Diplomatischer Streit

07. März 2017 04:19; Akt: 07.03.2017 08:03 Print

«Malaysier sind jetzt Geiseln in Nordkorea»

Die Spannungen zwischen Nordkorea und Malaysia nehmen nach dem Mord an Kims Halbbruder zu. Beide Staaten haben Ausreisesperren gegen Bürger des anderen Landes verhängt.

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Sein Tod führt zu Spannungen zwischen Nordkorea und Malaysia: Kim Jong-nam. (Archivbild) Steht unter Tatverdacht: Die 25-jährige Indonesierin Siti A. (19.Februar 2017). Auch sie wird verdächtigt, am mutmasslichen Mord an Kim Jong-nam beteiligt gewesen zu sein: Thi Huong D. Fahndungsbild der malaysischen Polizei. (19.Februar 2017). Laut malaysischer Polizei hatten die Frauen ihre Hände in tödlichem Gift getränkt und damit über Kims Gesicht gewischt. Zunächst war von einem Gifthandschuh berichtet worden. Die Ermittler an einer Medienkonferenz in Kuala Lumpur (19.Februar 2017). Eines der Fotos auf ihrem Facebook-Account zeigt die Vietnamesin in einem weissen T-Shirt mit der Aufschrift «LOL», ähnlich dem T-Shirt, das auf dem Überwachungsvideo vom Attentat zu erkennen ist .Eine Aufnahme der Überwachungskamera zeigt die Tatverdächtige (14. Februar 2017) Die Frau im gelben Pullover: «Wenn sie wirklich eine Agentin wäre, wäre sie wohl nicht gefunden worden», lauteten die ersten Einschätzungen nach ihrer Inhaftierung. Verstossen, weil er Disneyland sehen wollte: Der getötete Kim Jong-nam ist ein grosses Thema in den südkoreanischen Medien. (14. Februar 2017) Diplomatische Verstimmung: Der nordkoreanische Botschafter in Malaysia spricht in Kuala Lumpur vor Pressevertretern (20. Februar 2017). Kang Chol, der Botschafter von Nordkorea, hatte gesagt, Malaysia versuche eventuell etwas zu «verbergen». Anlass war die Autopsie des Halbbruders von Machthaber Kim Jong-un (20. Februar 2017). Zwei Frauen sollen ihn ermordet haben: Ein südkoreanischer TV-Sender zeigt in den Nachrichten den Halbbruder von Kim Jong-un, Kim Jong-nam, sowie die beiden Tatverdächtigen. (15. Februar 2017) Dieses Bild soll Kim Jong-nam am Flughafen Narita in Tokio zeigen. (4. Mai 2001) Kim Jong-il (rechts), Ende 2011 verstorben, und sein Sohn und designierter Nachfolger Kim Jong-un bei einer Militärparade zu Ehren der Arbeiterpartei Nordkoreas. (10. Oktober 2010) Der 33-jährige nordkoreanische Diktator Kim Jong-un liebt die grossen Posen, wie etwa diese Selbstinszenierung auf dem höchsten Berg Nordkoreas, dem 2750 Meter hohen Mount Paektu. (18. April 2015) Kim Jong-un ist der dritte und jüngste Sohn von Kim Jong-il. Er gilt als unberechenbarer und grausamer Diktator. Im Dezember 2013 liess er seinen Onkel Jang Song-thaek (links), die «Graue Eminenz» des Staates, hinrichten. (16. Februar) 2012) Der heutige Herrscher Nordkoreas (im Bild eingekreist) soll als Jugendlicher in der Schweiz gelebt haben, wo er ein Internat im Kanton Bern besuchte. Zudem studierte er an der Uni Genf. (Bild ohne Datumsangabe) Kim Jong-nam ist der älteste Bruder von Kim Jong-un. Er war als Nachfolger von Kim Jong-il vorgesehen gewesen, fiel aber in Ungnade. (28. Juli 2011) Kim Jong-il herrschte von 1994 bis Ende 2011. Als der «Geliebte Führer» starb, herrschte in ganz Nordkorea – weitgehend staatlich verordnet – grosse Trauer. (28. Dezember 2011) Seit der Staatsgründung 1948 wird Nordkorea von drei Generationen der Kim-Dynastie regiert. Kim Il-sung (1912–1994) verstand sich als Kommunist. Der erste Herrscher der Kim-Familie hat Kultstatus in Nordkorea. (21. Mai 1987) Während seiner 17-jährigen Herrschaft ging es Kim Jong-il (1941–2011) vor allem um Machterhaltung und Modernisierung des international isolierten Landes. (23. August 2002) Kim Jong-un – hier mit Ehefrau Ri Sol-ju und hochrangigen Militärs – macht dort weiter, wo sein Vater aufhörte. Parolen sind die Leitlinien der Kim-Diktatur zur Erziehung des Volkes. Das letztjährige Motto lautete: «Verwandeln wir das Land in ein sozialistisches Märchenland.» (18. Februar 2016) Der Personenkult um die Kim-Dynastie gehört zum öffentlichen Leben in Nordkorea. Der Platz mit den riesigen Statuen von Kim Il-sung und Kim Jong-il in Pyongyang ist ein Pilgerort für Menschen aus dem ganzen Land. (16. April 2012)

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Die Spannungen zwischen Nordkorea und Malaysia eskalieren weiter: Beide Länder verhängten am Dienstag im Streit um die Aufklärung des Mordfalls Kim Jong Nam Ausreisesperren gegen Bürger des jeweils anderen Landes.

«Allen malaysischen Staatsbürgern in der DPRK ist es vorübergehend untersagt, das Land zu verlassen, bis der Vorfall, der sich in Malaysia ereignet hat, ordnungsgemäss geklärt ist», hiess es in einer von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Mitteilung des Aussenministeriums in Pyongyang. Die Regierung Kuala Lumpur reagierte auf die Massnahme mit einem Ausreiseverbot für nordkoreanische Diplomaten. «Keinem Beamten oder Angestellten der Botschaft der DPRK ist es erlaubt, das Land zu verlassen», erklärte das malaysische Innenministerium.

Regierungschef: «Geiselnahme»

Malaysias Ministerpräsident Najib Razak hat das Ausreiseverbot für malaysische Staatsbürger in scharfen Worten verurteilt. «Mit dieser verabscheuenswürdigen Massnahme, die in völliger Missachtung des Völkerrechts und diplomatischer Normen steht, werden unsere Bürger als Geiseln genommen», sagte Razak am Dienstag in Kuala Lumpur.

Nach Angaben der malaysischen Nachrichtenagentur Bernama halten sich in Pyongyang aktuell noch drei malaysische Diplomaten und sechs Angehörige auf. Malaysias Botschafter war des Landes verwiesen worden, ebenso wie kurz zuvor der nordkoreanische Botschafter in Kuala Lumpur.

Grund für die Spannungen ist der Mord an dem Halbbruder des nordkoreanischen Machthabers Kim jong-un. Der 45-jährige Kim jong-nam war am 13. Februar am Flughafen von Kuala Lumpur vergiftet worden. Die malaysischen Ermittler verdächtigen acht Nordkoreaner, an dem Anschlag beteiligt gewesen zu sein. Bislang konnte nur einer von ihnen vernommen werden, er wurde jedoch mangels Beweisen am Freitag freigelassen.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 07.03.2017 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    In Nordkorea

    Möchte ich lieber nicht Geisel sein. Dem Normalbürger fehlt bereits Nahrung, Medizin, Strom,... Wie sieht es da wohl für Gefangene aus.

  • mark-frei am 07.03.2017 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte es sein das der Kleine ....

    ... nun versucht den Mord Malaysia in die Schuhe zu schieben?

  • S. Potter am 07.03.2017 06:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man sich mit dem Teufel ...

    Eigentlich sollt ja niemand den Despoten unterstützen, dann würde es auch nicht zu solchen generellen Geisselnahmen kommen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daenson am 07.03.2017 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ojee

    Toll und gensu jetzt geh ich nach malaysia in den urlaub.. hoffe es eskaliert nicht noch mehr. -.-

  • mark-frei am 07.03.2017 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte es sein das der Kleine ....

    ... nun versucht den Mord Malaysia in die Schuhe zu schieben?

  • Robert am 07.03.2017 06:38 Report Diesen Beitrag melden

    In Nordkorea

    Möchte ich lieber nicht Geisel sein. Dem Normalbürger fehlt bereits Nahrung, Medizin, Strom,... Wie sieht es da wohl für Gefangene aus.

  • S. Potter am 07.03.2017 06:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man sich mit dem Teufel ...

    Eigentlich sollt ja niemand den Despoten unterstützen, dann würde es auch nicht zu solchen generellen Geisselnahmen kommen.