Iran

10. Mai 2015 01:17; Akt: 10.05.2015 01:17 Print

Schwieriger Kampf gegen zu viel nackte Haut im Netz

von Raphael Satter, AP - Wenn Promis sich freizügig präsentieren, nehmen Zensoren im Iran Anstoss. Über Instagram gelangen die Bilder jetzt aber dennoch auf iranische Smartphones.

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Neckische Dessous und nackte Haut: Allzu freizügige Fotos von Promis stossen bei den Sittenwächtern im Iran auf Missfallen. Popstar Justin Bieber, Musik-Ikone Jennifer Lopez oder It-Girl Kim Kardashian sind daher mit ihren offenherzigen Instagram-Bildern im Visier der Zensur. Fast 1000 Konten hatte die Islamische Republik Iran nach Berichten des Sicherheitsanalysten Frederic Jacobs blockiert, darunter die der drei Stars ebenso wie einige Mode-Seiten oder politische Auftritte.

Jetzt jedoch war Lopez erneut mit einem tiefe Einblicke gewährenden Drachenkleid zu sehen, Kardashian kam mit sexy Selfies in Dessous zurück auf die iranischen Smartphones, Bieber erschien erneut mit nacktem tätowiertem Oberkörper.

Dank Instagram werden die Bilder unzensiert gesehen

Sein Kollege im Iran habe dieser Tage Zugang zu den gewagten Fotos gehabt, bestätigt Mahmood Enayat von der Londoner Recherchegruppe Small Media, die sich für freien Informationsfluss stark macht. Dass es der Zensur offenbar nicht gelinge, den Bilderstrom zu kontrollieren, bedeute ein Versagen der Internet-Politik des «Smart Filtering». Mit dieser Methode des intelligenten Filterns sollen unerwünschte Inhalte abgefangen werden, ohne die betreffenden Seiten komplett zu blockieren.

«Der Fall Instagram zeigt, dass es nicht funktioniert», erklärt Enayat. Gerade die im Iran gut zugängliche Foto-Sharing-App Instagram galt als Vorzeigeprojekt für die gezielte Zensur als anstössig eingestufter Inhalte. Statt die Seiten von Lopez und Co. wie bislang zu verbieten, sollte die Technik nun vermutlich auch hier zur Anwendung kommen.

Anzahl Instagram-Abonnenten ums Dreifache gestiegen

«Es scheint etwas peinlich», sagt die Internet-Expertin Mahsa Alimardani, die ihre Recherchen gemeinsam mit Jacobs auf der Web-Konferenz re:publica in Berlin vorstellte, über den leichten Zugang zu den freizügigen Bildern. Diese seien im Iran wieder aufgetaucht, nachdem Instagram im vergangenen Monat mit der Verschlüsselung von Verbindungen zwischen Server und Smartphones begonnen habe. Damit ist für Beobachter schwer möglich zu sehen, mit welchem Account sich die Nutzer verbinden, und eine gezielte Blockade bestimmter Fotos wird schwierig.

Ob und wie Teheran nun reagieren wird, ist schwer absehbar. Die iranische Botschaft in London antwortete nicht auf entsprechende Anfragen. Instagram zählt aber ohnehin nicht zu den sozialen Netzwerken, die als bevorzugtes Mittel zur politischen Mobilisierung gelten. Eigner Facebook gibt die Anzahl der Nutzer im Iran nicht preis. Sie scheint aber schnell zu steigen. Der App-Store Cafe Bazaar in Teheran meldet sechs Millionen Downloads quer durchs Land. Damit wäre die Zahl zum vergangenen Jahr auf das Dreifache angewachsen, sagt Small-Media-Chef Enayat.

Die gezielte Zensur werde den Iran noch stark beschäftigen, prognostiziert Hadi Ghaemi von der Internationalen Kampagne für Menschenrechte im Iran. Bislang funktioniere die Technik, die Zugang zu populären Seiten gewähren und zugleich als Zusicherung an die Hardliner anstössige Inhalte fernhalten soll, jedenfalls nicht wie gewünscht: «So fern wir das beurteilen können, ist nichts daran «smart».»