Indien

02. Mai 2010 09:07; Akt: 02.05.2010 09:19 Print

Durch Atommüll tödlich verstrahlt

Ein indischer Schrotthändler ist beim Zerlegen einer Anlage der Universität Delhi so stark radioaktiv vergiftet worden, dass er an den Folgen starb. Die Wissenschaftler hatten es mit der Entsorgung auch anderswo nicht so genau genommen.

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Die Arbeit geht weiter: Auf diesem Schrottplatz wurde ein Altmetallhändler tödlich verstrahlt. (Bild: AFP)

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Am Donnerstag hatte die indische Polizei der Universität vorgeworfen, sie habe eine Maschine zur Bestrahlung mit radioaktivem Kobalt auf einem Schrottplatz entsorgt. Dadurch sei der 35-jährige Arbeiter tödlich verstrahlt worden, sieben weitere seien zur Behandlung ins Spital gebracht worden.

Die schlampige Entsorgung der stark verstrahlten Maschine ist dabei nur die Spitze des Eisbergs: Physiker der Universität von Neu Delhi sollen vor zwei Jahrzehnten rund 20 Kilogramm Atommüll in eine Grube auf dem Hochschulcampus geschüttet haben. Das berichtete die «Times of India» am Freitag.

Strahlenkanone auf Auktion versteigert

Der Chemie-Professor Ramesh Chandra sagte der Zeitung, mit dem strahlenden Material sei nicht «angemessen» umgegangen worden. Es sei auf dem Hochschulgelände «einfach begraben» worden. Auch nach 20 Jahren müsse damit gerechnet werden, dass der Atommüll in der Grube auf dem Universitätsgelände noch radioaktive Strahlung verbreite, sagte Chandra. Die Hochschulleitung wollte sich zu dem Vorwurf des Chemikers am Freitag nicht offiziell äussern.

Nach Informationen der Tageszeitung «Asian Age» entzog die zuständige Aufsichtsbehörde der Universität am Donnerstagabend das Recht zur Nutzung radioaktiven Materials. Die Universität der indischen Hauptstadt hatte 1980 eine Maschine zur Gamma-Bestrahlung erworben, diese 1985 ausser Dienst gestellt und im Februar dieses Jahres auf einer Auktion veräussert.

IAEA bietet Hilfe an

Die Internationale Energiebehörde (IAEA) hat von Indien Aufklärung über einen tödlichen Unfall mit radioaktivem Material verlangt. Gleichzeitig bot die IAEA aber auch ihre Hilfe an.

IAEA-Sprecher Marc Vidricaire erklärte, die indischen Behörden hätten das radioaktive Material inzwischen sichergestellt. Der Fall zeige aber erneut, dass in Indien gefährlicher Materialien oft unkontrolliert beseitigt werden. So werden Chemikalien, aber auch radioaktiver Müll an Schrotthändler verkauft.

Am Montag beginnt in New York eine internationale Konferenz zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrages. Dort soll es unter anderem auch um das Problem gehen, dass atomare Materialien auch aus zivilen Einrichtungen wie Spitälern, Forschungseinrichtungen oder Industrieanlagen in falsche Hände geraten können.

(sda/dapd)