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Erdbeben
11. Juli 2010 17:56; Akt: 11.07.2010 19:07 Print
«Haiti soll besser dastehen als vor dem Beben»
von Lukas Mäder - Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti liegt die Hauptstadt immer noch in Trümmern. Der Schweizer Deza-Leiter schildert den Alltag.
Sie wohnen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Wie erleben Sie den Alltag ein halbes Jahr nach dem Erdbeben?
Die Situation bleibt auch sechs Monate nach dem Beben noch schwierig. Das Alltagsleben der vielen Direktbetroffenen, die Haus oder Familie verloren haben, hat sich noch nicht normalisiert. Sie leben weiterhin in provisorischen Notunterkünften. Teils mitten in der Stadt unter sehr schwierigen Verhältnissen.
«Die eigentlichen Bautätigkeiten für den Wiederaufbau beginnt bei einer solch immensen Katastrophe erst nach ein bis eineinhalb Jahren»: Martin Weiersmüller ist Koordinator der Schweizerischen Humanitären Hilfe in Haiti und lebt seit August 2008 dort. (Bild: pd)
Infografik
Timeline Haiti
Das Engagement der Deza
Sofort nach dem Erbeben in Haiti am 12. Januar 2010 startete die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) die nach eigenen Angaben grösste Hilfsaktion ihrer Geschichte. In den ersten drei Monaten waren insgesamt 120 Experten der humanitären Hilfe in Haiti im Einsatz. Die humanitäre Hilfe der Deza ist seit 2005 mit einem Büro in Port-au-Prince vertreten und deshalb lokal gut verankert.
Der Schwerpunkt der Deza-Aktivitäten liegen bei der Nahrungsmittelsicherheit und beim Wiederaufbau. Die Deza steht mit dem Bildungsministerium in engem Kontakt wegen des Wiederaufbaus von Schulen. Die haitianische Regierung hat die Schweiz zudem angefragt, sie beim Wiederaufbau eines Referenzspitals zu unterstützen. Weitere Projekte werden in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen, insbesondere mit schweizerischen, realisiert.
Im Deza-Büro in Port-au-Prince arbeiten derzeit fünf Schweizer. Weitere zwei Schweizer sind für das World Food Programm tätig, bezahlt vom Bund wie auch drei Schweizer Experten beim Kinderhilfswerk Unicef. Weitere Fachexperten wie Ingenieure für Statik oder Wasserbau arbeiten bei Bedarf in kürzeren Einsätzen vor Ort. Dieses Fachwissen stellt die Deza im Rahmen eines Kompetenzzentrums auch anderen Organisationen für einzelne Abklärungen zur Verfügung.
Der Bundesrat hat Ende März beschlossen, bis Ende 2012 insgesamt 35,9 Millionen Franken für den Wiederaufbau in Haiti aufzuwenden. Zusätzlich sind bei der Glückskette bis Anfang Juli 65 Millionen Franken an privaten Spenden eingetroffen. Bereits 10 Millionen hat sie in in 14 Hilfsprojekten eingesetzt. (mdr)
Was bedeuten «schwierige Verhältnisse»?
Die Leute leben sehr eng aufeinander. Es regnet jeden zweiten oder dritten Abend und die Unterstände sind meist nicht befestigt. Notbehausungen, die an exponierten Stellen standen, konnten vor Beginn der Hurrikan-Saison verlegt werden. Aber wohl über eine Million Menschen wohnen weiterhin in provisorischen Behausungen.
Wovon lebt diese Menschen?
Die Haitianer haben einen unglaublichen Überlebenswillen und eine grosse Adaptionsfähigkeit. Sie haben trotz der engen Verhältnisse in ihren provisorischen Unterkünften begonnen, informellen Arbeiten nachzugehen. Einer hat eine kleine Küche eröffnet, in der er Reis kocht. Eine andere betreibt eine Art Coiffeursalon oder einen kleinen Verkaufsladen.
Können die Einwohner von Port-au-Prince davon leben?
Mehrere Hunderttausend Personen sind direkt nach dem Erdbeben zurück in ihre Herkunftsregion gegangen. Nun will man versuchen, diesen Personen dort eine Unterkunft, Arbeit und Schulen zu bieten, damit sie nicht in die Hauptstadt zurückehren müssen.
Warum sollen sie nicht zurückkehren?
In den letzten Jahren gab es eine Wanderung vom Land in die Stadt, weshalb Port-au-Prince sehr dicht bevölkert ist. Die haitianische Regierung versucht, mit einer Dezentralisierung den Regionen mehr Gewicht zu geben und so die Landflucht zu stoppen. Jetzt besteht die Möglichkeit dazu, indem man den Leuten in ländlichen Regionen mit Unterkünften, Arbeitsplätzen und Schulen eine Perspektive schafft.
Wie gehen die Betroffenen mit der psychischen Belastung des Erdbebens und der schwierigen Lebensbedingungen um?
Es ist kaum nachvollziehbar, dass in dieser schwierigen Situation bisweilen so etwas wie Fröhlichkeit aufkommen kann. Die Haitianer sind sich sehr schwierige Situationen gewohnt und haben gelernt damit umzugehen. Es gibt auch eine Solidarität. Die Leute müssen einander helfen, denn nur mit gegenseitiger Unterstützung kommen sie weiter. Die Betroffenen sprechen auch miteinander über das Erlebte. Für die Kinder sind die Schulen wichtig. So haben sie wieder ein Alltagsleben und eine Aufgabe. Deshalb hat die Wiedereröffnung der Schulen eine hohe Priorität.
Braucht die Bevölkerung immer noch Nothilfe, beispielsweise mit Nahrungsmitteln?
Die Grundversorgung ist wieder gewährleistet. Es gibt Märkte mit Nahrungsmitteln. Die Versorgung mit Wasser und Elektrizität hat sich ebenfalls auf den Stand vor dem Erdbeben stabilisiert. Aber bereits damals gab es nur einige Stunden Strom täglich.
Wie sieht das Strassenbild aus?
Die Aufräumarbeiten sind im Gange. Das sind immense Arbeiten. Inzwischen sieht man in den Strassenzügen Lücken, wo früher eingestürzte Häuser waren. Aber es gibt noch viel zu tun. Oft sieht man Leute, die mit einfachsten Mitteln Trümmer zerkleinern und am Strassenrand für den Abtransport deponieren.
Hat der Wiederaufbau begonnen?
Derzeit läuft die sogenannte Recovery-Phase, ein Stadium zwischen Nothilfe und Wiederaufbau. Dabei werden beispielsweise befestigte Unterstände gebaut oder provisorische Schulen erstellt, damit die Kinder wieder zur Schule gehen können. Die eigentliche Bautätigkeit hat noch nicht begonnen.
Warum nicht?
Die Vorbereitungen brauchen Zeit. Die Trümmer müssen weggeräumt werden. Die Geberorganisationen müssen zusammen mit der Regierung planen, wo welche Infrastrukturprojekte wie Schulen oder Spitäler notwendig sind. Landfragen müssen geklärt werden und vieles mehr. Die eigentlichen Bautätigkeiten für den Wiederaufbau beginnen bei einer solch immensen Katastrophe erst nach ein bis eineinhalb Jahren.
Welches sind die dringendsten Infrastrukturprojekte?
Das Erdbeben hat mit der Hauptstadt Port-au-Prince das Herz des Landes getroffen und einen Grossteil der Ministerien zerstört. Deshalb funktionieren derzeit wichtige Dienstleistungen des Staates nur in provisorischen Strukturen. Daneben stehen sicher Transport-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen im Vordergrund. Genau diese Bereiche waren bereits vor dem Erdbeben schwach ausgebaut.
Steht genug Geld zur Verfügung?
Die internationale Geberkonferenz inklusive der Schweiz hat viel Geld gesprochen. Daneben spendeten auch Privatpersonen, beispielsweise via Glückskette. Nun geht es darum, dass die Gelder so eingesetzt werden, dass sie der leidenden Bevölkerung zugute kommen. Das ist nicht einfach, denn die Helfer sind nicht nur mit den Problemen des Erdbebens konfrontiert.
Sondern?
Die Infrastruktur von Haiti, dem ärmsten Land der nördlichen Hemisphäre, war bereits vor dem Erdbeben schlecht. Es wäre das Ziel, dass die internationale Hilfe dem Land einen Mehrwert erbringen kann. Das Land soll besser dastehen, als vor dem Beben. Aber das braucht Zeit.
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Alle 8 Kommentare

























Selbsthilfe
Wie man gestern hörte, klagen die Einwohner Haitis über Arbeitslosigkeit! Stimmt gibt ja nicht's zu tun, oder man könnte aktiv mal anfangen die Häuser zu räumen und wieder aufzubauen - da könnte man den Leuten Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und das Geld zukommen lassen. von Nicht's kommt nicht's.
Rezeptionistin
Das Palament sollen neues gesetz abschaffen, wenn jemand das Geld für sich nimmt oder das Geld für etwas anderes benutzt der sollt im Knast landen, weil die Leute die das Geld gespendet haben, die haben selber nicht so viel. Ich glaube die wollten die Opfer helfen, ich hoffe das jeden cent geprüft wird. Das heißt Schwarz auf Weiß ich bin haitianische ich weiß wo von ich rede. Die Leute sind im Not die regierung sollt endlich anfangen bevor das Geld weck ist die haben um hilfe gebitett die haben es auch bekommen worauf warten die.
Nützt nichs
Man wird Haiti mit Milliarden proper neu Aufbauen und den Haitianern übergeben, nach wenigen Jahren wird alles abgewirtschaftet und ruiniert sein. Man wird dann wieder dort sein, wo Haiti vor 20 Jahren war. Es ist ein Fass ohne Boden, weil der Haitianer nicht aktiv mitmacht!