen, weil sie von Ravern bei ihrer Flucht aus einem Tunnel unbeabsichtigt beschädigt worden seien.

Inwieweit die veröffentlichten Bilder des Veranstalters wirklich zur Klärung der Verantwortung beitragen, ist weiterhin unklar. Sowohl die Polizei als auch der Veranstalter beanspruchen die richtige Deutung für sich. Sicher ist: Das Loveparade-Drama wird die Öffentlichkeit noch lange beschäftigen, ob ein Schuldiger ausgemacht wird, bleibt aber ungewiss. Auf der Strecke im Hin-und-Her der beteiligten Sicherheitsorgane bleiben die Angehörigen der 21 Opfer.

(amc)