Kataloniens Anführer

29. November 2017 11:17; Akt: 29.11.2017 13:27 Print

So geht es den Separatisten im Gefängnis

Acht führende separatistische Politiker Kataloniens sitzen in U-Haft. Nicht alle halten sich an die strikten Gefängnisregeln.

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Der Alltag im Gefängnis fällt den katalanischen Separatisten nicht leicht. Seit mehreren Wochen sitzen acht Männer und Frauen in verschiedenen Haftanstalten Spaniens in Untersuchungshaft, nachdem ein Gericht in Madrid ihnen «aufrührerisches Verhalten» vorgeworfen hat.

Vor allem zwei der Inhaftierten gelten als Strippenzieher des von der spanischen Regierung als illegal bewerteten Unabhängigkeitsreferendums vom 1. Oktober. Bei den beiden handelt es sich um den 53-jährigen Jordi Sánchez, den Anführer der Asamblea Nacional Catalana (katalanische Nationalversammlung, kurz ANC) und den 42-jährigen Jordi Cuixart, den Anführer der Bürgerbewegung Omnium Cultural.

Versteckte Briefe in der schmutzigen Wäsche

Sánchez und Cuixart kamen beide in die Anstalt Soto del Mayor in der Nähe von Madrid. Sie wurden in separaten Zellen untergebracht. Schon zu Beginn seines Aufenthalts fiel Sánchez mit seinem Verhalten auf. Nach nur wenigen Tagen musste er in eine andere Zelle verlegt werden: Sein Mitinsasse hatte bei den Gefängnisbehörden reklamiert, Sánchez wolle unaufhörlich das Thema Unabhängigkeit mit ihm besprechen.

Laut Europa Press soll der Separatisten-Anführer zudem Briefe zwischen seinen Kleidern versteckt haben, um sie aus dem Gefängnis zu schmuggeln. Während die Pakete mit der schmutzigen Wäsche an seine Familie gingen, sollten seine schriftlich festgehaltenen Gedanken aus dem Gefängnis die Medien erreichen.

Sánchez wünscht sich Verlegung nach Katalonien

Die Behörden von Soto del Mayor entdeckten vor wenigen Tagen in der katalanischen Zeitung «Ara» einen Text des Politikers, den er offenbar im Gefängnis verfasst hatte. Unter anderem beklagt er, dass nachts die Lichter und die Heizung abgestellt werden und er in seiner Zelle friere. Wegen der Briefe in der Wäsche droht ihm laut «Blasting News» ein Disziplinarverfahren.

Wochen zuvor hatte ANC-Chef Sánchez seine Verlegung in ein Gefängnis in Katalonien beantragt. Seine Begründung: An seinem ersten Wochenende habe er während einer Messe erlebt, wie ein Insasse einen anderen mit einem Messer attackiert habe. Zudem hätten seine Angehörigen eine weite Reise in die spanische Hauptstadt. Sánchez bekommt täglich Besuch von seinem Anwalt, jeden Samstag darf seine Familie ihn 40 Minuten lang sehen.

Die Familien haben es auch schwer

Die Situation ist für die Familie von Jordi Cuixart ähnlich belastend. Txell Bonet, Ehefrau des Separatisten-Anführers, steht laut BBC jeden Tag um 4.30 Uhr auf, um mit ihrem sechs Monate alten Baby den Zug nach Madrid zu nehmen und ihren Mann zu besuchen. Bonet darf mit ihrem Mann nur durch eine Glasscheibe kommunizieren.

Zweimal im Monat erhalten die Familien der katalanischen Insassen die Möglichkeit, mit ihnen drei Stunden in einem Raum zu verbringen. Beim Besuch nutzen sie auch die Gelegenheit, um ihnen die Pre-Paid-Karte aufzuladen, mit denen die Insassen am Gefängniskiosk Lebensmittel kaufen können, schreibt BBC.

Sieben von acht Inhaftierten treten bei den Wahlen an

Sieben der acht katalanischen Politiker stehen auf den Listen für die vorgezogenen Wahlen am 21. Dezember. Sánchez wird mit dem abgesetzten Regionalpräsidenten Carles Puigdemont antreten. «Er hat dies erst jüngst erfahren, weil die Gefängnisleitung bisher nicht zuliess, dass ihm die Liste zugestellt wird», sagt sein Anwalt Jordi Pina.

Ein weiterer inhaftierter Separatist hat die grössten Chancen, zum Regierungspräsidenten Kataloniens gewählt zu werden. Den jüngsten Umfragen zufolge liegt Oriol Junqueras von der Republikanischen Linken Kataloniens (ERC) in der Gunst der Wähler vorne.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Bobby-Lee am 29.11.2017 11:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro-Unabhängigkeit

    So wird die Demokratie im Grossraum Europa ausgelegt und die EU sagt kein Sterbenswörtchen darüber.

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  • Maler50 am 29.11.2017 11:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normalität

    Ach ja,es geht wohl allen Gefangenen gleich.Ausser natürlich haben die anderen nicht die Medienwelt welche sich für sie interessiert!

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  • Blueyonder am 29.11.2017 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Finde es top dass die Ehefrauen zu ihren männern stehen. Andere hätten sich getrennt und scheiden lassen..

Die neusten Leser-Kommentare

  • gordito am 29.11.2017 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles voll legal

    Mit abgezweigten Gelder der EU Wahlkampf finanziert, schwarze Kassen geführt. Rajoy 300'000 Euro aus schwarzer Kasse erhalten ( Barcenas ). PP über 900 Angeklagte wegen Korruption und wenn ein Richter es wagt Rajoy vorzuladen wird er kurzerhand abgesetzt. Schön legal das alles und die EU schaut zu. Dies an alle von Euch die legalität hier ins Feld führt.

  • Chregu am 29.11.2017 17:33 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn!

    Die Separatisten haben GESETZE gebrochen und daher sitzen Sie in haft und es sind nicht politische Gefangene sondern Gefangene Politiker! Ihr hier in der Schweiz schreibt einfach einen Unsinn nach dem anderen, man sollte Wissen, dass die nichtmal 45% des Volkes hinter sich hatten(haben es selber zugegeben) und haben einen politischen Putsch versucht! Der spanische Staat hat über Jahre sicher Fehler gemacht aber Verfassungsgerecht gehandelt!

    • Tommy am 29.11.2017 18:15 Report Diesen Beitrag melden

      Wenns keinen legalen Weg gibt...

      Trotzdem haben sie alles versucht das Problem demokratisch, legal und friedlich zu lösen. Und da es ja überhaupt keinen legalen Weg gibt, muss man eben einen illegalen wählen. Ist doch nur logisch. Mandela, Gandhi, Washington usw. mussten auch Gesetze der jeweiligen "legalen" Regierung brechen um die Freiheit ihrer Länder zu erreichen. Die Briten haben es richtig gemacht: Durch das sie den Schotten die Wahl liessen, konnten sie sie überzeugen, dass die Unabhängigkeit gar nicht nötig ist, da sie ja nicht unterdrückt werden. Die Spanier unterdrücken aber lieber...

    • mawe am 29.11.2017 18:55 Report Diesen Beitrag melden

      Jede Unabhängigkeitsbewegung verstösst g

      Gefangene Politiker die einer Unabhängigkeit zustreben sind politisch Gefangene. Jede Unabhängigkeitsbewegung verstösst gegen die Verfassung !

    • Gordito am 29.11.2017 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chregu

      Die Spanische Regierung tut dies fast täglich und keiner Sitzt in Haft.

    • MeLovesSpain am 29.11.2017 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      Ghandi mit Puigdemont vergleichen!?

      @Tommy Lieber Tommy Ghandi mit Puigdemont vergleichen ist ein äusserst schlechter Vergleich. Entweder weisst du nicht genau was in Indien im letzen Jahrhundert gelaufen ist, oder hast wenig Ahnung was in Spanien die letzen 40 Jahren geschehen ist. Und Tommy: Du sprichtst von Demokratie. Das die halbe Bevölkerung gegen diese Bewegung ist (momentan gemäss Umfragen die Mehrheit sogar!) interessiert dich nur wenig, aber von Demokratie sprechen...

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  • D. Garcia am 29.11.2017 15:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Wenn die Familie ihn nur jeden Samstag sehen kann, weshalb fährt dann seine Frau jeden Tag mit dem Zug von Barcelona nach Madrid?

  • Andres am 29.11.2017 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    konsekuenzen durchziehen

    Sie sind nicht in gefängniss wegen seine politische orientierung oder die Unabhängigkeits gedanken, deswegen sind nicht in gefängniss, sie sind ins gefängniss weil sie gegen die verfassung und das gesetzt verstossen haben. Gegen die verfassung und gegen das gesetzt verstossen darf nicht gratis sein, sie können denken was sie wollen aber nicht gegen das gesetzt verstossen, deswegen müssen sie die konsekuenzen durchziehen und der füddli hinhalten.

    • Jake am 29.11.2017 17:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andres

      Welche Unabhängigkeitsbewegung hat bisher bitteschön nicht gegen die Verfassung oder Gesetze verstossen? Die meisten mussten sogar mit Krieg erkämpft werden... Indien oder die USA z.b führten blutige Kriege um ihre Freiheit. Das muss bei Katalonien doch wirklich nicht sein. Ich würde mir ein bisschen mehr Unterstützung für die Leute dort wünschen, gerade von Seiten der EU, die sich demokratisch schimpft, aber die Unterdrückung dieser Leute einfach duldet. Man stelle sich mal den Aufschrei vor, wenn z.B die Türkei sowas machen würde...

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  • Soron am 29.11.2017 14:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwei sind keine Politiker

    Vielleicht sollte hier noch erwähnt sein, dass es sich bei zwei von denen nicht einmal um Politiker handelt. Die sitzen ohne richtigen Prozess im Gefängnis. Spanische Justiz sag ich nur dazu....

    • Soros am 29.11.2017 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Soron

      ohne richtigen Prozess im Gefängnis - darum nennt man es ja Untersuchungshaft weil der Prozess erst noch kommt.

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