Testlauf in Berlin

02. August 2017 21:21; Akt: 02.08.2017 21:21 Print

An Bahnhof erkennen Kameras jetzt Gesichter

Für die einen ist es der Weg in den Überwachungsstaat, für die anderen ein probates Mittel im Antiterror-Kampf: Berlin testet umstrittene Gesichtserkennungskameras.

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Überwachungskameras, die Passanten nicht nur filmen, sondern anhand ihrer Gesichter auch identifizieren: Weil das für die Sicherheitsbehörden technisches Neuland ist, wird das umstrittene Verfahren seit Dienstag am Bahnhof Berlin-Südkreuz erprobt. Die wichtigstens Fragen und Antworten.

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Wie funktioniert die Gesichtserkennung?

Wird jemand von einer entsprechend ausgerüsteten Videokamera erfasst, so wird sein Gesicht mit biometrischen Fotos aus einer Datenbank abgeglichen, in der zum Beispiel Straftäter erfasst sind. So kann deren Aufenthaltsort ermittelt werden, sofern sie die entsprechende Kamera passieren.

Wie sieht das Pilotprojekt aus?

Am Berliner Bahnhof Südkreuz sind drei der dort vorhandenen 77 Videokameras mit Software zur Gesichtserkennung ausgestattet. Es wurden verschiedene Produkte dreier Hersteller installiert, um sie miteinander vergleichen zu können. Jedes Mal, wenn einer der rund 300 freiwilligen Teilnehmer durchs Bild läuft, soll er erfasst werden. Die Beteiligten sollen während der sechsmonatigen Testphase zudem einen Transponder tragen, der parallel registriert, wenn sie den Bereich durchlaufen. Damit soll die Zuverlässigkeit der Gesichtserkennungssoftware überprüft werden.

Gespeichert werden für eine gewisse Zeit nur die Aufnahmen der an dem Test Beteiligten. Die Daten anderer Menschen, die den Bereich der Kameras passieren, bleiben nicht erhalten. Zudem ist der Bereich des Pilotversuchs deutlich gekennzeichnet, sodass ihn Passanten generell meiden können, wenn sie nicht von den Kameras erfasst werden wollen.

Mit dem Pilotprojekt soll nur erprobt werden, wie gut die Systeme arbeiten – auch dann, wenn Passanten mit Sonnenbrille oder Schal unterwegs sind, und nicht so ohne weiteres erkennbar sind. Inwieweit die Technik dann auch eingesetzt wird, muss später politisch entschieden werden.

Welche Rechtsgrundlagen hat das Verfahren?

Der Bund beruft sich bei dem Test auf den Paragrafen 27 des Bundespolizeigesetzes, in dem die Behörde ermächtigt wird, «selbsttätige Bildaufnahme- und Bildaufzeichnungsgeräte» einzusetzen.

Welche Kritik haben Datenschützer?

Datenschützer und etwa der Deutsche Anwaltverein (DAV) wenden allerdings ein, dass es für den möglichen regulären Einsatz der Gesichtserkennung keine ausreichende Rechtsgrundlage gibt. Es handele sich um einen «intensiveren Grundrechtseingriff», deshalb könnten die bestehenden Gesetze nicht herangezogen werden, heisst es in einer gemeinsamen Erklärung der Datenschutzbeauftragten von Bund und Ländern aus dem Frühjahr diesen Jahres. Die Technik ermögliche eine «dauerhafte Kontrolle darüber, wo sich konkrete Personen wann aufhalten oder bewegen und mit wem sie hierbei Kontakt haben».

Ermöglicht würden so umfassende Bewegungsprofile und die Verknüpfung mit anderen verfügbaren Daten. Weil die biometrische Identifizierung mit Wahrscheinlichkeitsaussagen arbeite, seien zudem falsche Identifizierungen keine Seltenheit. Gegen den am Dienstag gestarteten Test gibt es aber keine Bedenken, weil er freiwillig ist.

(afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • David Heruno am 02.08.2017 21:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Franklin sagte einst, wer die Freiheit wegen der Sicherheit aufgiebt, wird beides verlieren. Sollte man sich mal durch den Kopf gehen lassen.

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  • Das Propagandaministerium am 02.08.2017 22:21 Report Diesen Beitrag melden

    Folgenschwere Fehlentscheide

    Ob das mit grosser Sonnenbrille und Vollbart auch funktioniert? Oder ist man dann automatisch Terrorist? Ihr wolltet das NDG und ihr werdet es eines Tages bitter bereuen. Und wenn nicht ihr selbst, dann mit Garantie eure Kinder.

  • Amina123 am 02.08.2017 21:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    big brother lässt grüssen

    aha..eben...fehlerquote relativ hoch... und wann kommt der chip,der bei geburt schon 'mitgeliefert' ist? schwachsinn... überwachung total... wo bleibt das menschenrecht in bezug auf privat?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Carla am 03.08.2017 19:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafmass zuerst anpassen

    Find ich gut. Dann können auch gleich andere Straftäter in der Schweiz der Kuscheljustiz zugeführt werden. Zuerst mal bitte generell bei Gewaltdelikten das Strafmass massiv erhöhen.

  • Bebbi am 03.08.2017 18:38 Report Diesen Beitrag melden

    Gesichtserkennung auch am Billet Automat

    Der Automat kennt mich, weiss wo ich Wohne und stellt mir das Billet automatisch aus. Wenn ich am Zielort nicht aussteige ruft er die Rettung. So macht Zukunft wirklich spass. Übrigens es gibt gar keine Datenbank für explosive Terroristen.

    • Li am 03.08.2017 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Bebbi

      Vorteil, Selfis Unnötig, irgendwann werdet uns die Fotos verschenken.

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  • MadChengi am 03.08.2017 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Welcome to Big Brother State

    Dann fehlt jetzt wirklich nur noch der RFID-Biochip implantiert und dazu landesweit alle 500m ein Lesegerät! Gratuliere, bravo liebe ignorante und obrigkeitshörige (blinde) Mitbürger - wir sind erfolgreich in der Ueberwachungs-Dikatur angekommen! Hat nie jemand interessiert und sie werden wohl freiwillig in die Lager rennen, wenn die ersten 100 ein Gratis I-Phone erhalten!

  • Patrick am 03.08.2017 10:56 Report Diesen Beitrag melden

    Burka

    Und bei Burka erkennt es dann einfach Burka.

  • Thomas am 03.08.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Dummes Argument

    Das dümmste Argument der Pro Überwacher ist immer "wer nichts zu verbergen hat". Der Witz ist aber, dass eben diejenigen die etwas verbergen wollen locker Kameras umgehen können (Bart ankleben, Sonnenbrille auf, Kaputze auf, Möglichkeiten gibts 100e). Überwacht werden also letzten endes die normalen Bürger und spätestens wenn solche Daten dann auch noch an 3te weitergegeben werden kann daraus plötzlich jeder normale Bürger benachteilt werden. Sicherheit bringt es Trozdem keine. Wie Franklin schon sagte (und hier bereits rezitiert wurde) verlieren wir Freiheit UND Sicherheit zugunsten von was?.