Trumps Vermögen

15. März 2017 11:43; Akt: 15.03.2017 11:43 Print

Guter Steuerzahler oder böser Steuersparer?

Zwei Seiten aus Donald Trumps Steuererklärung 2005 wurden geleakt. Welche Antworten liefert das Dokument und welche Fragen wirft es auf?

Hat wohl Donald Trumps negative Aufmerksamkeit geweckt: Rachel Maddow, Moderatorin von «The Rachel Maddow Show» auf MSNBC. (Video: Tamedia/MSNBC)
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Davon hatten viele seiner Gegner geträumt: Auszüge aus einer Steuererklärung von Donald Trump werden geleakt und vom TV-Sender MSNBC publik gemacht. Die eher mageren Informationen aus dem Jahr 2005 beantworten allerdings die meisten Fragen, die man sich im Zusammenhang mit Trumps Steuererklärungen stellt, höchstens ansatzweise. Das sind die wichtigsten Fragen, die sich nun stellen:

Sind 150 Millionen Dollar ein grosser oder kleiner Gewinn?
Grundsätzlich sind 150 Millionen Dollar natürlich sehr viel Geld. Tatsächlich war Donald Trumps Gewinn im Jahr 2005 noch um einiges höher, wie aus den veröffentlichten Seiten der Steuererklärung hervorgeht. Das Dokument weist nämlich ausserordentliche Abschreibungen von 103,2 Millionen Dollar aus, die nicht versteuert werden mussten. Im Statement des Weissen Hauses nach der Veröffentlichung steht: «Die illegal veröffentlichten Seiten beweisen einzig, dass Trump einer der erfolgreichsten Geschäftsmänner der Welt ist.» Isoliert betrachtet, lässt sich der Betrag von 150 Millionen Dollar nicht als grosser oder kleiner Gewinn bezeichnen, weil Vergleichswerte fehlen.

Sind 38 Millionen viel oder wenig Steuern?
Diese Summe setzt sich aus zwei Bestandteilen zusammen: einer bundesweiten Einkommenssteuer und der so genannten alternativen Mindeststeuer. Der Anteil der Einkommenssteuer an der Gesamtsumme beträgt sieben Millionen, also zwischen vier und fünf Prozent des Gewinns. 31 Millionen kommen aus dieser Mindeststeuer, die die «Welt» als Besonderheit des US-Steuerrechts bezeichnet, die es reichen Personen ermöglicht, nicht den ganzen Steuersatz zu zahlen – respektive sie zwingt, zumindest einen Minimalbetrag zu erstatten. Das Weisse Haus bestätigt das in seinem Statement ebenfalls, schreibt dazu aber auch: «Trump hat eine Verantwortung gegenüber seiner Firma, seiner Familie und seinen Angestellten, nicht mehr Steuern zu bezahlen als rechtlich notwendig.»


Was sagt diese Information über Trumps Erfolg in den Jahren davor aus?
Ein Zwei-Seiten-Auszug aus der Steuererklärung 2005 ist nur ein winziger heller Fleck aus Jahrzehnten von Trumps Geschäftstätigkeiten. Eine Aussage über seinen wirtschaftlichen Erfolg in den Jahren davor lässt sich daraus nicht ableiten, wie internationale Medien übereinstimmend schreiben. Die einzige weitere Steuerinformation über Trumps Firmen stammt aus dem Jahr 1995, als er Verluste von fast einer Milliarde US-Dollar geltend machte. Die Vermutung, dass er diesen Verlust nutzte, um in den folgenden Jahren keine Steuern zu zahlen, steht seit langem im Raum, konnte aber weder bewiesen noch widerlegt werden. Die «Welt» glaubt aber, dass er auch 2005 noch davon profitiert habe.

Lässt der Auszug Schlüsse auf die folgenden Jahre zu?
Auch das bleibt letztlich eine Vermutung. Wenn Trumps eigene Aussagen, sein gesamtes Vermögen betrage über zehn Milliarden Dollar, stimmen, dürfte der US-Präsident in den Jahren nach 2005 jeweils Gewinne gemacht und Steuern bezahlt haben. Das gilt auch für die Schätzung von «Forbes», das Vermögen belaufe sich auf etwas über vier Milliarden Dollar. Offen bleibt weiter, wie hoch die Gewinne und Steuern waren, und was das über seine Qualifikation als Geschäftsmann aussagen würde.

Woher stammt die Information?
Zugespielt wurden die zwei Seiten aus Trumps Steuererklärung dem Journalisten David Cay Johnston, der die Website DCReport.org betreibt. Er habe das Dokument per Post zugeschickt bekommen, sagte er in der TV-Sendung «The Rachel Maddow Show» von MSNBC. Wer ihm die Seiten geschickt hat, weiss er nicht. Er wollte aber nicht ausschliessen, dass sie direkt aus dem Präsidenten-Umfeld stammten – denn im Prinzip komme Trump dabei ganz gut weg. Es sei bewiesen, dass er Steuern bezahlt habe und dass er dabei nichts anderes mache als alle anderen Reichen im Land.



Genauso gut könnten die Seiten aber auch von einem Mitarbeiter der Steuerbehörde geleakt worden sein, um Trump zu schaden.

Wieso wurde genau diese Steuererklärung geleakt?
Das hängt von der oben gestellten Frage ab, wer sie geleakt hat. Entweder soll damit Trump geschadet werden oder es soll ihn in ein besseres Licht rücken. Aufgrund der heftigen Reaktion aus dem Weissen Haus, die noch erfolgten, bevor die Sendung ausgestrahlt wurde und man den Inhalt der Papiere kannte, geht die «Welt» nicht von Trump-nahen Kreisen aus. Dazu bieten die Informationen auch zu viel Angriffsfläche für seine Gegner.

Wie reagieren Trumps Gegner auf die Veröffentlichung?
Die Demokraten brauchten nicht lange für eine erste Reaktion. Dabei gingen sie aber gar nicht auf den Inhalt der Steuererklärung ein, sondern auf die Tatsache, dass das Weisse Haus mit seinem Statement deren Echtheit bestätigte. «Wenn sie einige Informationen veröffentlichen können, dann können sie auch alle Informationen veröffentlichen», schrieb Zac Petkanas vom Generalsekretariat der demokratischen Partei in einem Statement, «der einzige Grund, die Steuererklärung nicht zu veröffentlichen, ist, das zu verbergen, was darin zu finden ist, wie etwa finanzielle Verbindungen zu russischen Oligarchen und dem Kreml.»

Interessant wird nun, wie die Trump-Kritiker auf seine geplante Steuerreform reagieren, von der alle Amerikaner profitieren sollen. Diese beinhaltet laut der «Welt» die Abschaffung jener alternativen Mindeststeuer, die ihn dazu zwinge, wenigstens ein Minimum an Steuern zu bezahlen.

(ofi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Warren Buffet am 15.03.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    weiss nicht

    Legt eigentlich unser Bundesrat die Steuererklärung offen?

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  • Azog the Defiler am 15.03.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Die letzte Kredibilität

    Nur weiter so, liebe Medien. Trump hat 150 Mio erwirtschaftet und davon 38 Mio steuern gezahlt. Und daraus könnt ihr eine Kontroverse machen? Ich lach mich schlapp!!

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  • Ralph M.S. am 15.03.2017 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das Affentheater?

    Er hat wie jeder andere auch Anrecht auf Privatspähre. Und er hat das Recht geltende Steuergesetze seines Landes auszunutzen. Und, wo und mit wem und was seine Firmen Geschäfte machen geht niemanden etwas an, so lange sie legal sind. Tausende Firmen weltweit haben nach Russland oder China geliefert. Und ich gehe mal davon aus, dass die amerikanischen Behörden seine Geschäfte seriös und gründlich geprüft haben (Revisoren, Steuerprüfer). Also hört mit dem primitiven Bashing und Neidkultur auf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • alexa am 16.03.2017 02:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht, wir haben genug !

    Jetzt hat Trump seine Steuern offen gelegt, und nun ist es auch wieder nicht recht.... Wann hört der tägliche " Trump Medien Zirkus" endlich auf ?? Warum schreibt man nicht was hier in Europa vor sich geht. Da gäbe es wahrhaft genug Gründe....

  • Robert am 15.03.2017 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Widerspruch

    im Wahlkampf hat er doch gesagt, dass er wie alle anderen auch die Steuern optimiere. Die andern werden sich wohl totlachen, dass er 34Mio bezahlt. Kein Wunder wollte er die Steuererklärung nicht selber offen zeigen.

  • Fritz kistler am 15.03.2017 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Steuerzahler und vom Sozialstaat Abhängige

    38 Millionen in der Staatskasse haben oder nicht. Es gibt in den USA mehr als 38 Millionen, die keinen Cent Steuern bezahlen, schlicht weil sie nicht können. Kapital ist flüchtig; vom Sozialstaat Abhängige nicht... Das sollte man sich bei dieser mit Hass und Neid erfüllten Debatte bewusst sein. Man müsste viel mehr tun (nicht nur in den USA....) um Kapital und gute Steuerzahler im Land zu behalten. Sonst kippt das ganze System und läuft völlig aus demRuder.

    • kommt nicht gut am 16.03.2017 08:01 Report Diesen Beitrag melden

      In Biel

      Und in Biel? Ça. 30 bis 33% Einwohner bezahlen gar keine Steuern. Vielleicht schon mehr.

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  • Alexander am 15.03.2017 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    zum totlachen

    Also Trump zahlt 25% Steuern (Obama 19%, Buffet 17%, Sanders 13%) und das ist ein Grund für wochenlange Hexenjagt?!? Liebe Medien, wo habt ihr gelesen: wer ohne Fehler ist, der werfe den ersten Boomerang?

    • Liseli am 15.03.2017 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alexander

      Hexenjagd ist gut, besonders für die Medien, leider wird langsam schwierig etwas neues finden.

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  • Jeff Bezos am 15.03.2017 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Warum?!

    Hat Trump überhaupt noch ein finanzielles Interesse bei den Steuern zu sparen. Das einzige Interesse das Trump wohl noch an Geld hat ist machtpolitisch. Sein Macheinfluss wird er als Präsident aber kaum noch steigern können.