Umstrittene Honorare

07. Oktober 2012 10:03; Akt: 07.10.2012 10:13 Print

Steinbrück soll über eine Million kassiert haben

Kanzlerkandidat und Bankenkritiker Peer Steinbrück soll eine grosse Nähe zur Bankenlobby unterhalten haben. Für seine Vorträge dürften dem SPD-Politiker teils fünfstellige Summen bezahlt worden sein.

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Über die Nebeneinkünfte des deutschen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück kommen immer mehr Details ans Licht. Wie die «Welt am Sonntag» schreibt, soll der ehemalige deutsche Finanzminister für seine Vorträge teils fünfstellige Summen erhalten haben. In mindestens zwei Fällen im Jahr 2011 lag das Nettohonorar sogar bei 20 000 Euro oder wenig darüber. Bei weiteren vier Engagements waren es zwischen 10 000 und 15 000 Euro. Steinbrück soll die Referate unter anderem auch vor Banken gehalten haben. Im September sprach er beispielsweise im Zürcher Luxushotel Dolder an einem Podium von Oswald Grübel.

Derzeit müssen Abgeordnete Nebeneinkünfte nicht genau preisgeben, sondern lediglich drei Stufen zuordnen - bis 3500 Euro, bis 7000 Euro und mehr als 7000 Euro. In der laufenden Legislaturperiode hat Steinbrück mehr als 80 Nebentätigkeiten mit einem Honorar von über 7000 Euro gegenüber der Bundestagsverwaltung angemeldet. Die der «Welt am Sonntag» bekannt gewordenen Honorarsummen legen den Schluss nahe, dass er für Vorträge und Auftritte seit Herbst 2009 über eine Million Euro erhielt.

Nach Informationen des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel, soll Steinbrück während seiner Zeit als Minister eine grössre Nähe zu Bankenlobbyisten unterhalten haben als bisher bekannt. So hatte die Lobbyorganisation Initiative Finanzstandort Deutschland während seiner Zeit als Finanzminister das Konzept einer halbstaatlichen Beratungsfirma, der ÖPP Deutschland AG, erarbeitet. Steinbrück stimmte diesem zu, das deutsche Finanzministerium beteiligte sich später mit 50 Prozent an der ÖPP Deutschland AG.

Umstrittener Auftritt in Zürich

Am 19. September trat Steinbrück im Zürcher Luxushotel Dolder Grand auf – auf einem Podium mit dem früheren UBS- und CS-Chef Oswald Grübel. Geladen hatte der exklusive Efficiency Club Zürich. Gemäss der Zeitung «Der Sonntag» kam Steinbrück nicht gratis in die Schweiz. Insider aus dem Efficiency Club bestätigen, dass der Ex-Finanzminister die Spesen bezahlt bekam. Ob über Reise- und Unkostenentschädigungen hinaus auch ein Honorar ausgerichtet wurde, darüber will niemand Auskunft geben. Normalerweise erhalten Politgrössen wie Steinbrück ansehnliche Summen. So soll etwa der frühere deutsche Aussenminister Joschka Fischer rund 30 000 Euro pro Auftritt erhalten. Gar 50 000 Euro sind es im Fall des Altkanzlers Gerhard Schröder. Da Steinbrück aber amtierendes Mitglied des Bundestags ist, dürfte seine Entschädigung tiefer ausfallen, sagen Branchenkenner.

Trotz anhaltender Kritik hat der SPD-Spitzenpolitiker kein schlechtes Gewissen, wie er am Wochenende dem Deutschlandfunk sagte. Er sei alles andere als ein «Knecht des Kapitals», konterte er im Radio. Steinbrück warnte vor den Folgen, die eine Debatte um Nebeneinkünfte von Parlamentariern auslösen könnte. Bei den Wählern könnten so Ressentiments bestätigt werden, dass Politiker sich in einem System der Selbstbereicherung bewegten. «Da muss man aufpassen, dass man über Parteigrenzen hinweg nicht einen Prozess in Gang setzt, der die Politik insgesamt beschädigt», mahnte er.

Schützenhilfe erhält der scharfzüngige Politiker aus den eigenen Reihen. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Bartels sagte gegenüber der «Welt am Sonntag», es sei «hochgradig absurd, wenn behauptet wird, der Banken-Kritiker Steinbrück lasse sich von Banken beeinflussen.» Die Kritik von Union und FDP sei heuchlerisch.

Steinbrück will nun alle Informationen zu seinen Honorar-Vorträgen so schnell und umfassend wie möglich offenlegen. Er habe bereits eine renommierte Düsseldorfer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft damit beauftragt, alle Unterlagen zu seinen Vorträgen noch einmal zu prüfen.

(bee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Schmid am 07.10.2012 14:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passt

    Es ist zu vergleichen mit unseren linken Politikern. Wasser predigen und Wein trinken. Als Beispiel Herr Wermuth oder Herr Glättli usw. Wenn man für 4 Sessionen a 3 Wochen 130000Fr. verdient ist das auch Abzockerei aber daran stören sich linke Politiker nicht.

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  • Geldmaschine am 08.10.2012 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so against all NEIDER

    Ich finde den gut. Der Mann ist clever, auch wenn er sich schon im Ton vergriffen hat. Dafür hat er sich ja entschuldigt.

  • Roger S. am 07.10.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Dah haben wir sie,

    die scheinheiligen Linken. Vielleicht hat er auch noch ein Bankkonto in Singapur (natürlich nicht in der Indianer-Schweiz)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Odermatt Peter P. am 09.10.2012 17:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch Eigengoals von Steinbrück

    Damit versenkt sich dieser Steinbrück klar selbst.

  • Parlamentarier am 09.10.2012 00:57 Report Diesen Beitrag melden

    Steinbrück ist der Beste

    Steinbrück ist der bestverdienende Politiker in Deutschland. Und das offensichtlich nicht ohne Grund. Kein Mensch zahlt derart grosse Summen für einen Blindgänger.

  • Michel am 08.10.2012 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Die Leichen im Kleiderschrank des Peer

    Das ganze zeigt doch nur das Steinbrück von seiner Person her ungeeignet ist ein jegliches politische Amt zu bekleiden. Auf der einen Seite fordert er das deutsche Bürger bzw. Schweizer Banken das Eigentum jener gegenüber dem deutschen Fiskus offen legt, auf der andern Seite versteckte aber seine eigenen Nebeneinkünfte solange es geht. Die Vortragshonorar die er von Banken erhalten hat während er parallel sich dazu als Bankenkritiker zu stilisieren versucht sind ein weiterer Beleg für seine andauernde Hypokrisie.

  • Bert Hermann am 08.10.2012 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Neiddebatte

    Solange er keine Nebeneinkünfte vergessen hat zu deklarieren, ist das doch gleich. Westerwelle hatte vor der Wahl auch Schweizer Einkünfte von Hotelketten und Banken für Vorträge u.v. andere mehr. Das haben insg. 1/3 aller D-Abgeordneten. Das ist doch nur Neiddebatte!

  • Urs M. am 08.10.2012 08:31 Report Diesen Beitrag melden

    Debatte über Nebeneinkünfte

    Er meint, man solle nicht über die Nebeneinkünfte reden, weil dies die Politik insgesamt beschädigt. Das soll also heissen: "Wir machen schon einen ziemlichen Sch...., aber bitte redet nicht darüber, sonst denkt Ihr noch schlecht über uns."