Land in der Krise

21. April 2017 14:22; Akt: 21.04.2017 14:22 Print

Wie lange kann Venezuela das noch aushalten?

Venezuela steckt seit langem in der Krise, jetzt ist die Gewalt bei Protesten erneut eskaliert. Was fordern die Demonstranten? Fünf Punkte für einen Überblick.

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Der Konflikt in Venezuela zwischen der Regierung und der Opposition wird immer blutiger: Am Mittwoch kamen bei Demonstrationen in der Hauptstadt Caracas und im Bundesstaat Táchira drei Menschen ums Leben. Während die Gewalt eskaliert, ruft die Opposition zu weiteren Protesten auf. Die Angst vor einem Bürgerkrieg hängt schwer in der Luft. Fünf Kernpunkte, um die Krise in Venezuela zu verstehen.

Wann und warum haben die Proteste begonnen?

Der Wendepunkt begann, als 2013 der Anführer der «sozialistischen Revolution», Hugo Chávez, starb. Sein Nachfolger Nicolás Maduro (54) gewann kurz danach die Präsidentschaftswahl nur mit knapper Mehrheit gegen den Mitte-rechts-Politiker Henrique Capriles.

Die Krise spitzt sich zu, als Mitte 2014 der Ölpreis plötzlich absackte. Das Regime nutzte die Einnahmen aus dem Ölsektor, um einerseits Sozialprojekte zu finanzieren, aber auch um Waren zu importieren. Da das Land fast alle Produkte im Ausland kauft, kam es zu Engpässen bei Lebensmitteln und Medikamenten. Damit begann der erste Unmut bei der Bevölkerung, besonders in der Mittelschicht.

Wer ist der «Diktator» und wer unterstützt ihn?

Von der Opposition wird Nicolás Maduro als «Diktator» bezeichnet. Obwohl seit langem umstritten, hält sich der Staatschef mit der Unterstützung der Ärmsten weiter an der Macht. Der frühere Busfahrer verfügt über einen starken Rückhalt in der Armee, und fast alle staatlichen Institutionen befinden sich fest in der Hand von Maduros Getreuen.

Auch Venezuelas Gläubiger halten zur Regierung, denn trotz der schweren Wirtschaftskrise hat das Land die Verpflichtungen gegenüber seinen wichtigsten Geldgebern stets eingehalten, vor allem dank Ölverkäufen an China und Russland. Maduro kann auch auf die Unterstützung der linken Regierungen in Kuba und Bolivien zählen.

Wer sind die «Putschisten» und wer unterstützt sie?

Präsident Maduro beschimpft den Anführer der konservativen Opposition, Henrique Capriles, als «Putschisten» und «Terroristen». Dem Gouverneur des Bundesstaats Miranda untersagten die Behörden erst kürzlich die Ausübung politischer Ämter in den kommenden 15 Jahren.

Die USA zählen zu den schärfsten Kritikern der sozialistischen Regierung in Caracas und auch lateinamerikanische Staaten wie Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Mexiko sehen die Demokratie in Venezuela in Gefahr. Ein weiterer internationaler Gegner ist der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Luis Almagro.

Was will die Opposition erreichen?

Mit dem Bündnis «Mesa de la Unidad Democrática» (kurz MUD) — bestehend aus konservativen, liberalen, sozialdemokratischen und indigenen Parteien — hat die Opposition im Parlament eine deutliche Mehrheit, ist aber de facto politisch wirkungslos. Die MUD fordert seit langem die Durchführung eines Referendums zur Abberufung von Präsident Maduro – und dann sofortige Neuwahlen. Doch das Bündnis wirkt gespalten, der Opposition fehlt eine Leitfigur.

Wie lange geht das so weiter?

Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Klaus Bodemer droht die Gewalt in Venezuela weiter zu eskalieren. «Es ist zu befürchten, dass die Lage völlig ausser Kontrolle gerät und dass dann das Militär eingreift. Wir sind nah dran am Bürgerkrieg», sagte der frühere Leiter des Hamburger GIGA Instituts für Iberoamerika-Kunde gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Dennoch sei Maduros Zeit abgelaufen, glaubt Bodemer. «Ich glaube nicht, dass sich Maduro noch lange halten kann.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • glarner am 21.04.2017 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Es braucht ein Ende

    Mir tun die Menschen in Venezuela unendlich leid, habe selber einen guten Freund von dort und es ist wirklich schlimm. Warum hilft hier keine UNO?? Diese Menschen werden eiskalt ermordet und die Menschheit schaut zu. Kann dass einfach nicht verstehen.

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  • Yosh Eden am 21.04.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War zu erwarten

    In der Bevölkerung weiss man schon lange dass Regierung und Militär in Drogenmafia und Korruption in höchstem Masse verstrickt ist. Dieser Bürgerkrieg war schon sehr lange absehbar ...

  • samuel am 21.04.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie oft noch?

    es ist doch immer das Gleiche mit diesej sozialistischen Regierungen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Susie am 21.04.2017 19:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sie haben viel!

    Die Strände sind toll dort!

  • kurt w am 21.04.2017 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    zeit 

    schlimm was zur Zeit abgeht, wohin führt das alles, das macht Angst!

  • Chrützli am 21.04.2017 15:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genug Sozialismus!

    Chavez hat tatsächlich einen kleineren Teil der Oeleinnahmen den Armen zukommen lassen und das Volk so ruhiggestellt. Der grössere Teil der Gelder ist aber in der sozialistischen Nomenklatura versickert. Wegen der sinkenden Oelpreise leiden nun aber meistens die Armen. Weg mit diesem sozialistischen/kommunistischen Auslaufmodell - Venezuelaner, kämpft für Freiheit und Gerechtigkeit!

    • Freier Mensch am 21.04.2017 17:01 Report Diesen Beitrag melden

      Das Verteilen der Einnahmen

      aus dem Oel an das Volk, finde ich nicht einmal schlecht obwohl ich wohl das Gegenteil eines Sozialisten bin. Leider war das zu kurz gedacht, stattdessen hätte zum Mindesten ein Teil in nachhaltige Investitionen geführt werden sollen. Man stelle sich vor: Oelvorkommen in Hülle und Fülle - das Benzin muss aber trotzdem import werden weil an keine Idee von einer Raffinerie gedacht wurde.

    • Sarawak am 21.04.2017 23:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freier Mensch

      Die Raffinerien sind verstaatlicht worden und sind heute nur noch Ruinen.

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  • howlong am 21.04.2017 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange Venezuela Sozialismus aushält?

    Solange bis niemand mehr enteignet werden kann, solange bis alle geflohen sind. DDR lässt grüssen.

    • Freier Mensch am 21.04.2017 16:50 Report Diesen Beitrag melden

      Bei den Sovjets

      dauerte es immerhin 72 Jahre bis alles heruntergewirtschaftet war. Pech für diejenigen, die ausgerechnet in dieser, doch langen Zeit, gelebt haben.

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  • Boliva am 21.04.2017 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Schade um die Leute und das wunderbare Land. Ich war zweimal dort. Letztes mal vor etwa 20 Jahren. Ist definitiv schwer vorstellbar was dort abgeht. Ich hoffe sehr, dass das Volk diesen Despoten samt Gefolgschaft zur Hölle schickt.

    • Chila am 21.04.2017 17:03 Report Diesen Beitrag melden

      Bolivia

      aehhh, ist ja auch in Bolivien,Argentienien, Chile corrupt, wer dies leugnet war noch nie dort!

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