Unübersichtliche Lage

15. November 2017 08:53; Akt: 15.11.2017 13:00 Print

Mugabe steht unter Hausarrest

Zimbabwes Präsident soll unter Hausarrest stehen, sagt sein Pendant aus Südafrika, Jacob Zuma. Das EDA ruft Schweizer Bürger zur Vorsicht auf.

In einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung teilte ein General mit, es handle sich nicht um einen Militärputsch. (Video: Reuters)
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Panzer vor dem Parlament in Harare und Schüsse in der Nähe des Wohnsitzes von Präsident Robert Mugabe haben in der Nacht zum Mittwoch Spekulationen über einen Putschversuch in Zimbabwe befeuert.

Panzer in der Nähe von Präsident Mugabes Büro. (Video: Storyful)

In einer im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung teilte ein General jedoch mit, es handle sich nicht um einen Militärputsch gegen die Regierung. Vielmehr sei die Armee gegen «Kriminelle» im Umfeld von Mugabe vorgegangen.

Mugabe und seine Familie seien gesund und in Sicherheit. «Sobald wir unsere Mission beendet haben, hoffen wir, dass die Situation sich wieder normalisiert», sagte General Sibusiso Moyo im Staatsfernsehen.

In den frühen Morgenstunden war nach Angaben eines Anwohners in der Nähe des Wohnsitzes von Mugabe anhaltendes Gewehrfeuer zu hören gewesen. «Aus Richtung seines Hauses haben wir rund 30 oder 40 Schüsse gehört, die kurz nach zwei Uhr morgens innerhalb von drei oder vier Minuten abgegeben wurden», sagte ein Anwohner der Nachrichtenagentur AFP. Weitere Angaben machte er nicht.

Die Botschaften der USA und Grossbritanniens ermahnten ihre Staatsbürger in Zimbabwe wegen der unklaren Situation zu grosser Vorsicht und forderten sie auf, zu Hause zu blieben.

Kommt es zu einem Militärputsch?

Machtkampf Mugabe-Chiwenga

In den vergangenen Tagen hatte sich ein Machtkampf zwischen dem 93 Jahre alten Herrscher Mugabe und Armeechef Constantino Chiwenga zugespitzt. Chiwenga hatte Mugabe wegen der Entlassung von Vizepräsident Emmerson Mnangagwa kritisiert und ihn gewarnt, nicht noch mehr erfahrene Mitglieder der Regierungspartei abzusetzen. Vor Journalisten sagte er am Montag, «wenn es um unsere Revolution geht, wird das Militär nicht zögern, einzugreifen».

Die Regierungspartei Zanu-PF warf dem Armeechef daraufhin «verräterisches Verhalten» vor. Chiwengas Haltung ziele klar darauf ab, «den Landesfrieden zu stören» und «einen Aufstand anzustacheln», erklärte ein Parteisprecher. Das Schicksal Chiwengas war am Mittwochmorgen zunächst unklar.

Am Dienstag waren gepanzerte Fahrzeuge auf den Hauptstrassen ausserhalb der Hauptstadt beobachtet worden. Die Armee war in den den vergangenen Jahrzehnten immer eine wichtige Stütze Mugabes, der das Land seit der Unabhängigkeit von Grossbritannien im Jahr 1980 regiert.

Streit mit Präsidentengattin

Der 75-jährige Mnangagwa war zuletzt mehrmals mit der 52-jährigen Präsidentengattin Grace Mugabe aneinander geraten, die ihrem Mann im Präsidentenamt nochfolgen will. Grace Mugabe wird bereits seit längerer Zeit als mögliche Nachfolgerin für ihren Ehemann gehandelt. Die als prunksüchtig geltende frühere Sekretärin des Staatschefs hält bei Kundgebungen in Zimbabwe regelmässig Ansprachen.

Auch der entlassene Vizepräsident galt lange als möglicher Kandidat für die Nachfolge Mugabes. Er war lange einer der engsten Wegbegleiter des Präsidenten. Nach seiner Amtsenthebung in der vergangenen Woche floh er ausser Landes, er hält sich vermutlich im Nachbarland Südafrika auf.

Mugabe ist Afrikas ältester Staatschef und regiert Zimbabwe seit 37 Jahren mit harter Hand. In letzter Zeit war er bei seinen Reden nur noch schlecht zu verstehen und machte lange Pausen. Trotz seines hohen Alters weigerte er sich bisher jedoch, einen Nachfolger zu benennen. Für die Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr hat seine Partei ihn erneut aufgestellt.

(nxp/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert M. am 15.11.2017 06:13 Report Diesen Beitrag melden

    Misswirtschaft

    Die miserable Lage Simbabwes auf die Wirtschaftskriese von 2008 zu schieben ist ein Witz. Der Absturz hat am Tag der Machtübernahme durch die kommunistisch-rassistischen Sieger des Rhodesien Krieges begonnen und ist bis heute ungebremst. Enteignung, Umverteilung und Misswirtschaft vordern ihren Preis...

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  • wasp am 15.11.2017 06:10 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Immer wieder erstaunlich, wie einzelne Clans ganze Völker im Würgegriff halten können. Und das über Jahrzehnte.

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  • Escobar am 15.11.2017 04:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Mit Hilfsgeldern aus dem Ausland lässt sich eben gut leben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Traveller am 16.11.2017 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Simbabwe / Afrika

    Simbabwe wird nach dem Putsch auch nicht besser. Das ist eben leider Afrika, ein interessanter Kontinent mit sehr sympatischen Menschen. Unsere Demokratie funktioniert nicht wier in Europa. an muss sich Fragen, ob wirklich die Westlichen Instrumentarien überall forciert werden sollen. In Afrika bewirtschaftet im allgemeinen ein Präsident sein Land wie sein Eigentum. Das erfuhr ich von Afrikanern selber. Das Eigentum gehört dem ganzen Familienclan und man lässt nicht ab davon, leider. Vielmals sind die noch so sympatischen Afrikaner immer noch ihres Stammes loyal, egal wie gut der Herrscher ist

  • P.S. am 15.11.2017 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    Despot

    Für das Land wäre es das beste, wenn er ginge. Obwohl seine Frau als Nachfolgerin noch viel katastrophaler sein könnte... Armes Land, arme Bevölkerung

  • Ernst Ruetimann , Trang am 15.11.2017 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist Zeit zu gehen .....

    Auch einer der nicht aufhoeren kann !

  • Ramon am 15.11.2017 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich

    Endlich!! Warum haben die solange zugeschaut??

  • World am 15.11.2017 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Welt

    schon unglaublich... Es schiessen immer alle gegen die USA, deren schlimmen Politik, und welche viel Geld in Kriege verprassen, aber wenn Mugabe Millionen in Internationale Kriege "investiert" (Kongo), und ein Luxus-Leben lebt, während sein Volk regelrecht am verhungern ist, daran denkt natürlich niemand... Da seht Ihr wie wir/ihr von den Medien gelenkt werdet...