Schutzzonen für Syrien

29. September 2017 03:11; Akt: 29.09.2017 03:34 Print

Putin und Erdogan sind wieder Freunde

Russland und die Türkei wollen sich in Syrien enger abstimmen und Deeskalationszonen einrichten. Darauf einigten sich die beiden Präsidenten.

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Haben den alten Streit vergessen: Wladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdogan. (28. September 2017) (Bild: AFP/Adem Altan)

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Russland und die Türkei wollen die Zusammenarbeit ihrer Diplomaten, Militärs und Geheimdienste im syrischen Bürgerkrieg weiter verstärken. Das kündigte der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstagabend in Ankara nach einem Arbeitstreffen mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan an.

Beide bekräftigten die Einrichtung von vier sogenannten Deeskalationszonen in Syrien, die Mitte September bei der jüngsten Gesprächsrunde in Astana in Kasachstan vereinbart worden war.

An den Astana-Gesprächen nehmen Russland und der Iran als Unterstützer der syrischen Regierung teil, die Türkei gilt als Schutzmacht der Opposition.

«Brudermörderischer» Krieg

Gemeinsam wollten beide Länder die Einrichtung einer solchen Sicherheitszone in der bislang von Jihadisten kontrollierten Region vorantreiben, sagte Erdogan am Donnerstag nach dem Treffen.

Die grösste dieser Schutzzonen soll in der nordsyrischen Provinz Idlib entstehen. Der Weg dahin sei nicht einfach gewesen, sagte Putin. Aber damit würden die Voraussetzungen für eine Rückkehr der Flüchtlinge und ein Ende des «brudermörderischen» Krieges in Syrien getroffen.

Putin betonte, nach mehr als sechs Jahren Bürgerkrieg lägen die «notwendigen Bedingungen» für ein Ende des Konflikts vor. Russland und die Türkei wollten ihre «Koordinierung vertiefen», um ein Ende der Kämpfe zu erreichen. Unabhängigkeitsreferendum keine «Legitimität»

Russland und die Türkei wollen nach den Worten des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan eine Spaltung des Iraks und des Bürgerkriegslandes Syrien verhindern: «Beim Thema territoriale Integrität, sei es die des Iraks oder Syriens, sind wir einer Meinung.»

Erdogan betonte erneut, das Unabhängigkeitsreferendum im Irak, bei dem fast 93 Prozent für eine Abspaltung der Kurdenregion stimmten, habe «überhaupt keine Legitimität». «Leider hat die Regionalregierung, indem sie das Referendum trotz aller freundschaftlichen Warnungen abgehalten hat, einen grossen Fehler begangen.»

Erdogan kündigte nicht näher benannte «Massnahmen» gegen die kurdische Führung an. Zuvor hatte er gedroht, die Ölexporte der Kurdenregion über die Türkei zu stoppen. Er hatte auch militärische Schritte nicht ausgeschlossen. Putin verwies auf die Haltung seiner Regierung, wonach das Unabhängigkeitsreferendum der Kurden im Irak das Land nicht destabilisieren dürfe.

Rapide Annäherung weckt Argwohn

Der nur wenige Stunden dauernde Besuch Putins bei Erdogan war auch eine Demonstration der engen Partnerschaft, die die beiden Präsidenten inzwischen aufgebaut haben. Bei der Pressekonferenz – bei der keine Fragen zugelassen waren – bezeichneten Putin und Erdogan den jeweils anderen als Freund.

Die rapide Annäherung des Nato-Partners Türkei an Moskau wird im Westen mit Argwohn beobachtet. Das gilt besonders, seit Ankara mit Moskau den Kauf des modernen russischen S-400-Luftabwehrsystems vereinbart hat.

Dabei herrschte bis zum Sommer vergangenen Jahres noch Eiszeit zwischen Russland und der Türkei. Auslöser der schweren Krise war der Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei im November 2015. Im August 2016 legten beide Seiten den Konflikt offiziell bei, nachdem Erdogan sich entschuldigte. Die damals verhängten Sanktionen hat Moskau aber immer noch nicht vollständig aufgehoben.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Irre mit dem Smartphone am 29.09.2017 06:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Feder ist mächtiger als das Schwert

    Informationen und deren Deutungshoheit, dies ist so eine Meldung, an der man perfekt beobachten kann, wie Propaganda funktioniert. Auf Sputnik eine kurze Meldung über den Erfolg der Schutzzonen, deren Ausbau und wer sie eingeführt hat. Das Referendum der Kurden wird mit keinem Wort, in diesem Zusammenhang erwähnt. Es ist immer schwer zu erklären, warum das gleiche, wenn man es selber tut richtig und wichtig ist, jedoch wenn es jemand anderes wiederholt und dadurch die eigenen Interessen gefährdet, es schlecht ist. Also schweigt man und äußert sich, zu gegebener Zeit, nur beiläufig dazu. Im Gegensatz dazu, unterstreichen die Westmedien, den wundersamen Gesinnungswandel, der beiden Parteien, die im Syrien Krieg, auf verschiedenen Seiten stehen und vor nicht allzu langer Zeit, Flugzeuge des jetzigen Partners abgeschossen haben und die immer noch verhängten Sanktionen, als Antwort darauf. Freunde sind die beiden sicher nicht geworden, nur die Schnittmenge der gemeinsamen Interessen, ist so groß geworden, das man durch Kooperation mehr Vorteile erhält, als durch Konfrontation.

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  • Hendrix am 29.09.2017 12:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flüchtlinge zurück?

    Diesen Konflikt kann nur Erdogan mit der Hilfe Putins lösen. Alle Anderen haben versagt oder die Situation nur noch verschlimmert. Die USA haben in Syrien und dem Irak nichts zu suchen!!

  • Demokrat am 29.09.2017 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witzig

    das einzige richtige ist das diese 2 Länder vom Westen sich nichts diktieren lassen. Europa (Merkel und Company) dürfen ja keine eigene Meinung haben ohne vom Westen abgesegnet zu haben. Es ist immer besser wenn man mit seinen direkten Nachbarn enge Beziehung hat, weder eine kriegerische Konflikte aufbaut... USA ist nicht Interessiert das Europa stark wird, aber das ist ja bekannt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Qaso am 01.10.2017 10:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welt ist bereit für neue Mitglied freie Kürdistan

    Die ganze türkische aussen und innen Politik ist so gerichtet, dass die Kurden ihre Grundrechte nicht bekommen. Deshalb hat die Türkei IS gegen Kurden mit Waffen und allen Miteln nterstützt, deshalb hat die USA nicht mit hre 70 jaehrige "vernümdete" Türkei dondern mit Kurden gegen IS kaemft. Egal was Erdoan mach, es ist die Zeit dass die Kurden auf ihre Land frei leben. Die Türkei Musa früher oder spaeter von besetzten Teil Kürdistan zurück lassen.

  • Ostseeanrainer am 29.09.2017 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einen Versuch ist es wert

    Vielleicht sollten es die Beiden versuchen und vielleicht erreichen die Beiden tatsächlich etwas.Nur sollten sich dann die Amis und Europa raushalten, sonst wird's immer noch nichts mit dem Frieden in der Region.Viele Köche verderben eben immer noch den Brei.Leider bleibt's auch diesmal nur Wunschdenken,allein schon wegen Israel.

  • CarpeDiem am 29.09.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hatte Erdogan schon lange vor

    Erdogan hatte dies seit Anfang des Bürgerkrieges vorgeschlagen. Dies passte aber natürlich den Kriegstreibern auf Übersee nicht. Je länger der Krieg dauert desto mehr Geld kann man verdienen. Vor allem kann man bei einem längeren Konflikt die Errichtung von mehreren Militär Stützpunkten in der kurdischen Region Syriens legitimieren. Ein NATO Partner, der einen Bürgerkrieg vor der Haustür zulässt, die Oppositionen stark bewaffnet und dann einem nichtmal Waffen verkauft ist die Freundschaft zu kündigen. Natürlich kommt man dann Russland entgegen. Ist auch der ehrlichere Partner.

  • Pirat2222 am 29.09.2017 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freunde?

    Die haben beide keine Freunde ausserhalb ihrer Parteien. Und schon gar nicht im Ausland. Das nennt sich Zweckbündnis.

  • Erwind T. am 29.09.2017 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Friedensengel

    Die beiden Friedensengel wieder vereint! Wunderbar! Und erst all die begeisterten Kommentare der Schweizer! Dabei ist den beiden Herren das Schicksal der Betroffenen so was von egal. Da geht es um ganz andere Interessen. Nicht dass die Amis besser sind, aber Putin und Erdogan feiern ist irgendwie weltfremd.