Stockholm

11. April 2017 10:30; Akt: 11.04.2017 11:24 Print

Usbeke gesteht LKW-Anschlag

Der vierfache Familienvater, den die Polizei nach der Todesfahrt im Zentrum Stockholms festnehmen konnte, hat ausgesagt.

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Zehntausende Menschen nahmen an einer «Liebes-Kundgebung» in der Stockholmer Innenstadt teil. (9. April 2017) Am Ort, wo der Lastwagen ins Einkaufszentrum fuhr, schmücken Menschen einen Polizeiwagen mit Blumen. (9. April 2017) Zehntausende Menschen haben Tausende Blumen niedergelegt. Am Abend wurden neben den Blumen Kerzen angezündet. In der Nähe des Anschlagsortes in Stockholm versammelten sich am Sonntagnachmittag mehr als 20'000 Menschen zu einer «Liebes-Kundgebung». Um 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Anschlags vom Freitag, war es auf dem Platz komplett still. Viele hielten sich an den Händen und weinten. Am Montag soll es eine landesweite Schweigeminute geben. Der schwedische Premierminister Stefan Lofven besucht den Tatort und legt Blumen für die Opfer nieder. Kronprinzessin Victoria gedenkt mit ihrem Ehemann Prinz Daniel den Opfern. Ehrerweisung bei der Drottninggatan: Menschen legen Blumen beim Ort des Anschlages nieder. (8. April 2017) Einer der festgenommenen Männer soll nach Aussage eines Polizeisprechers die Tat begangen haben. Nach Informationen mehrerer schwedischer Medien handelt es sich um einen 39-jährigen Usbeken, der ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sei. Abgeschleppt: Der gestohlene Brauereilastwagen war zunächst durch die Fussgängerzone in der Innenstadt Stockholms gerast und dann in den Eingangsbereich eines Kaufhauses gekracht. (8. April 2017) Der LKW wird abtransportiert. Ein Polizist überwacht den Abtransport. Der zerstörte Eingang des Warenhauses, nachdem der Lastwagen entfernt wurde. Die Polizei veröffentlichte zwei Fahndungsfotos. Sie zeigen einen Verdächtigen mit über den Kopf gezogener schwarzer Kapuze und olivgrüner Jacke. (7. April 2017) Am Abend nahm die Polizei in einem Stockholmer Vorort einen Mann fest, allerdings hat es sich nicht um den Attentäter gehandelt. Nach seiner Fahrt durch eine Einkaufsstrasse raste der Lastwagen in ein Kaufhaus. Über die genaue Opferzahl gab es unterschiedliche Angaben. Am Schluss der Amokfahrt ist der LKW in das Einkaufszentrum geprallt. Vier Menschen wurden getötet, 15 verletzt. Eine Augenzeugin berichtet, dass der Lastwagen mit mindestens 40 Kilometer pro Stunde durch die Fussgängerzone gerast sei. Der Täter soll den Lastwagen einer Brauerei unmittelbar vor dem Attentat gekapert haben. Am Tatort ist der Lastwagen mit blauer Plane und schwer beschädigtem Fahrwerk zu sehen, der quer in dem Kaufhaus zum Stehen gekommen war. «Ich sah hunderte von Menschen, die um ihr Leben liefen», berichtet eine Zeugin. (Bild: Twitter) Der Vorfall ereignete sich im Zentrum von Stockholm. Die Polizei hat das Zentrum der Stadt abgeriegelt. Laut einer Augenzeugin sind nur noch schwer bewaffnete Einsatzkräfte auf den Strassen zu sehen. Die meisten zentralen Strassen wurden gesperrt, U-Bahnen, S-Bahnen und Busse stellen den Betrieb komplett ein Tausende müssen zu Fuss nach Hause gehen. Kinos und Theater sagen alle Vorstellungen für den Abend ab. Das Einkaufszentrum befindet sich im Zentrum Stockholms.

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Der wegen des Anschlags von Stockholm festgenommene 39-jährige Usbeke hat sich zu einer «terroristischen Tat» bekannt. Das sagte sein Anwalt heute bei der Verhandlung über einen Antrag auf Haftbefehl gegen den Mann.

Der Mann habe «zugegeben, eine terroristische Tat begangen zu haben und akzeptiert, in Untersuchungshaft genommen zu werden», sagte der Pflichtverteidiger in Stockholm. Der restliche Teil der Anhörung vor einem Haftrichter fand hinter verschlossenen Türen statt.

Vierfacher Familienvater

Der Usbeke hatte am Freitag in Stockholm einen Lastwagen in einer grossen Einkaufsstrasse zunächst in eine Menschenmenge und dann in ein Kaufhaus gesteuert. Bei dem Anschlag waren vier Menschen – ein Engländer, eine Belgierin und zwei Schwedinnen ums Leben gekommen. 15 Menschen wurden verletzt.

Der Mann, nach Berichten schwedischer Medien vierfacher Familienvater, hatte 2014 einen Antrag auf Aufenthaltsrecht in Schweden gestellt. Zwei Jahre später war dieser abgelehnt worden. Der Aufforderung, das Land zu verlassen, war der Mann aber nicht nachgekommen. Er tauchte stattdessen unter.

Sympathien für Extremisten

Der Polizei war er seit dem vergangenen Jahr bekannt. Nach Angaben der Ermittler hegt der Verdächtige Sympathien für extremistische Organisationen wie die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die Polizei hatte am Sonntag eine weitere Person festgenommen. Diese werde aber nur in «geringerem Grad» verdächtigt. Angaben zu Alter und Geschlecht der Person machten die Ermittler deshalb nicht. Welche Verbindung es zwischen den beiden Männern gibt, blieb zunächst offen.

(rub/sda)