Presseschau zu Friedensnobelpreis

07. Oktober 2017 07:17; Akt: 08.10.2017 15:02 Print

«Ausgerechnet ein aussichtsloses Vorhaben»

In einem sind sich die Kommentatoren der Schweizer Zeitungen einig, wenn es um die Friedensnobelpreisträger 2017 geht: Eine Welt ohne Atomwaffen bleibt für sie ein Traum.

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«Schweiz am Wochenende»: «Das Nobelpreis-Komitee ist keine politische Institution. Aber als eine um den Frieden bemühte Einrichtung muss es sich fragen, ob es schlau ist, in diesen Tagen ausgerechnet einem aussichtslosen Vorhaben den Rücken zu stärken. Wenn sich das Komitee in Oslo schon des Themas der nuklearen Proliferation annimmt, dann hätte es besser jemanden geehrt, der einen wirklichen Beitrag zum Frieden geleistet hat – oder auf dem Weg dorthin gerade jetzt jede Unterstützung braucht, die er bekommen kann.»

«Neue Zürcher Zeitung»: «Eine Welt, in der diktatorische Regime ein Leichtes haben, durch Betrug ein Atomwaffenmonopol zu erringen und damit die übrigen Staaten zu erpressen, ist nicht erstrebenswert. So schön ein für alle verbindlicher Vertrag wäre – dem beschriebenen Szenario ist die gegenwärtige, keineswegs perfekte Weltordnung vorzuziehen. Sie gibt einem atomar bewaffneten Amerika die Möglichkeit, als Garant für Sicherheit und Frieden zu wirken, ob in Ostmitteleuropa gegenüber Russland, in der Golfregion gegenüber Iran oder in Ostasien gegenüber Nordkorea. Dies heisst nicht, dass das Fernziel einer atomwaffenfreien Welt aus den Augen verloren werden sollte. Wenn Organisationen wie ICAN daran immer wieder erinnern, ist dies ehrenwert.»

«Tages-Anzeiger»: «Das Nobelpreiskomitee würdigt die Kampagne einer Initiative, die ausserhalb der internationalen Organisationen steht, die unabhängig von globalen politischen und militärischen Interessen handeln kann. Mit dem Nobelpreis als moralischem und tatsächlichem Kapital kann ICAN nach dem Vorbild der Kampagne für ein Verbot von Landminen tatsächlich eine weltweite Koalition gegen Atomwaffen schmieden. Die Waffen werden deshalb nicht verschwinden, aber sie könnten geächtet werden.»

«Luzerner Zeitung» / «St. Galler Tagblatt»: «Auf ein Jahr erfolgreicher Friedensbemühungen hat das Preiskomitee in Oslo nicht zurückblicken können. (...) 215 Persönlichkeiten und 103 Organisationen waren für den Friedensnobelpreis nominiert worden. (...) Der Preis ehrt Hunderte ICAN-Gruppen und Zehntausende Aktivisten. All jene, die sich weiter gegen die atomare Logik stemmen. Er ist zwar eine noble, aber eben doch symbolische Geste.»

«Le Temps»: «Wenn es zutrifft, dass man sich nicht so bald den Atomwaffen entledigt, Washington weiter bereit ist, sein Arsenal zu erneuern und Moskau auf den strategischen Ausgleich zu Amerika insistiert, ist es mehr denn je nötig, dass sich die Staaten der Gefahren bewusst werden. In diesem Sinn ist der Nobelpreis 2017 eine Ermunterung adressiert an die Zivilgesellschaft, die als einzige wirklich fähig ist, eine Veränderung zumindest teilweise zu erzwingen.»

(foa/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Falco for ever am 07.10.2017 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann wäre Ordnung

    Wie wär's. Eine Welt ohne Politiker die ihr Versprechen nicht einhalten.

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  • Mike Zac am 07.10.2017 12:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit Obama?

    Habt ihr Obama damals auch kritisiert? Als einer der grössten Kriegstreiber in der US Geschichte einen Friedensnobelpreis bekam.

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  • W. Tell am 07.10.2017 11:31 Report Diesen Beitrag melden

    Spätestens seit 1994 Bedeutung verloren

    Dieser Preis ist nichts mehr wert, seid Arafat, Peres, Rabin diesen Preis bekommen haben. Ich dachte mir auch schon, die Welt wäre friedlicher und schöner ohne die oberen Zehntausend. Bin ich dafür Friedensnobelpreiswürdig? Nein, weil die gierigen oberen Zehntausend, die die Kriege verantworten, gibt es immer noch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal Helfer am 12.10.2017 17:28 Report Diesen Beitrag melden

    Pease

    Für absoluten Frieden sind alle Menschen nötig. Jeder hat wohl einen Friedensnobelpreis verdient, wenn er das richtige tut. Nichts ist nur eine Leistung eines einzelnen.

  • Brausefritz am 08.10.2017 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oooh ja...

    Die atomar bewaffnete USA als Garant für den Frieden...selten so bitter gelacht... Möge man sich doch bitte mal etwas mit Geschichte und speziell aus neutralen Quellen mit dem kalten Krieg befassen, dann wird auch klar, warum Atomwaffen heute so verbreitet sind.

    • mrfiveduck am 10.10.2017 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Brausefritz

      weil sie USA bisher die einzige Macht ist die jemals Atomwaffen eingesetzt haben macht sie zu potentiellen Wiederholungstäter. Die haben 0 Skrupel wenns um ihre Interessen geht.

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  • Geostratege am 08.10.2017 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wegen USA leider nur Wunschdenken

    Sehr gute Einschätzung von LeTemps, absoluter Flop der NZZ, wie leider oft bei internationalen Themen... Die USA sind kein Garant für Frieden sondern Kriegstreiber Nr. 1 und die einzigen, die mit Atomwaffen ganze Städte ausgelöscht haben. Russland ist das strategische Gegengewicht, das den derzeitigen, wenn auch labilen, Frieden ermöglicht. NK rüstet nur wegen den USA nuklear auf. Allgemein wird die atomwaffenfreie Welt aber ein Wunschdenken bleiben, denn kein Machtgieriger Politiker wird dieses Druckmittel freiwillig hergeben.

  • Mensch am 08.10.2017 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    es sind die hochgebildeten

    Wissenschaftler die die Atombomben und bis zu 4000 mal stärkeren Wasserstoffbomben entwickelt haben. Den Auftrag dazu haben die Politiker gegeben. Würden die Menschen die Gebote Gottes einhalten, dann wäre es niemals soweit gekommen. Dann würden wir uns respektvoll behandeln in wahrer Liebe. Aber diese Welt in dieser Zeit folgt nicht Gott sondern dem Teufel. Und daher sind wir auch fähig uns alle gegenseitig umzubringen - zu verdampfen und sogar schon die Kinder zu zerstückeln und im Abfall zu entsorgen. Diese Welt steht vor dem Abgrund. Jeder Schritt kann der letzte sein.

  • Realist am 07.10.2017 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Farce

    Das Komitee bekundet dieses Jahr teilweise Mühe bei der Verleihung des Preises. Die innere Uhr, eine Entdeckung der 1940-er Jahre wird geehrt und eine "quartäre" Organisation ican in der Schweiz. Langsam verkommt der Preis zur Farce.