TV-Hetze gegen Bewegung

30. Oktober 2011 12:40; Akt: 30.10.2011 16:53 Print

Wie «Fox News» Krieg gegen «Occupy» führt

Konservative Medien haben Mühe mit den Aktivisten von «Occupy Wall Street». Allen voran der TV-Sender «Fox News»: Er fährt eine regelrechte Hetz-Kampagne gegen die Bewegung.

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Mitte September besetzten Aktivisten die Wall Street in New York. Unter dem Namen «Occupy Wall Street» (OWS) wurde daraus inzwischen eine Bewegung, die auf mehrere Städte und Länder übergeschwappt ist. Konservative Medien – allen voran der TV-Sender «Fox News» – scheinen mit der Bewegung aber ihre liebe Mühe zu haben. In ihren Beiträgen hetzen sie regelmässig gegen die Demonstranten. Protest und Forderung hält der TV-Sender in erster Linie für nicht-legitim, schreibt die «Washington Post» und greift hierzu verschiedene Berichte von «Fox News» auf.

So müssten laut einem Beitrag des Senders OWS-Demonstranten Dreck essen und mittels Steintafeln miteinander kommunizieren, wenn sie denn ihre Forderungen ernst meinen. Ferner hätten sie in Armut zu leben und dürften keine Wertsachen besitzen. «Fox News» kritisiert vor allem, dass die Demonstranten zwar gegen Finanzinstitutionen und Wohlstand protestieren, gleichzeitig aber selbst mit Apple-Produkten kommunizieren. Die Diskussion von «Fox News» um «Occupy Wall Street» sei aber heuchlerisch und ungenau, so die «Washington Post».

Krieg gegen «Occupy Wall Street»

Das Nachrichtenportal «Politicususa» spricht gar von einem Krieg, welchen der konservative Sender «Fox News» gegen die neue Bewegung führe. Bill O’Reilly, Gastgeber der Polit-Sendung «The O’Reilly Factor» habe die wahre Absicht des Senders selbst entlarvt, als er die Angriffe auf die 99-Prozent-Bewegung zu verteidigen versucht habe. In seiner Sendung erklärte er, selbst unabhängig zu sein und sich die Gruppe angesehen zu haben. Er habe wissen wollen, worum es überhaupt gehe. «Aber als sie anfingen, unsere Leute anzugreifen, darunter John Stossel und Geraldo, sagte ich mir: Ich will keine dieser Leute. Ich garantiere, dass 90 Prozent unabhängiger Amerikaner das Gleiche sagen. Wir mögen sie nicht. Wir trauen ihnen nicht. Wir glauben, dass sie alles Radikale sind.»

Geraldo Rivera sei von den Demonstranten niedergebrüllt worden, schreibt die «Huffington Post», als er vor Ort über die Bewegung berichtet habe. «Politicususa» moniert nun, dass O’Reilly «Fox News» selbst zum Opfer mache und damit zu rechtfertigen versuche, dass der Fernsehsender täglich eine Schmierenkampagne gegen die Occupy-Bewegung führe. Tatsächlich greife O’Reilly die Bewegung seit Wochen an. Eine Psychotherapeutin, die er eingeladen hatte, sagte in der Sendung, dass sie sich grosse Sorgen um die OWS-Teilnehmer mache, da diese zu Depressionen und mentalen Problemen neigten und destruktive Gefühle hätten. O’Reilly und die Psychotherapeutin zeigten sich überzeugt, dass die Teilnehmer der Bewegung nur die Wertsachen der Reichen wollten und das sei schrecklich für die mentale Gesundheit.

Am Mittwochabend lud der Sender den Autor Aaron Klein ein, der sein neuestes Verschwörungsbuch vorstellte. Klein nutzte die Gelegenheit, um zu erklären, welche Verbindung zwischen der «Red Army» – das ist der Titel seines Buches – und Occupy Wall Street sei. Radikale stünden hinter der OWS-Bewegung, so sein Fazit.

Negativ-Kampagne zugegeben

Mit der Negativkampagne stellt sich «Fox News» ins Abseits, da die Bewegung in der Bevölkerung grossen Zuspruch erhält, und zwar aus allen Schichten. Laut einer aktuellen Umfrage von CNN haben 32 Prozent der Befragten eine positive Meinung über die OWS-Bewegung. 29 Prozent stehen ihr hingegen ablehnend gegenüber. Während 13 Prozent schon einmal von der Bewegung gehört hatten, dazu aber keine Meinung haben, sei besonders interessant, dass 26 Prozent aussagten, noch nie von der Bewegung gehört zu haben. Gleichzeitig waren 80 Prozent der Befragten der Meinung, dass Wall Street Banker und Börsianer gierig seien. 65 Prozent halten sie für unehrlich, 77 Prozent für überbezahlt. Für «Politicususa» beweist dies, dass der Zuspruch für die Bewegung in der Bevölkerung noch deutlich grösser sein könnte, die Medien aber ihre Aufgabe bezüglich Berichterstattung nicht erfüllen.

Medien, die eng mit Republikanern verbandelt seien und mit den Finanzinstitutionen zusammenarbeiten, hätten die Demonstranten bislang als ahnungslose Unruhestifter dargestellt. Zahlreiche lokale Zeitungen und Fernsehstationen hätten es ganz unterlassen, über die OWS-Bewegung zu berichten. Wäre dies nicht passiert, wäre die Unterstützung für die Bewegung aufgrund ähnlicher Einstellungen gegenüber Finanzinstitutionen demnach noch grösser als bisher.

Unterstützung aus Ägypten

Doch nicht nur in den USA sympathisiert die Bevölkerung mit der Bewegung. Ägyptische Aktivisten, die anfangs Jahr den Herrscher Hosni Mubarak zum Rücktritt gezwungen hatten, haben der wachsenden Occupy-Bewegung in den USA und in Europa ihre Unterstützung angeboten, schreibt der «Guardian». Ein Kollektiv von in Kairo ansässigen Aktivisten übermittelte eine Solidaritäts-Botschaft mit den Worten: «Wir sind jetzt auf verschiedene Art im gleichen Kampf miteinander verbunden. Was die meisten Experten den Arabischen Frühling nennen hat seine Wurzeln in den Demonstrationen, Streiks, Auseinandersetzungen und Besetzungen, die jetzt auf der ganzen Welt stattfinden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fabian am 30.10.2011 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Fox gehört zum grossen Murdoch-Konzern

    wenn also wundert dieses treiben des Senders? Dazu gibt es einen Wunderbaren Doku-Film namens: "Outfoxed" Fox hatte auch zu Bush-Zeiten nur das "Positive" zu berichten! So gab es auch nie amerikanische Tote im Krieg! "Occupy Fox-News!"

  • Meine Meinung am 31.10.2011 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bald werden die 99% der Occupy-Bewegung

    noch ein paar 1000 neue Anhänger in der Schweiz bekommen. Die 2000 von Novartis entlassenen, sowie die von der CS nächstens, zur Bilanzoptimierung entsorgten 1000 Mitarbeiter, werden aus ihrer Traumwelt fallen und lernen die wirtschaftlichen Zusammenhänge, in Bezug auf die neue 1% Realität kennen. Wenn sie die neu gewonnene Freizeit zum demonstrieren benützen, heisst das keineswegs, dass sie arbeitsscheu sind. Noch wird demonstriert, schnell kann sich das ändern. Der amerikanischen 1% TV-Fuchs kann nicht mehr als ein paar Hühner fressen, die restlichen 99% werden ihm die Augen aushacken.

  • Amir Masudin am 30.10.2011 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wer führt hier Krieg gegen wen?

    Das kommt mir viel eher wie Krieg gegen Fox News vor.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Franz W. Seibold am 02.11.2011 05:53 Report Diesen Beitrag melden

    Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen

    Ist den die Occupy-Bewegung nicht selbst eine Hetzkampagne? Die Occupy-Aktionen bringen die Menschheit nirgends weiter und sind der Gesellschaft eher hinderlich und unnütz. Eine Kampagne macht mit einer medialen Gegenmeinung von FOX-News macht da schon mehr Sinn.

  • Meine Meinung am 31.10.2011 07:26 Report Diesen Beitrag melden

    Bald werden die 99% der Occupy-Bewegung

    noch ein paar 1000 neue Anhänger in der Schweiz bekommen. Die 2000 von Novartis entlassenen, sowie die von der CS nächstens, zur Bilanzoptimierung entsorgten 1000 Mitarbeiter, werden aus ihrer Traumwelt fallen und lernen die wirtschaftlichen Zusammenhänge, in Bezug auf die neue 1% Realität kennen. Wenn sie die neu gewonnene Freizeit zum demonstrieren benützen, heisst das keineswegs, dass sie arbeitsscheu sind. Noch wird demonstriert, schnell kann sich das ändern. Der amerikanischen 1% TV-Fuchs kann nicht mehr als ein paar Hühner fressen, die restlichen 99% werden ihm die Augen aushacken.

  • Mike am 31.10.2011 06:51 Report Diesen Beitrag melden

    Foxy Lady....

    Fox verbreitet eh jeden Mist, mit dem sie ihre Gegner (Demokraten) schädigen können. Sicher wollen sie diesen Protest auch ihren Gegnern in die Schuhe schieben. Vermutlich wird Fox bald Pailin in einem Supergirl Kostüm dorthin schicken um aufzuräumen. Was für ein Affentheater...

  • Amir Masudin am 30.10.2011 22:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wer führt hier Krieg gegen wen?

    Das kommt mir viel eher wie Krieg gegen Fox News vor.

  • Tizi Hug am 30.10.2011 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Volkskrankheit Bankenfieber

    Leeres Geschwätz! Occupy, die neue Modebewegung, bald schreit sich jeder ein Verschwörungstheoretiker, aber traritrara bleibts weiterhin - Geldsystem kontrolliert komplett abschaffen, jeder Mensch mehr Selbsterkentniss und all unsere Probleme sind gelöst! Für jedermann gleichgut!