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Wikileaks
28. November 2010 23:15; Akt: 29.11.2010 10:57 Print
Alpha-Rüde Putin und Teflon-Merkel
Der neueste Wikileaks-Coup ist eine Katastrophe für die USA: Er enthüllt schonungslos, wie die Amerikaner den Rest der Welt sehen.
Mit Nervosität haben Regierungen weltweit die Veröffentlichung vertraulicher US-Dokumente durch die Website Wikileaks erwartet. Es sind
Wikileaks.org: Collateral Murder
Julian Assange droht Ungemach
Wegen der jüngsten Wikileaks-Veröffentlichungen hat die Polizei in Australien Ermittlungen gegen den Gründer der Enthüllungsplattform, Julian Assange, aufgenommen. Es werde geprüft, ob australische Gesetze gebrochen wuirden, sagte Justizminister Robert McClelland am Montag. Von einer Aufforderung der USA, Assange seinen australischen Pass zu entziehen, sei ihm aber nichts bekannt.
Es gebe «möglicherweise eine Reihe von Strafgesetzen», gegen die Wikileaks mit der Veröffentlichung von mehr als 250.000 teils geheimen Unterlagen des US-Außenministeriums verstoßen haben könnte, sagte McClelland. Ministerpräsidentin Julia Gillard hatte die geplante Enthüllung vergangene Woche als rücksichtslos und möglicherweise schädlich für die Sicherheitsinteressen Australiens verurteilt. (dapd)
In den Depeschen geht es unter anderem um persönliche Einschätzungen der Diplomaten zu Politikern ihres Gastlands, vertrauliche Absprachen und geheime Informationen. Bis zuletzt unterrichtete das US-Aussenministerium verbündete Staaten über möglicherweise brisante Berichte aus US-Botschaften.
So wird der afghanische Präsident Hamid Karsai als «schwache Persönlichkeit» beschrieben, der von «Paranoia» und «Verschwörungsvorstellungen» getrieben werde. Aus dem US-Aussenministerium seien Informationen angefordert worden, ob Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi tatsächlich Privatgeschäfte mit Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin getätigt habe. Putin werde dabei als «Alpha-Rüde» bezeichnet, Präsident Dmitri Medwedew als «blass» und «zögerlich». Während Angela Merkel in den Berichten als «Teflon-Merkel» beschrieben wird, die nie verbindlich ist, bekommt vor allem Aussenminister Guido Westerwelle sein Fett weg: Er wird von den Amerikanern als inkompetent, eitel und amerikakritisch beurteilt.
Aufruf zur Bombardierung Irans
Ein Schlaglicht wird in den Dokumenten auch auf schwierige politische Prozesse, etwa im Iran geworfen. So hätten Israel genauso wie arabische Verbündete die USA zu einem Militärschlag gegen Teheran gedrängt.
Der saudische König Abdullah habe verlangt, «der Schlange den Kopf abzuschlagen». Staaten wie Bahrain und Ägypten hätten ähnliche Einschätzungen vertreten, enthüllte der «Guardian». Nach Darstellung der britischen Zeitung haben die USA sogar versucht, die Führung der Vereinten Nationen auszuspionieren.
Gaddafi mit vollbusiger Krankenschwester unterwegs
Auch viele spannende Anekdoten sind in den Dokumenten zu finden: Zornentbrannt sei der Stabschef der Revolutionswächter, Mohammed Ali Dschaafari, auf Präsident Mahmud Ahmadinedschad losgegangen und habe ihn ins Gesicht geschlagen, weil sich der sonst so konservative Staatschef überraschend für mehr Pressefreiheit eingesetzt habe.
Über den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi heisse es da, er reise praktisch nicht mehr ohne die Begleitung einer vollbusigen ukrainischen Krankenschwester.
Berlusconi amüsiert
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat sich über die enthüllten Berichte offenbar bestens amüsiert. Er habe «gut gelacht», als er vom Inhalt der Depeschen erfahren habe, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Sonntag unter Berufung auf Vertraute Berlusconis. Die britische Zeitung «Guardian» berichtete, dass US-Diplomaten Berlusconi als «inkompetent, aufgeblasen und ineffektiv» beschrieben.
In einem weiteren Dokument sei der italienische Regierungschef als «physisch und politisch schwach» dargestellt worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf die Enthüllungsplattform weiter. Seine «Vorliebe für Partys» halte Berlusconi davon ab, genügend Erholung zu bekommen.
Die oppositionelle Demokratische Partei in Italien kritisierte, die Enthüllungen demonstrierten das Ausmass, in dem das Bild des Landes in der Welt durch Berlusconi in Misskredit gebracht worden sei.
Laut «Spiegel» stammen 90 Prozent der Dokumente aus der Zeit seit 2005. Nur 6 Prozent würden als «geheim» eingestuft, 40 Prozent als «vertraulich».
(20 Minuten/sda)






















