Grossbritannien

04. Oktober 2017 17:29; Akt: 05.10.2017 07:55 Print

Pleiten, Pech und Pannen für Theresa May

Am Parteitag entschuldigte sich die britische Premierministerin für die missratene Parlamentswahl. Dabei plagte sie ein Husten und ein Komiker überreichte ihr ein Entlassungsformular.

Kuriose Szene: May bekommt von einem Komiker die Entlassungspapiere gereicht. Video: Tamedia/AFP
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Ist es Mitleid oder echte Unterstützung? Theresa May erhält viel Beifall bei ihrer Rede auf dem Parteitag der britischen Konservativen am Mittwoch in Manchester. Doch obwohl die Premierministerin inhaltlich punkten kann, gelingt ihr keine Demonstration der Stärke.

May erinnert demütig an die Wahlschlappe im Juni. «Ich übernehme die Verantwortung, ich habe den Wahlkampf angeführt, es tut mir leid.» Dann geht sie in die Offensive. Sie legt ihre Vision für ein gerechteres Grossbritannien dar, mit dem sie Oppositionschef Jeremy Corbyn von der Labour-Partei den Wind aus den Segeln nehmen will.

Räuspert, hustet, krächzt

Doch als ein Komiker ans Rednerpult tritt, um ihr – angeblich im Namen des Aussenministers Boris Johnson – ein Entlassungsschreiben zu überreichen, ist es um ihr souveränes Auftreten geschehen. May räuspert sich, hustet, krächzt. Sie hat Mühe, die Rede zu Ende zu bringen. Der Vorfall kann als symbolisch für die vergangenen Wochen betrachtet werden.

Statt Grossbritannien auf dem Weg zum Brexit zu neuen Höhen zu führen, hatte die 61-Jährige alle Hände voll zu tun mit Querelen in ihrem Kabinett. Vor allem Aussenminister Johnson macht ihr das Leben schwer. Mehrmals hatte er vor dem Parteitag ohne vorherige Absprache seine eigenen Vorstellungen zum EU-Austritt in der Öffentlichkeit dargelegt. Nicht wenige glauben, dass er im Sturz Mays die einzige Chance sieht, selbst noch ins Amt des Regierungschefs zu kommen.

Die Wahlschlappe im Juni hat deutlich ihren Tribut gefordert. May hatte die Parlamentswahl ohne Not einberufen, weil sie sich einen Erdrutschsieg erhofft hatte – inzwischen regiert sie mit einer Minderheitsregierung. Die Brexit-Gespräche verlaufen schleppend.

Horror-Parteitag für Theresa May

Hört man sich unter den Delegierten um, gibt es trotzdem kaum jemanden, der öffentlich Mays Rücktritt fordert. Viel zu gross wäre die Gefahr, dass es zu Neuwahlen kommt und Labour-Chef Jeremy Corbyn im Regierungssitz Downing Street 10 einzieht. Erst vergangene Woche liess sich Corbyn beim Labour-Parteitag in Brighton an der englischen Südküste von seinen Unterstützern wie ein Messias feiern.

«Theresa May wird für die nächsten zwei bis drei Jahre Premierministerin bleiben», sagt Duncan Ross, ein Zahnarzt und Tory-Mitglied aus Manchester. Dass May bei der nächsten Wahl noch einmal antritt, hält er aber für ausgeschlossen.

Boris Johnson zeigt sich zahm

Aussenminister Boris Johnson gibt sich in Manchester alle Mühe, die Gerüchte um seine Ambitionen zu zerstreuen. Obwohl er seine Parteitagsrede am Dienstag mit dem Titel «Lass den Löwen brüllen» ankündigt, gerät sie überraschend zahm. Das Kabinett sei hinter «jeder Silbe» der Brexit-Rede der Premierministerin in Florenz vereint, sagte Johnson. Der Löwe schnurrt, zumindest vorübergehend.

Auch May versucht, die Sticheleien Johnsons herunterzuspielen, und weist Forderungen nach einem Rausschmiss des Aussenministers zurück. In Fernsehinterviews sagt sie, sie wolle kein Kabinett aus Ja-Sagern. Ihre Politik werde keineswegs von Johnson untergraben. Doch kann sie sich sicher sein, dass der Aussenminister die Seitenhiebe von nun an sein lässt?

Neuer Liebling der Brexit-Befürworter

Möglicherweise fürchtet Johnson auch, von rechts überholt zu werden. Kaum ein Konservativer ist bei dem Parteitag so gefragt wie Jacob Rees-Mogg. Der Millionär und strenggläubige Katholik ist der neue Liebling der Brexit-Befürworter – jede Veranstaltung mit ihm ist überlaufen.

Mit seinem gescheitelten Haar, der Nickelbrille und seinen Anzügen wirkt er wie eine Figur aus dem frühen 20. Jahrhundert. Er ist radikaler Abtreibungsgegner und stolz darauf, noch nie eine Windel bei einem seiner sechs Kinder gewechselt zu haben. Bei einer Umfrage unter Tory-Anhängern auf der konservativen Webseite Conservativehome rangiert er inzwischen auf dem zweiten Platz für den Posten des nächsten Parteichefs – direkt hinter Johnson.

(fur/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rottensurfer am 04.10.2017 20:29 Report Diesen Beitrag melden

    Starke Performance

    Die besten Verhandler für die EU sind bisher die Briten selbst. Brüssel braucht im Grunde immer nur zu warten bis London zielstrebig von Eigentor zu Eigentor eilt.

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  • Alexander Uster am 04.10.2017 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suppe auslöffeln...

    ...die zwei Andere eingebrockt haben! Brexit ist/wird Tatsache. Und Frau May versucht das Beste für GB heraus zu holen. Natürlich kommen Querschläger und machen ihre Arbeit schwerer als er schon ist.

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  • K-H Frlger am 04.10.2017 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komische Spekulationen

    Er will sicher nicht das Amt. Er hätte es ja schon haben können, wollte es aber nicht, weswegen sie sich dann dafür aufgeopfert hat. Jeder in GB weiß um die undankbare Aufgabe. Sie wird erst vom Sockel gestürzt wenn die Aufgabe, bei der sie nur verlieren kann, getan ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Künzle Fritz am 06.10.2017 06:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht überraschend

    Catalonien fühlt sich Madrid als unterworfen muss für die Beamten in Madrid nur zahlen und Spanien unterwirft sich der EU, es braut sich im Untergrund der EU etwas...

    • Gelangweilter am 06.10.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      Geunke

      Träumen Sie weiter. Mal wirft man der EU Diktatur vor, mal kritisiert man sie für Nichteinmischung bei Problemen in den Mitgliedsstaaten. Das grenzt schon an Verzweiflung, wie man sich an jeden Strohhalm klammert, um den Untergang der EU zu prophezeihen. Würde sich die EU im Falle Spaniens in eine Vermittlerrolle drängen, hätten Sie doch sicher auch nur Häme dafür übrig. Vielleicht kracht es ja irgendwann einmal ordentlich zwischen den schweizer Kantonen. Daran ist dann vermutlich auch die EU schuld, stimmts?

    • rocco am 06.10.2017 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      @gelangweilter

      man braucht sich an keine Strohhalme zu klammern, der Untergang der Eurozone ist längst Tatsache, das Weiterbestehen wird nur noch mit Hilfe der frisierten Bank- und Staatsbilanzen aufrechterhalten, die 1 Billion Euro zugegebener fauler Kredite ist nur die Spitze eines Eisbergs, es ist nur Frage der Zeit, bis weitere Finanzbomben hochgehen. Nach der Eurozone kommt dann die EU dran, dann wird gelten: rette Dich wer kann!

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  • Brenner kurt am 05.10.2017 17:47 Report Diesen Beitrag melden

    EU überschätzt sich gewaltig

    Jetzt sind die EU Hetzkampagnen gegen May am austrocknen, nachdem Catalonien sich abspalten will, muss wohl peinlich werden wenn die nächste EU Region sich trennen will.

    • Einspruch am 05.10.2017 20:02 Report Diesen Beitrag melden

      Überschätzter Kommentar

      Katalonien will sich von Spanien trennen, nicht von der EU. Die Katalanen wollten schon immer selbständig sein, schon lange vor der EU.

    • Fritz Tunnel am 05.10.2017 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Brenner kurt

      Was hat das mit EU zutun? Haben Sie keine andere Argumente?

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  • huschmie am 05.10.2017 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte mehr Frauen an die Macht

    So kommt es, wenn starke Frauen an der Spitze sind. Es braucht unbedingt mehr davon.

  • Rumm Wussler am 05.10.2017 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Rummwusseln

    Schon lustig dieses Völkchen, dass auf seiner Insel so rummwusselt und nichts zustande bringt. Und wenn mal was läuft bringt man sich gegenseitig zu Fall. Aber man ist fest des Glaubens, immer noch ein Empire zu sein.

  • Ch. Laferi, Fribourg am 05.10.2017 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    The Best

    Go for it, Jacob Rees-Mogg!