Erdbeben

11. Juli 2010 17:56; Akt: 11.07.2010 19:07 Print

«Haiti soll besser dastehen als vor dem Beben»«Haiti soll besser dastehen als vor dem Beben»

von Lukas Mäder - Ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti liegt die Hauptstadt immer noch in Trümmern. Der Schweizer Deza-Leiter schildert den Alltag.

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Ruinen prägen das Stadtbild der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince auch noch ein halbes Jahr nach dem verheerenden Erdbeben vom 12. Januar 2010. (30. Juni 2010) Auf den Märkten in Port-au-Prince gibt es wieder Nahrungsmittel zu kaufen: Ein Mann läuft durch einen leeren Markt, der auf den Trümmern zerstörter Gebäude errichtet worden war. (21. Juni 2010) Leben unter schwierigen Umständen: Eine Haitianerin hält ihr zwei Monate altes Baby in einer Baracke, rechts ihr Mann. (2. Juli 2010) Viele der vom Beben Betroffenen leben immer noch in Zeltlagern. Kinder spielen im Lager Canahan 2 in Port-au-Prince Fussball. (30. Juni 2010) Ein Mann steht mit einer Krücke vor der zerstörten Kathedrale in der Hauptstadt. (2. Juli 2010) Brennender Abfall in den Trümmern von Port-au-Prince. (1. Juli 2010) Auf der Suche nach etwas Brauchbarem: Abfallhalde in Port-au-Prince. (23. Juni 2010) Die Trümmer sind noch lange nicht weggeräumt: Ein Mann stösst in den Trümmern der Hauptstadt eine Schubkarre. (21. Juni 2010) Ein Haitianer sucht Metall in den Trümmern. (7. Juli 2010) Betroffen vom Erdbeben ist nur die Region um Port-au-Prince: Fischer in Cabaret, im Norden Haitis. Doch das ganze Land könnte von Hurrikans, deren Saison derzeit beginnt, heimgesucht werden. (24. Juni 2010) Unbeschwertheit trotz des Bebens: Kinder auf einem Dach in Port-au-Prince. (28. Juni 2010) Kinder spielen neben der beschädigten Kathedrale in der haitianischen Hauptstadt. (2. Juli 2010) Die Erwachsenen verfolgen die Fussball-Weltmeisterschaft: Am 25. Juni 2010 spielt Brasilien, dessen Spieler Kaka auf der Mauer in Port-au-Prince prangt, gegen Portugal. In den Strassen von Port-au-Prince spielen Kinder Fussball. (21. Juni 2010) Die Fussball-Weltmeisterschaft prägt das Stadtbild: Brasilianische Flaggen in den Strassen von Port-au-Prince. (19. Juni 2010)

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Sie wohnen in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince. Wie erleben Sie den Alltag ein halbes Jahr nach dem Erdbeben?
Die Situation bleibt auch sechs Monate nach dem Beben noch schwierig. Das Alltagsleben der vielen Direktbetroffenen, die Haus oder Familie verloren haben, hat sich noch nicht normalisiert. Sie leben weiterhin in provisorischen Notunterkünften. Teils mitten in der Stadt unter sehr schwierigen Verhältnissen.

Was bedeuten «schwierige Verhältnisse»?
Die Leute leben sehr eng aufeinander. Es regnet jeden zweiten oder dritten Abend und die Unterstände sind meist nicht befestigt. Notbehausungen, die an exponierten Stellen standen, konnten vor Beginn der Hurrikan-Saison verlegt werden. Aber wohl über eine Million Menschen wohnen weiterhin in provisorischen Behausungen.

Wovon lebt diese Menschen?
Die Haitianer haben einen unglaublichen Überlebenswillen und eine grosse Adaptionsfähigkeit. Sie haben trotz der engen Verhältnisse in ihren provisorischen Unterkünften begonnen, informellen Arbeiten nachzugehen. Einer hat eine kleine Küche eröffnet, in der er Reis kocht. Eine andere betreibt eine Art Coiffeursalon oder einen kleinen Verkaufsladen.

Können die Einwohner von Port-au-Prince davon leben?
Mehrere Hunderttausend Personen sind direkt nach dem Erdbeben zurück in ihre Herkunftsregion gegangen. Nun will man versuchen, diesen Personen dort eine Unterkunft, Arbeit und Schulen zu bieten, damit sie nicht in die Hauptstadt zurückehren müssen.

Warum sollen sie nicht zurückkehren?
In den letzten Jahren gab es eine Wanderung vom Land in die Stadt, weshalb Port-au-Prince sehr dicht bevölkert ist. Die haitianische Regierung versucht, mit einer Dezentralisierung den Regionen mehr Gewicht zu geben und so die Landflucht zu stoppen. Jetzt besteht die Möglichkeit dazu, indem man den Leuten in ländlichen Regionen mit Unterkünften, Arbeitsplätzen und Schulen eine Perspektive schafft.

Wie gehen die Betroffenen mit der psychischen Belastung des Erdbebens und der schwierigen Lebensbedingungen um?
Es ist kaum nachvollziehbar, dass in dieser schwierigen Situation bisweilen so etwas wie Fröhlichkeit aufkommen kann. Die Haitianer sind sich sehr schwierige Situationen gewohnt und haben gelernt damit umzugehen. Es gibt auch eine Solidarität. Die Leute müssen einander helfen, denn nur mit gegenseitiger Unterstützung kommen sie weiter. Die Betroffenen sprechen auch miteinander über das Erlebte. Für die Kinder sind die Schulen wichtig. So haben sie wieder ein Alltagsleben und eine Aufgabe. Deshalb hat die Wiedereröffnung der Schulen eine hohe Priorität.

Braucht die Bevölkerung immer noch Nothilfe, beispielsweise mit Nahrungsmitteln?
Die Grundversorgung ist wieder gewährleistet. Es gibt Märkte mit Nahrungsmitteln. Die Versorgung mit Wasser und Elektrizität hat sich ebenfalls auf den Stand vor dem Erdbeben stabilisiert. Aber bereits damals gab es nur einige Stunden Strom täglich.

Wie sieht das Strassenbild aus?
Die Aufräumarbeiten sind im Gange. Das sind immense Arbeiten. Inzwischen sieht man in den Strassenzügen Lücken, wo früher eingestürzte Häuser waren. Aber es gibt noch viel zu tun. Oft sieht man Leute, die mit einfachsten Mitteln Trümmer zerkleinern und am Strassenrand für den Abtransport deponieren.

Hat der Wiederaufbau begonnen?
Derzeit läuft die sogenannte Recovery-Phase, ein Stadium zwischen Nothilfe und Wiederaufbau. Dabei werden beispielsweise befestigte Unterstände gebaut oder provisorische Schulen erstellt, damit die Kinder wieder zur Schule gehen können. Die eigentliche Bautätigkeit hat noch nicht begonnen.

Warum nicht?
Die Vorbereitungen brauchen Zeit. Die Trümmer müssen weggeräumt werden. Die Geberorganisationen müssen zusammen mit der Regierung planen, wo welche Infrastrukturprojekte wie Schulen oder Spitäler notwendig sind. Landfragen müssen geklärt werden und vieles mehr. Die eigentlichen Bautätigkeiten für den Wiederaufbau beginnen bei einer solch immensen Katastrophe erst nach ein bis eineinhalb Jahren.

Welches sind die dringendsten Infrastrukturprojekte?
Das Erdbeben hat mit der Hauptstadt Port-au-Prince das Herz des Landes getroffen und einen Grossteil der Ministerien zerstört. Deshalb funktionieren derzeit wichtige Dienstleistungen des Staates nur in provisorischen Strukturen. Daneben stehen sicher Transport-, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen im Vordergrund. Genau diese Bereiche waren bereits vor dem Erdbeben schwach ausgebaut.

Steht genug Geld zur Verfügung?
Die internationale Geberkonferenz inklusive der Schweiz hat viel Geld gesprochen. Daneben spendeten auch Privatpersonen, beispielsweise via Glückskette. Nun geht es darum, dass die Gelder so eingesetzt werden, dass sie der leidenden Bevölkerung zugute kommen. Das ist nicht einfach, denn die Helfer sind nicht nur mit den Problemen des Erdbebens konfrontiert.

Sondern?
Die Infrastruktur von Haiti, dem ärmsten Land der nördlichen Hemisphäre, war bereits vor dem Erdbeben schlecht. Es wäre das Ziel, dass die internationale Hilfe dem Land einen Mehrwert erbringen kann. Das Land soll besser dastehen, als vor dem Beben. Aber das braucht Zeit.

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  • Ardnas am 14.07.2010 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    Selbsthilfe

    Wie man gestern hörte, klagen die Einwohner Haitis über Arbeitslosigkeit! Stimmt gibt ja nicht's zu tun, oder man könnte aktiv mal anfangen die Häuser zu räumen und wieder aufzubauen - da könnte man den Leuten Hilfe zur Selbsthilfe anbieten und das Geld zukommen lassen. von Nicht's kommt nicht's.

  • Denise Mogge am 14.07.2010 02:32 Report Diesen Beitrag melden

    Rezeptionistin

    Das Palament sollen neues gesetz abschaffen, wenn jemand das Geld für sich nimmt oder das Geld für etwas anderes benutzt der sollt im Knast landen, weil die Leute die das Geld gespendet haben, die haben selber nicht so viel. Ich glaube die wollten die Opfer helfen, ich hoffe das jeden cent geprüft wird. Das heißt Schwarz auf Weiß ich bin haitianische ich weiß wo von ich rede. Die Leute sind im Not die regierung sollt endlich anfangen bevor das Geld weck ist die haben um hilfe gebitett die haben es auch bekommen worauf warten die.

  • Peter H. GRIMM am 13.07.2010 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    Nützt nichs

    Man wird Haiti mit Milliarden proper neu Aufbauen und den Haitianern übergeben, nach wenigen Jahren wird alles abgewirtschaftet und ruiniert sein. Man wird dann wieder dort sein, wo Haiti vor 20 Jahren war. Es ist ein Fass ohne Boden, weil der Haitianer nicht aktiv mitmacht!