Erdogans Bodyguards in Washington

18. Mai 2017 07:30; Akt: 18.05.2017 10:00 Print

«Sie schlugen auf meinen Kopf und Rücken ein»

Erdogans Bodyguards haben eine Frau in Washington offenbar bewusstlos geschlagen. Die US-Behörden sind schockiert.

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Das US-Aussenministerium hat den Einsatz von Gewalt vonseiten des Sicherheitsteams des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gegen einen Antiregierungsprotest in Washington verurteilt. Gewalt sei nie eine angebrachte Antwort auf Meinungsfreiheit, erklärte Ministeriumssprecherin Heather Nauert in einer Mitteilung. Das Ministerium habe seine Bedenken der türkischen Regierung mitgeteilt.

Bei dem Vorfall vor der türkischen Botschaft wurden neun Menschen verletzt. Es gab zwei Festnahmen, wie die Behörden mitteilten. Die türkische Regierung und Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser wiesen der jeweiligen Gegenseite die Schuld für den Ausbruch der Gewalt zu.

Die Demonstranten hätten vor der türkischen Botschaft Slogans gegen Erdogan gerufen, als der Staatschef am Dienstag (Ortszeit) nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump vorgefahren sei, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Weil die US-Polizei türkische Forderungen nach einem Einschreiten nicht beachtet habe, seien Erdogans Sicherheitskräfte und türkische Staatsbürger eingeschritten, um «sie zu zerstreuen», hiess es.

«Angriff auf friedliche Demonstration»

Die Demonstrantin Lucy Usoyan wurde von einer Flasche getroffen und fiel dann zu Boden. «Ich spürte, dass jemand stark auf meinen Kopf und Rücken einschlug», sagte sie zu CNN. Danach habe sie das Bewusstsein verloren.

Wie CNN weiter berichtet, habe ein Augenzeuge gesehen, wie ein türkischer Bodyguard auf Usoyan eintrat. Ein US-Polizist habe demnach versucht, den Mann mit einem Stock zu stoppen.

Lucy Usoyan ist die Frau mit den roten Hosen:

Bürgermeisterin Bowser sprach von «einem gewaltsamen Angriff auf eine friedliche Demonstration». Das Einschreiten sei eine Beleidigung der in Washington geltenden Werte und der Rechte der Amerikaner, teilte sie am Mittwoch mit.

«Wir brauchen das hier nicht»

In einem Video des Senders Voice of America ist zu sehen, wie Polizisten Probleme dabei haben, eine kleine Gruppe von Demonstranten vor der türkischen Botschaft zu beschützen. Die Demonstranten werden von Männern in schwarzen Anzügen getreten und blutig geschlagen. Auch Senator John McCain war fassungslos darüber. «Das sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir machen das hier nicht», kommentierte er, als er das Video auf Twitter retweetete.

Zuvor hatten die US-Behörden von einer Auseinandersetzung berichtet. Zwei Personen seien nach dem Streit festgenommen worden, sagte Polizeisprecher Dustin Sternbeck. Erdogan und US-Präsident Donald Trump hatten sich am Dienstag im Weissen Haus getroffen.

Bildstrecke – Erdogans Besuch in Washington:

Erdogan in Washington

(woz)