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Offener Streit
19. Februar 2012 18:05; Akt: 19.02.2012 19:31 Print
FDP für Gauck, CDU dagegen
Die Suche nach einem neuen Bundespräsident könnte zur Zerreissprobe für die Regierungskoalition werden. Die FDP hat sich auf den SPD-Favoriten Joachim Gauck festgelegt. Für die CDU kommt dieser nicht in Frage.
Auf der Suche nach einem neuen Bundespräsidenten ist es am Sonntag zum handfesten Streit in der Koalition gekommen. Die FDP machte sich nun für den SPD-Favoriten Joachim Gauck stark und setzte damit die Union unter Druck. Das Parteipräsidium der Liberalen sprach sich nach dapd-Informationen am Sonntag einstimmig für den Theologen aus. Damit gingen Parteichef Philipp Rösler und Fraktionschef Rainer Brüderle wieder in die Verhandlungen mit der Union.
Die von der Union genannten Kandidaten, der frühere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber und Ex-Umweltminister Klaus Töpfer, wurden von der FDP-Spitze strikt abgelehnt. Die Union wollte wiederum einen Kandidaten Gauck nicht mittragen, verlautete aus Verhandlungskreisen. Die FDP sei für diesen Fall aber bereit, über einen ganz neuen Kandidaten zu sprechen, hiess es.
FDP für Gauck
Führende Liberale liessen am Sonntag offen Sympathie für Gauck erkennen. Fraktionschef Rainer Brüderle sagte im ARD-Bericht aus Berlin: «Das ist ohne Frage ein respektabler und anzuerkennender Kandidat.»
Gesundheitsminister und FDP-Präsidiumsmitglied Daniel Bahr sagte der Nachrichtenagentur dapd: «Es kommt darauf an, dass das Amt des Bundespräsidenten wieder Respekt und Anerkennung geniesst. Das kann von allen Joachim Gauck am besten.»
Streit wird öffentlich ausgetragen
Am Sonntagabend wurde der Streit über die Kandidatenauswahl öffentlich ausgetragen. Der Fraktionschef der FDP in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, nannte es am Sonntag im ZDF «wirklich peinlich», dass die Union mit Joachim Gauck eine Person, die grossen Respekt bei den Bürgern habe, deshalb nicht mit vorschlagen wolle, weil die Kanzlerin damit womöglich einen Gesichtsverlust erleide. «Was sind das für Kriterien bei der Wahl des ersten Mannes oder der ersten Frau im Staate», fragte Kubicki.
Bayerns Finanzminister Markus Söder rügte das Vorpreschen der FDP, nachdem sich das Präsidium der Liberalen für Gauck ausgesprochen hatte. Bis dahin habe keine Partei einen Beschluss gefasst, auch SPD und Grüne nicht, sagte Söder in der ZDF-Sendung. «Es macht doch keinen Sinn, wenn irgendeine Partei vorprescht und quasi die anderen erpressen möchte», mahnte der CSU-Politiker. Man habe in der Koalition gesagt, erst mit allen reden zu wollen, bevor man etwas nach draussen verkünde. Es wäre besser gewesen, alle hätten sich daran gehalten, «CDU und CSU tun es jedenfalls», sagte Söder.
SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, wenn die Debatte so ausgehe, dass Gauck Bundespräsident werde, «dann herzlichen Glückwunsch für ganz Deutschland». Das wäre eine echte Chance, das ramponierte Amt des Bundespräsidenten wieder mit Wertschätzung zu versehen. Man könne aber Gauck nicht zumuten, in ein unsicheres Rennen zu gehen. «Er ist kein Pappkamerad», sagte Gabriel.
Gauck stünde zur Verfügung
Gauck selbst soll sich nach Informationen der «Leipziger Volkszeitung» (Montagausgabe), gegenüber politischen Gesprächspartnern von SPD und Grünen zur neuerlichen Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten bereit erklärt haben, wenn gewährleistet sei, dass er nicht als streitiger Kandidat zwischen grossen Lagern gelte. Dann könne er sich vorstellen, «durch den selben Fluss noch einmal zu gehen», zitierte die Zeitung einen führenden Parteipolitiker aus dem rot-grünen Lager Gauck.
Die Linke will Gauck nicht
Die Linke machte erneut klar, dass sie Gauck nicht unterstützt. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi erklärte, 2010 habe seine Partei Gauck nicht mitgewählt, weil dieser für den Afghanistan-Krieg gewesen sei, Hartz IV begrüsst habe und es für richtig befunden habe, dass die Linke vom Verfassungsschutz überwacht werde. Inzwischen habe Gauck auch die Occupy-Bewegung stark kritisiert. Parteichef Klaus Ernst sagte der «Leipziger Volkszeitung», es bleibe dabei, dass Gauck kein Konsenskandidat sei.
(sda/dapd)

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