Liebesbriefe an den General

10. November 2012 12:21; Akt: 13.11.2012 14:56 Print

Top-Spion Petraeus und sein Alpha-Tier

CIA-Chef David Petraeus stolperte über eine aussereheliche Affäre und gab seinen Rücktritt bekannt. Der Grund war seine Biographin, die nur eines wollte: hoch hinaus!

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CIA-Direktor David Petraeus hat wegen einer ausserehelichen Affäre überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der Grund: Seine Co-Biographin Paula Broadwell, die ihn in Afghanistan besuchte, als er noch General war. Die Beziehung war eng zwischen den beiden. Broadwell, die auch Reserveoffizierin der US-Streikräfte ist, hat detailliert Petraeus' Leben unter die Lupe genommen. «Nach über 37 Ehejahren habe ich ein extrem schlechtes Urteilsvermögen gezeigt, indem ich eine aussereheliche Beziehung unterhielt», schrieb Petraeus in einem Brief an seine Mitarbeiter. Paula Broadwell, die ebenfalls eine militärische Ausbildung genossen hatte, gab Petraeus' Biographie «All In» heraus. Ihr Buch wurde als einseitig kritisiert. In «The Daily Show» fasste Jon Stewart Broadwells Buch mit den Worten zusammen (siehe Video unten): «Ich würde sagen, die echte Kontroverse in dem Buch ist: Ist er (Petraeus) grossartig oder unglaublich grossartig?» Das ist Petraeus Ehefrau Holly. Er lernte sie in der Militärakademie kennen. Mit ihr ist er seit 37 Jahren verheiratet und hat ... ... zwei Kinder (hier auf dem Bild). Und das ist Paula Broadwells Mann, Dr. Scott Broadwell, ein Radiologe. Das Ehepaar hat zwei Söhne. Paula beschreibt sich selber als richtig «soccer mom», eine leidenschaftliche Mutter. Hier wird Petraeus - in Anwesenheit von Holly und Vizepräsident Joe Biden 2011 CIA-Direktor. Die Hände des Ehepaars Petraeus auf der Bibel. Und hier sind alle vereint, doch da ahnte Holly (wahrscheinlich) noch nichts von einer Affäre ihres Mannes mit Paula Broadwell (die zweite von rechts in der vordersten Reihe). Der Anlass war ein Hearing zu seiner CIA-Nomination im Juni 2011. Kann dieser Blick ... ... lügen? Bei der CIA gibt es keinen klaren Verhaltenskodex, der für einen solchen Fall wie eine Affäre einen Rücktritt vorsieht. So wurde in Sicherheitskreisen darauf hingewiesen, dass vergleichbare Fälle in der Vergangenheit beim Geheimdienst meist diskret im Hintergrund geklärt worden seien. Licht ins Dunkel soll nun der Kongress bringen. Neben der ausserehelichen Liasion hat der Rücktritt von Petraeus wohl auch andere Gründe: Die Umstände des Skandals beim mächtigen US-Geheimdienst liegen weitgehend im Dunkeln. Drängende Fragen stellen sich vor allem zu den Zuständen an der Spitze der CIA. US-Medienberichten zufolge kam die Affäre durch die Analyse eines Computers von Petraeus ans Licht.Demnach begann die Bundespolizei FBI mit Untersuchungen, nachdem sich eine bislang unbekannte Frau - später stellte sich heraus, dass es sich um eine Aussenministerium-Mitarbeiterin namens Jill Kelley handelt - über E-Mails der mutmasslichen Geliebten von Petraeus, Paula Broadwell, beschwert hatte. Laut «New York Times» und «Washington Post» soll Broadwell die Frau in den E-Mails beschimpft haben, weil sie diese als Bedrohung für ihre Beziehung zu Petraeus empfunden habe. Alles begann offenbar mit einem Eifersuchtsdrama. So schickte Broadwell Droh-Mails an Jill Kelley, die angeblich eine freundschaftliche Beziehung zu Petraeus unterhielt (zweite von rechts, neben Holly Petraeus stehend). Die 37-jährige Kelley ist eine Mitarbeiterin des Aussenministeriums in Florida. Kelley arbeitet als Kontaktperson zwischen dem Ministerium und einer Kommando-Einrichtung der US-Streitkräfte. Von den Mails belästigt, informierte sie das FBI. Das FBI entdeckte auch, dass sich Broadwell anscheinend im Besitz von geheimen Dokumenten befand. Die an der Untersuchung beteiligten Beamten seien aber offenbar zu dem Schluss gekommen, dass die Papiere wahrscheinlich nicht von Petraeus stammten und die Sicherheit nicht gefährdet gewesen sei. Trotzdem hat das FBI am 12.11.12 Broadwells Haus in Charlotte in North Carolina durchsucht. Die amerikanische Bundespolizei suchte nach heiklen Dossiers, die in die Hände der Ex-Geliebten Broadwell hätten gelangen können. Unterdessen wird auch gegen Afghanistan-Kommandeur John Allen ermittelt. Er soll eine nicht «angemessene Kommunikation» mit Jill Kelley unterhalten haben, die im Zentrum der Petraeus-Affäre steht. Kelley gilt als Auslöser der Petraeus-Affäre. Sie war eine enge Freundin der Familie des Ex-CIA-Chefs und soll Droh-E-Mails von dessen Ex-Geliebter Paula Broadwell erhalten haben. Der Rücktritt des CIA-Chefs am 9.11.12 hatte Washington und die Nation geschockt. Der über Parteigrenzen hinweg als Kriegsheld gefeierte Petraeus galt als ein Mann der Disziplin und Geradlinigkeit. Er war auch ein Hauptakteur der Regierung im Anti- Terror-Kampf, bei dem die CIA eine zunehmend aktive Rolle übernommen hat.

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CIA-Direktor und Ex-General David H. Petraeus war erst ein Jahr an der Spitze des US-Geheimdienstes. Der Grund seines jetzigen Rücktrittes wäre eines Bond-Films würdig, vielleicht mit dem Titel «Liebesbriefe an den General». Der seit 1974 mit Holly verheiratete, 60-jährige Petraeus – sie haben zwei Kinder - hatte eine aussereheliche Affäre mit seiner um 20 Jahre jüngeren Biografin Paula Broadwell.

Die Co-Autorin seiner Biographie «All In: The Education of General David Petraeus» stand im Verdacht, sich Zugang zu seinen E-Mails erschlichen zu haben; die Bundespolizei FBI untersuchte den brisanten Fall. Und stiess auf verfängliche Mails, die auf eine Affäre zwischen David Petraeus und Paula Broadwell hindeuteten. Der Schnüffel-Verdacht gegen die verheiratete Co-Autorin und Mutter zweier Söhne erwies sich ansonsten als unbegründet, wie die «Washington Post» schreibt.

Maschinengewehr-Model

Paula Broadwell wollte schon früh hoch hinaus. In der High School in North Dakota war sie Jahrgangsbeste und Homecoming Queen, war Top-Basketball-Spielerin und im Schulorchester tätig. Später ergatterte sie an der Militärakademie West Point den Titel des Fitness-Champions, schloss an der Eliteuni Harvard ab – und stand eine Zeit lang als Model im Dienste einer Maschinengewehr-Fabrik namens KRISS, wie die «New York Times» süffissant schreibt.

Wars die Liebe zu eben diesen kriegerischen Waffen, die das Interesse Petraeus weckte? Broadwell und der 20 Jahre ältere Petraeus hatten sich kennengelernt, als der General 2005 einen Vortrag an der Universität hielt, an der sie doktorierte. Sie beschloss, Petraeus zum Mittelpunkt ihrer Dissertation zu machen und ging 2010 nach Afghanistan, als er das Kommando dort übernahm. Während sie Petraeus interviewte, absolvierte sie mit ihm nebenbei in der dünnen Luft der afghanischen Berge und am Pontomac Fluss in Washington Kilometerläufe. Für ihr Buch recherchierte sie drei Jahre in Petraeus' Umfeld. Sie hatten einen guten Draht zueinander, meinte Broadwell einmal.

Einseitige Biographie

Nicht nur in akademischer Hinsicht war Broadwell ehrgeizig, die sich nebenbei zur Triathletin schindete. Auf dem Buchdeckel der Biographie wird sie als Forscherin am Harvard’s Center for Public Leadership und als Doktorandin (das wäre dann der zweite Doktortitel) für Kriegsstudien am King’s College London angepriesen.

Kritiker haben ihre Petraeus-Biographie teils zerfetzt. So ist das Resultat gemäss «The Daily Beast» nichts anderes als «Fan-Post» oder «Liebesbrief an den General». In «The Daily Show» fasste Jon Stewart Broadwells Buch mit den Worten zusammen (siehe Video unten): «Ich würde sagen, die echte Kontroverse in dem Buch ist: Ist er (Petraeus) grossartig oder unglaublich grossartig?» Wenig später forderte sie den Moderator zu einem Push-Up-Wettbewerb heraus. Es ist einfach zu erraten, wer diesen gewonnen hat.

Sicher ist eines: Die Veröffentlichung der Biographie katapultierte sie plötzlich in die elitäre Medienszene Washingtons, ins Epizentrum der politischen Macht.

Prahlerische Tweets

Da wollte Broadwell vermutlich immer schon hin, die ambitionierte Frau, die «Soccer Mom» zweier fussballbegeisterter Jungs. In etlichen Tweets zitierte sie berühmte Führer wie Tacitus oder Truman – sogenanntes «name dropping» liegt ihr bestens. Immer wieder prahle sie über ihre einflussreichen Bekanntschaften und Errungenschaften, stänkert die «New York Times». Sie beschrieb sich selber als besessen, vor allem als sie jünger war. Die Militärakademie in West Point hat sie zu einer wettbewerbsstarken Persönlichkeit gemacht, beschrieb sie sich selber auf ihrer unterdessen nicht mehr existierenden Webseite.

Am Freitagabend, als Petraeus’ aussereheliche Liason in den Medien landete, wars in ihrem Haus in Charlotte dunkel. Die US-Flagge wehte einsam im Vorgarten. Ein Happy End zwischen Petraeus und Broadwell wirds wohl nicht geben. Für sie ist die Familie das wichtigste, hat Broadwell stets gesagt.

Gefährliches Fehlverhalten

Auch Petraeus entschuldige sich bei seiner Familie. Er erklärte nach seinem Rücktritt den CIA-Mitarbeitern, er habe mit der Affäre ein «extrem schlechtes Urteilsvermögen» an den Tag gelegt. Sein Verhalten sei als Ehemann und Direktor einer Organisation wie der CIA nicht hinnehmbar. Er habe die Arbeit bei der CIA sehr geschätzt und werde immer die Umstände bedauern, die diese beendet hätten.

Das Verhalten des CIA-Direktors war ein klarer Verstoss gegen die Sicherheitsvorschriften, schreibt die Nachrichtenagentur AP. Es hätte für die USA zum Sicherheitsrisiko werden können, wenn feindliche Mächte von der Affäre gewusst hätten. Selbst ein Verfahren vor einem Militärgericht ist bei so einem Fehlverhalten möglich.


Paula Broadwell in einem TV-Interview im Januar, als ihr Buch über General Petraeus erschien (YouTube).

(kub)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wars and stripes am 12.11.2012 23:17 Report Diesen Beitrag melden

    Amerika ärgert sich

    über eine private Affären eines Generals und die Auswirkungen seiner Angriffskriege, tausende zivile Opfer sowie tausende tote und zehntausende invalide Soldaten aus den eigenen Reihen sind kein Wort der Empörung wert?

  • Possible am 11.11.2012 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich diese Schauerpaula

    Sehr unsympatisch diese Paula und zudem noch sehr respektlos. Mit Ihrem egoistischem Verhalten hat sie nun zwei Familien zerstört -dummerweise Ihre Eigene- und das Leben von vier Kindern. Mit einer grossen Wahrscheinlichkeit werden die Kinder (Paulas da diese jünger sind) ein tiefes Abneigungsgefühl gegenüber des anderen Geschlechts entwickeln. Er würde mich nicht wundern wenn in 25 Jahren die Kinder in die gleichen Fussstapfen treten. Es ist leider mal so.

  • Silver am 11.11.2012 10:05 Report Diesen Beitrag melden

    Scheinheilige

    Mir hängt diese Pseudo-Ami-Moral zum Hals heraus; und auch die, die hier über die Männer lästern. Es braucht in den allermeisten Fällen auch eine Frau zum Ehebruch! Müssten alle US Leader im Falle von Ehebruch zurücktreten, dann wäre das Land führungslos. Oder glaubt Ihr, dass Sex und Liebe nur in der Ehe stattfindet? Oder glaubt Ihr, dass diejenigen, die mehrmals scheiden und heiraten, immer warten bis der neue Ehevertrag unterschrieben ist (inkl. Sexregelungen)? Träumt weiter!

    • American Dream am 12.11.2012 23:23 Report Diesen Beitrag melden

      Lasst die Generäle vögeln,

      aber nehmt ihnen die Waffen weg, das bringt mehr Frieden und weniger Tote in unserer Welt.

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  • Dr.Sheldon Lee Cooper am 11.11.2012 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Buchtitel

    Jetzt ergibt der Buchtitel auch einen Sinn! "All In" ;-)

  • Kahina am 10.11.2012 19:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe muss Platz haben

    Wer wem unter welchen Umständen das Herz verschenkt, liegt in der Verantwortung des Einzelnen. Das geht niemanden an, schon gar nicht die ganze Gesellschaft.

    • Gesellschaft am 12.11.2012 23:27 Report Diesen Beitrag melden

      Liebe muss Platz haben?

      Generäle lieben Krieg. Geht niemand etwas an, alles klar?

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