China

01. Februar 2011 16:12; Akt: 01.02.2011 16:25 Print

Tot wegen Kampf gegen Enteignung

Er hatte gegen Enteignungen durch die chinesiche Regierung gekämpft und wurde überfahren. Der Tod von Qian Yunhui gibt zu reden.

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Qian Yunhuis Familie wehrt sich gegen die Behörden. (Bild: Keystone)

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Ein Gericht in China hat den Tod eines von einem Lastwagen überfahrenen Dorfvorstehers, der zuvor Enteignungen von Bauern durch die Behörden kritisiert hatte, als herkömmlichen Verkehrsunfall eingestuft.

Es verurteilte den Fahrer des Wagens zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe, wie der staatliche Fernsehsender CCTV am Dienstag berichtete. Der Mann sei zur Zeit des Unfalls im Dezember ohne Führerschein gefahren und habe den 53-jährigen Qian Yunhui dabei erfasst, hiess es.

Qian hatte sich in der Vergangenheit vehement gegen eine unentgeltliche Beschlagnahmung landwirtschaftlicher Flächen zum Bau eines Elektrizitätswerks eingesetzt und wurde mehrfach festgenommen. Die nach dem Unfall in Gang gekommene Diskussion über eine eventuelle absichtliche Ermordung Qians setzte sich nach dem Urteil fort.

«Eindeutig ermordet»

In Internetforen wurde vor allem kritisiert, dass sich das Gericht bei seinem Urteil auf eine angeblich von Qians Armbanduhr aufgezeichnete Videoaufnahme des Unfallhergangs stützte. Diese sei jedoch eine Fälschung, hiess es. «Warum trägt ausgerechnet er eine Armbanduhr mit eingebauter Kamera?», fragte ein Nutzer.

Qian sei in seinem Dorf in der ostchinesischen Provinz Zhejiang eindeutig ermordet worden, fügte ein anderer hinzu. Ein weiterer fragte sich, ob die Regierung «die Menschen nur für ein bisschen blöd oder für richtiggehend dumm» halte.

Sozialer Konflikt

Der Streit über gewaltsame Enteignungen und unzureichende Entschädigungen ist in China eine der wichtigsten sozialen Konfliktquellen.

In der Hoffnung auf schnelle Gewinne im boomenden Immobiliengeschäft greifen lokale Behörden immer wieder zu illegalen Mitteln, um Bewohner aus ihren Häusern zu vertreiben, ohne ihnen eine angemessene Entschädigung zu zahlen. Dabei kommt es immer wieder auch zur Ermordung von Enteignungsgegnern und Hausbewohnern.

(sda)