US-Wahlen 2012

25. November 2011 23:49; Akt: 25.11.2011 23:51 Print

Die «Lügen-Spots» von Perry und RomneyDie «Lügen-Spots» von Perry und Romney

Die Republikaner Rick Perry und Mitt Romney geben alles, um bald gegen US-Präsident Barack Obama antreten zu können. In zwei Werbespots haben die beiden jetzt aber die Wahrheit etwas zu stark gedreht.

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Sind sich bezüglich ihrer Werbespots und den Vorwürfen der Unwahrheit keiner Schuld bewusst: Die Republikaner Mitt Romney (links) und Rick Perry (rechts). (Bild: Keystone)

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Die Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, Mitt Romney und Rick Perry, rüsten auf. Sie schalten Werbesports und greifen dabei vor allem US-Präsident Barack Obama an. Im Wahlkampf an sich nichts Ungewöhnliches – doch wie sie Obama zu diffamieren versuchen, sorgt in den USA inzwischen für Kritik. In den Werbespots würden nämlich bewusst Unwahrheiten verbreitet, schreibt das britische Blatt «The Guardian». Aussagen Obamas werden aus dem Zusammenhang gerissen. Es entstehe dadurch der Eindruck, als ob Barack Obama etwas zu einem Thema sagen würde, das er so gar nie gesagt hatte. Damit sei eine Grenze bei politischen Kampagnen überschritten worden, heisst es. Denn die Wahrheit werde stark gedehnt und gar absichtlich missinterpretiert.

Mitt Romneys Werbespot zeigt zum Beispiel Ausschnitte vom Kandidaten Barack Obama, der über die Wirtschaft spricht. Die Musik schwillt bedrohlich an, dann sagt der Präsident: «Wenn wir weiterhin über die Wirtschaft reden, werden wir verlieren.» Schnitt, Szenenwechsel, die Musik wird hoffnungsvoll und leicht – Mitt Romney erscheint auf dem Bildschirm und verspricht, alles besser zu machen.

Soweit so gut – im amerikanischen Wahlkampf sind Hollywood-Effekte beliebt. Kritisch ist laut «Guardian» aber, dass Romney das Bild vermitteln will, Obama halte es in Bezug auf seine Wiederwahl für gefährlich, über die Wirtschaft zu sprechen. Was aus dem Spot nicht ersichtlich wird: Dieser Satz stammt aus dem Jahre 2008, als der Kandidat Barack Obama seinen republikanischen Gegner John McCain zitiert, der es für gefährlich hielt, das Thema Wirtschaft im Wahlkampf aufzubringen.

Faule Amerikaner?

Perrys Werbung zeigt einen Ausschnitt in dem Obama sagt: «Wir waren ein bisschen faul während der letzten Dekaden». Schnitt zu Perry, der im Jeanshemd bodenständig wirkt und sagt: «Können Sie das glauben? Das ist es, was laut unserem Präsidenten in Amerika falsch läuft – dass die Amerikaner faul sind. Das ist erbärmlich.»

Der Vorwurf sitzt. Doch der Satz wurde aus dem Zusammenhang gerissen. Wenn man sich alles anschaut, wird klar, dass Barack Obama über die US-Regierung spricht. Diese sei in den letzten Jahren etwas faul gewesen, wenn es darum gehe, ausländische Investoren anzulocken.

Darrell West, Direktor für Regierungsstudien der unabhängigen Brookings Institution in Washington sagt, dass Romney und Perry mit ihren Werbespots weiter gegangen seien als alle anderen Wahlkampagnen. Sie hätten die Wahrheit absichtlich falsch dargestellt. «Diese Werbespots sind extrem falsche Darstellungen», sagt West laut «Guardian». Die Kandidaten hätten versucht, nahe an der Wahrheit zu bleiben, da sie wissen, dass Journalisten gut aufpassen. «Aber wegen all diesen Problemen in der Nachrichtenindustrie gehen Politiker inzwischen davon aus, dass sie sogar mit einem Mord davonkommen würden.»

Romney und Perry verteidigen die Spots

Auch Jay Carney, der Sprecher von Barack Obama, äusserte sich irritiert über den Werbespot und die gewählte Wahlkampfstrategie: «Es ist ein ziemlich merkwürdige und unglückliche Art, zu starten.» Romneys Wahlkampfteam verteidigt den Spot hingegen. Gail Gitcho, ein Sprecher Mitt Romneys, schreibt auf dessen Internetseite, das Blatt wende sich für Obama. 2008 habe er sich noch über John McCain lustig gemacht, der nicht über die Wirtschaft sprechen wollte. Jetzt sei es Obama selbst, der das Thema vermeidet. «Präsident Obamas Wahlkampf konzentriert sich verzweifelt darauf, nicht über die Wirtschaft zu sprechen. Er versucht eine persönliche Kampagne zu fahren. Das ist eine Kampagne der Ablenkung.»

Rick Perry verteidigte seine Werbung bei einem Auftritt bei «Fox News». Ob es sich um eine faire Werbung handle, fragt Moderator Bill O’Reilly. «Das ist eine faire Werbung», betont Perry. Obama reise überall herum und erzähle, dass Amerikaner faul seien. O’Reilly spielt daraufhin den ganzen Beitrag ab, aus dessen Zusammenhang der Satz gerissen worden war und betont, dass Obama nicht über die Bevölkerung gesprochen habe, sondern über die Regierung, die zu wenig getan habe, um ausländische Investoren anzulocken. Doch davon lässt sich Perry nicht überzeugen: «Ich denke, er spricht über Amerikaner … Ich denke, das ist genau das, worüber er spricht.» Im Gegenteil: Obama sei ein Sozialist, gibt sich der Gouverneur von Texas überzeugt.

Freude über die Aufmerksamkeit

Romneys Wahlkampfhelfer freuen sich zumindest darauf, dass der kontroverse Spot deutlich mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, als ursprünglich angenommen. Der «Guardian» gibt zu bedenken, dass es so wirke, als hätten die beiden Republikaner bewusst darauf gesetzt, mit den Anspielungen auf die Wirtschaft Obama mehr zu schaden, als sie sich selbst Schaden zufügen, indem sie Unwahrheiten verbreiten.

Darrell West von der «Brookings Institution» bleibt aber skeptisch. Es sei gut für Romney, dass er durch diese Werbung viel Aufmerksamkeit erhalte. «Aber Romneys Wahlkampagne scheint auf wackligem Grund zu stehen, wenn ein falscher Spot gespielt wird. Wähler setzen darauf, dass Werbungen wahr sind.»

(ske)

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  • H.Klingbeil am 09.12.2011 00:44 Report Diesen Beitrag melden

    Sozial oder sozialistisch?

    Wann kapieren es die jetzt nur noch 7 Kapitalisten, dass Pres. Obama kein Sozialist ist. Es ist ein sozialdenkender Mann und kein Sozialist. Ausserdem sollten diese republikanischen Komiker endlich einmal Europa in Ruhe lassen. Wir (ich lebe in den USA) haben genug eigenen Dreck zusammenzukehren!

  • A.F. Brunner am 26.11.2011 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach dekadent

    Einfach dekadent diese Anwärter die sich für das höchste Amt in Amerika präsentieren. Ist es ein Spiegel der Gesellschaft, oder ist die Gesellschaft in den USA doch besser als das was uns da mit den paar Hollywood Figuren angeboten wird? Ich denke die meisten Amerikaner hätten doch ernsthaftere und kompetentere Kandidaten verdient, egal ob diese nun von links oder von rechts des Politspektrums kommen.

  • Giancarlo (California) am 26.11.2011 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    GOP: Nur Diffamierung, keine Rezepte

    Das Problem der Republikaner ist, dass unter Bush das Image der USA in den Keller getragen und die Wirtschaft ruiniert wurde. Leider sind es die gleichen Leute, die nun behaupten, sie machen es besser als Obama. Nur blöd, dass die Leute hier nicht so dumm sind. Einfache Fragen wie: "Wie gedenkst du die Wirtschaft anzukurbeln?" kann kein Kandidat beantworten, sie haben keine Ahnung. Im Moment diffamieren die Republikaner nur, haben aber kein Konzept und keinen Plan, wie regiert werden soll... Zum Glück hat im Moment keiner der "Good ol' Party" eine Chance Präsident zu werden!