Thailand

04. Dezember 2011 13:48; Akt: 04.12.2011 13:55 Print

Keine Amnestie für Ex-Präsident Thaksin

Thailands im Exil lebender Ex-Ministerpräsident Thaksin Shinawatra wird nicht in sein Land zurückkehren dürfen. Eine erlassene Amnestie betreffe ihn nicht, heisst es.

Bildstrecke im Grossformat »
Auch am 20. Mai, dem Tag nach dem offiziellen Protestende, bleibt die Lage in Thailands Hauptstadt angespannt. Die Armee bleibt in Alarmbereitschaft im Geschäftsviertel, das zuvor wochenlang von oppositionellen Rothemden besetzt war. Die verbliebenen Oppositionsanhänger müssen einen Tempel verlassen, der ihnen als Unterschlupf gedient hatte. In der Nähe des Geschäftsviertels, in dem sich die Rothemden verschanzt hatten, wurden noch mehrere hundert Oppositionelle vermutet. Die rauchende Brandruine eines Shoppingcenters am Tag nach der Militäroffensive. In den Stunden nach der Militäroffensive gingen am 19. Mai auch Gebäude der Behörden in Flammen auf. Dicke Rauchschwaden liegen über der Innenstadt Bangkoks. Blick in die Kampfzone. "Die Thais haben ihr Lächeln verloren", erklärt Leser-Reporter David Eggimann. Radikale Rothemden kämpfen weiterhin gegen die Armee. Am 18. Mai 2010 liess die thailändische Regierung eine Militäraktion zur Räumung des Protestcamps in Bangkok starten. Panzer fuhren die Barrikaden nieder. Soldaten stürmten das Gelände. Rauchwolken hingen über der Stadt. Ein Rothemden-Aktivist steht Wache bei einer Barrikade aus brennenden Autopneus, 17. Mai 2010. Ein Demonstrant geht - mit zahlreichen Schutzamuletten um den Hals - an einer Barrikade in Bangkok vorbei, 17. Mai 2010. Bewaffnete Polizisten sichern Strassenzüge im Geschäftsviertel von Bangkok. Die Hotels sind voll mit Soldaten und Polizisten; auf den Fluren stehen ihre Stiefel und Schutzschilde. Bilder aus der Kampfzone: Demonstranten verschanzen sich in Bangkoks Geschäftsviertel hinter ihren Strassensperren. Die Hauptbühne des Protests, wo bis vor wenigen Tagen noch Popstars und Redner laut Korrespondenten ein Volksfest veranstalteten. Der General Khattiya Sawasdipol wird am 13.5.2010 erschossen, als er Journalisten ein Interview geben wollte. Die Lage in Bangkok ist unübersichtlich. Rauch über Bangkok. Verletzte und Tote auf Seiten der Regierungsgegner. Verletzte werden schnell aus dem Schussfeld getragen. Downtown Bangkok gleicht einem Schlachtfeld. Die Vogelperspektive zeigt Barrikaden der Rothemden im Finanzviertel. Bei den Zusammenstössen hats auch viele Gaffer. Oppositionelle schützen sich hinter einem Betonpfeiler bei der Silom Kreuzung. Ein verletzter Demonstrant wird weggeschleppt. Ein Rothemd kämpft mit unkonventionellen Methoden gegen die Armee. Auch Steinschleudern werden im Kampf gegen die Armee eingesetzt.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der ehemalige thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra fällt nicht unter eine am Sonntag in Kraft tretende Amnestie, die ihm eine Rückkehr aus dem Exil ermöglicht hätte. Die Amnestie gelte nur für Verurteilte, die Zeit im Gefängnis verbrachten.

Dies teilte die Strafvollzugsbehörde mit. In Thailand werden traditionell aus Anlass des Geburtstags von König Bhumibol Adulyadej Häftlinge aus den Gefängnissen entlassen. Dieses Mal sollen es etwa 22 000 sein. Der Monarch wird am Montag 84 Jahre alt.

Schwester an der Macht

Im November hatten Medienberichte, wonach die seit August amtierende thailändische Regierungschefin Yingluck Shinawatra ihren älteren Bruder Thaksin auf die Amnestieliste setzen wollte, für Empörung bei der Opposition gesorgt.

Die Armee hatte Thaksin, der derzeit im Emirat Dubai im Exil lebt, 2006 gestürzt. Im Jahr 2008 wurde er wegen Bestechung in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft verurteilt. Im vergangenen Jahr gab es heftige Strassenschlachten zwischen Thaksin-Anhängern, den sogenannten Rothemden, und dem Militär.

Bald Pass zurück

Die frühere Regierung hatte Thaksin 2009 den Reisepass entzogen. Nun soll ihm dieser wieder ausgehändigt werden. Aussenminister Surapong Tovichakchaikul sagte am Freitag, der Entzug des Passes habe auf keinerlei richterlicher oder polizeilicher Anweisung erfolgt.

Thaksin soll seinen Pass «sehr bald» zurückbekommen. Es würden nur noch einige Details geprüft, sagte Aussenminister Surapong. «Es wäre schön, wenn es sein Neujahrsgeschenk werden würde», ergänzte der Minister.

Mit der Rückgabe des Passes riskiert die neue Führung eine harte Konfrontation mit der Opposition, vor allem mit den königstreuen «Gelbhemden».

(sda)

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ingo Knito am 05.12.2011 05:10 Report Diesen Beitrag melden

    2012 abwarten ...

    und wie es mit dem Gesundheits-Zustand und der Nachfolge-Regelung der Chakri-Dynastrie unter HRM King Bumiphol Adulyadej, Rama IX danach aussehen wird.

  • Seefahrer am 05.12.2011 03:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bestechung

    Würde jeder Korrupte in Thailand verurteilt wäre der halbe Staatsapparat im Gefängnis. Für die Landbevölkerung hat Thaksin aber Einiges getan.

  • Daniel Schneiter am 04.12.2011 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Thaksin & Berlusconi

    Die Aehnlichkeiten der Machtapparate von Thaksin und Berlusconi sind frappant genauso wie das Machtverständnis der Protagonisten. Das System Berlusconi mit Berlusconi am Ruder ist Historie und das sollte auch der Thaksin-Clan einsehen...

    • Buddha am 04.12.2011 19:21 Report Diesen Beitrag melden

      Thai Rak Thai

      Und wer hat eine Krankenversicherung in Thailand eingeführt? Wer hilft den Reisbauern? Wohl kaum die Elite in Bangkok.

    • heiri basler am 05.12.2011 03:39 Report Diesen Beitrag melden

      Hilfe???

      @Buddha: Schon mal mit thailändischen Reisbauern selbst gesprochen??? Woraus besteht die Hilfe Ihrer Meinung nach? Höchstens darin, dass sie kurz vor den Wahlen jeweils Geld vom Thaksin-Clan bekommen, damit sie ihm die Stimme geben!

    • Thai Resident am 05.12.2011 06:58 Report Diesen Beitrag melden

      Thaksin

      hat der ärmeren Bebölkerungsschicht einiges gebracht, das ist nicht zu bezweifeln. Das Problem war eher, dass er als reichster Thaibürger beim Verkauf seines Telekomkonzerns die Steuern hintergangen hat und sich und seine Familie bei diversen Geschäften massiv bereicherte. Die ganze Hilfe muss schlussendlich ja auch irgendwie finanziert werden.

    • Reto Derungs am 12.01.2012 14:36 Report Diesen Beitrag melden

      So liefen seine Wohltaten

      Thaksin hat seinerzeit als MP den Burmesen einen Gratiskredit (aus dem Staatssäckel) gewährt für den Aufbau eines Mobilfunknetzes; mit der Auflage, Hard- und Software in TH zu beziehen. - Die Ausschreibung gewann natürlich Thaksins Shin Corp., sie konnte den besten Preis anbieten (da sie dank Thaksins Weitsicht rechtzeitig steuerbefreit worden war...). Stand damals in der Bangkok Post - kein Mensch hat das (öffentlich) hinterfragt.

    einklappen einklappen