Gesicht der Revolution

07. Januar 2012 21:20; Akt: 07.01.2012 21:28 Print

Blauer BH und rote Jacke vereint gegen die GewaltBlauer BH und rote Jacke vereint gegen die Gewalt

Als ägyptische Soldaten auf eine Studentin einprügelten und bis auf den BH entblössten, stellte sich ihnen eine Frau entgegen. Für ihre Zivilcourage zahlt sie bis heute einen hohen Preis.

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Von der Zuschauerin zur Zielscheibe: Azza Kamal Suleiman.

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Das Bild der verschleierten Frau, die von ägyptischen Sicherheitskräften bis auf den blauen BH entblösst, geschlagen und getreten wurde, ging um die Welt. Passiert ist dies am 17. Dezember 2011 – ein Jahr nachdem der tunesische Strassenhändler Mohammed Bouazizi mit seiner Selbstverbrennung den Arabischen Frühling ins Rollen brachte. Die durch die Bilder entehrte konservative junge Frau möchte sich zu dem Erlebten in der Öffentlichkeit nicht äussern. «Es macht keinen Unterschied, ob ich mit den Medien spreche oder nicht», sagte sie dem ägyptischen Reporter Hassan Mahmud von der Zeitung «al-Badi». Dass die Soldaten sie entblösst und immer weiter geschlagen hätten, sei genug, um sie zu entlarven.

An die Öffentlichkeit getreten ist aber Azza Kamal Suleiman. Die 48-Jährige war zunächst neben dem Bild der entblössten Studentin kaum beachtet worden. Tatsächlich hat Azza Kamal Suleiman der jungen Frau mit ihrem Eingreifen vermutlich das Leben gerettet und für ihre Zivilcourage fast mit dem eigenen Leben bezahlt, schreibt «Welt Online». Azza warf sich schützend auf die bewusstlose Frau, worauf sie selbst zum Ziel der blindwütig dreinschlagenden Soldaten wurde.

Scharf geschossen

Sie habe versucht, die junge Frau fortzuziehen, aber das Militär habe immer weiter zugeschlagen, erzählt Azza dem US-Sender CNN im Spital. Nach Suleiman eilte auch der Geschäftsmann Ehab Schaban zu Hilfe. Auch er wurde geschlagen und sogar angeschossen. «Azza hat den nackten Körper der jungen Frau bedeckt», sagte er gegenüber «Welt Online». Er habe sie aufheben und in eine Feldklinik bringen wollen, habe aber einen Schmerz im Bein gespürt. «Azza und ich wurden unaufhörlich geschlagen.» Man habe ihn erst in Ruhe gelassen, als er regungslos liegen geblieben sei. Im Krankenhaus holten die Ärzte eine Kugel aus der Wade.

Bilder wie diese setzten den Obersten Militärrates unter Druck. Offene Gewalt gegen Frauen hatte man bislang in der islamischen Gesellschaft Ägyptens nicht gekannt. Der Militärrat musste sich nach dem Vorfall entschuldigen und versprach, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Passiert ist bislang nichts.

Schlimme Schmerzen

Dafür ist Azza das Gesicht der Revolution geworden. Laut Mohammed Mari, einem ägyptischen Aktivisten, geht es ihr inzwischen etwas besser. Bis sie gesund sei, werde es aber noch lange dauern. Vor allem die Kopfverletzungen machen ihr zu schaffen, sagt Ehab Schaban: «Manchmal schreit sie vor Schmerzen.»

Über die Situation in ihrem Land ist Azza verbittert. Gegenüber CNN sagte sie, die selbst aus einer Offiziersfamilie stammt: «Was heute im Militär geschieht, ist schmutzig – Menschen ohne Gewissen, Gnade oder Menschlichkeit. Doch wir werden nicht schweigen. Wir werden den Staat nicht in dem verwahrlosten Zustand hinterlassen, in dem er sich zurzeit befindet.

(ske/kri)

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  • momus am 09.01.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Soldat in Turnschuhen...

    ... und Pullover? Komischer Soldat - scheint ein privilegierter zu sein.

  • Vane am 09.01.2012 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt!

    Finde es unbeschreiblich, was in Ägypten abgeht. Riesen Respekt vor den Mensche, die sich zu Wehr setzen!

  • enoc01 am 08.01.2012 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Frühling?

    Danke dem 20 min. für diese Geschichte. Vielleicht gehen manchen Leuten langsam die Augen auf. Und richtig: Hut ab vor dem Mut dieser Menschen.