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Steinbrück
19. März 2009 10:40; Akt: 19.03.2009 11:49 Print
Nazi-Vergleich wirft in Deutschland hohe Wellen
Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt ihren Finanzminister Peer Steinbrück in seiner Cowboy-Rhetorik: «Es ist richtig und unabdingbar, Ross und Reiter mit Namen zu nennen», sagte sie heute im Bundestag im Zusammenhang mit dem Kampf gegen Steueroasen. Und in den deutschen Online-Medien ist das verbale Eindreschen auf Peer Steinbrück Top-Thema.
Keine Online-Ausgabe einer grossen deutschen Zeitung ohne Geschichte über den Nazi-Vergleich von CVP-Nationalrat Thomas Müller im Nationalrat und die Schlagzeile der Boulevardzeitung «Blick am Abend» vom Montag: «Der hässliche Deutsche», titelte das Blatt und zeigte dazu einen grimmig blickenden Steinbrück.
Bundeskanzlerin Angela Merkel, Finanzminister Peer Steinbrück(Bild: Keystone)
Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, reagierte mit Empörung auf diesen Nazi-Vergleich. «Das ist peinlich und abwegig und artet schon in Effekthascherei aus», sagte Kahrs in diversen Medien. Zugleich wies er Vorwürfe wegen Äusserungen des Bundesfinanzministers über Steueroasen scharf zurück. «Mit solchen Vergleichen richtet sich jeder selber und zeigt, wie schwach die eigenen Sachargumente sind.» Wenn das so weiter gehe, müsse «in naher Zukunft eine Entschuldigung der Schweizer Regierung» gegenüber Steinbrück fällig werden.
«Das ist verbale Aufrüstung»
Und Thomas Oppermann, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, poltert auf Spiegel Online: «Das ist verbale Aufrüstung.» Seine Fraktion stehe geschlossen hinter der «hammerharten» Linie des Finanzministers. «Steueroasen müssen umzingelt und massiv unter Druck gesetzt werden», so der SPD-Politiker. Sie seien eine der massgeblichen Ursachen der derzeitigen Finanzkrise. «Es gibt nicht den geringsten Anlass, Steueroasen mit Nachsicht gegenüber zu treten.»
Weniger heftig kocht aber offenbar die Volksseele: Die Kommentare der User sind mehrheitlich verständnisvoll. «Würde das die ‹Neue Zürcher Zeitung› schreiben, würde ich die Schweizer Berichterstattung infrage stellen. Aber was Blick schreibt oder nicht schreibt, tangiert mich nicht im geringsten und hat auch keinerlei Bedeutung», schreibt ein User. Ein anderer meint: «Wer als Bundesminister, also als Repräsentant dieser Gesellschaft, zuvor in einer Art und Weise auf die Schweiz eingedroschen hat, die tatsächlich unerträglich war, der kann sich nun schwer über die Art und Weise der Reaktion von dort verwundern.»
Etliche Kommentatoren empfehlen Steinbrück, in Deutschland die Steuern zu senken, dann würden auch nicht so viele Deutsche ihr Geld in die Schweiz bringen. Und einer sagt, er würde Steinbrück der Schweiz gerne ausliefern, «aber nur, wenn sie auch den Chef eines grossen deutschen Bankinstituts wieder zurücknehmen».
(be)






















