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Sex-Skandal
08. April 2011 13:37; Akt: 08.04.2011 14:20 Print
«Ich liess Bunga Bunga patentieren»
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi reagiert mit Witzen auf den Sex-Prozess gegen ihn. Doch der Zeitpunkt dafür ist denkbar schlecht gewählt.
Der Sex-Prozess gegen Silvio Berlusconi ist die bisher grösste Bedrohung für das politische Überleben des italienischen Ministerpräsidenten und könnte ihn immerhin mehrere Jahre hinter Gitter bringen. Richtig ernst zu nehmen scheint Berlusconi dies aber nicht. Über den Prozessbeginn lacht er lieber und reagiert mit Witzen: «Ich habe Bunga Bunga als Marke patentieren lassen, damit ich es in allen Regionen Italiens benutzen kann», zitiert ihn die britische Zeitung «The Daily Telegraph». Den Namen «Bunga Bunga» gab Berlusconi den Partys, die er jeweils mit jungen Mädchen auf seinem Anwesen veranstaltete.
Bildstrecken Ruby, die HerzensbrecherinSilvio Berlusconis Humor in Ehren – den Anlass, den er sich für seinen Spruch ausgesucht hatte, sorgte bei der Opposition für Empörung. Dass Berlusconi ausgerechnet an einer Konferenz über die italienische Flüchtlings-Krise zu Scherzen aufgelegt war, brachte ihm prompt scharfen Tadel von seinen politischen Gegnern ein. Dass man zu einem Zeitpunkt Witze reisse, wo tausende Menschen aus Nordafrika fliehen, sei nicht angemessen, sagte Livia Turco von der oppositionellen Demokratischen Partei. «Diese Worte sind beschämend und unehrenhaft.» Besonders unpassend seien seine Witze, da kurz zuvor bis zu 250 Flüchtlinge vor Lampedusa ertrunken seien:«Wie kann er alles immer auf einen Witz reduzieren, während unser Land im Fokus eines dramatischen Exodus verzweifelter Menschen steht?»
Während Berlusconis Spruch über die Bunga-Bunga-Patentrechte vor allem für Empörung gesorgt hatte, versuchen andere aus dem Sex-Skandal Kapital zu schlagen. Drei Starlets verkündeten vor kurzem, das Lied «Vamonos al bunga bunga» (Lass uns ans Bunga Bunga gehen) über die Partys bei Berlusconi zu schreiben. Die Showgirls Marysthell Polanco, Aris Espinoza und Diana Gonzales aus Lateinamerika hatten regelmässig an den Veranstaltungen auf Berlusconis Anwesen teilgenommen. Laut der 25-jährigen Marysthell Polanco soll Berlusconi sogar mitgeholfen haben, das Lied zu komponieren: «Er war fantastisch.»
Prozess auf Ende Mai vertagt
Am Mittwoch war der Prozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten wegen einer Sexaffäre mit einer Minderjährigen nach nur sieben Minuten auf den 31. Mai vertagt worden. Berlusconi war am ersten Prozesstag nicht vor Gericht erschienen, da er an einem Treffen mit Kabinettsmitgliedern zur Lage Libyens teilnahm.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem 74-Jährigen vor, in 13 Fällen Sex gegen Bezahlung mit der damals 17-jährigen Marokkanerin Karima al-Mahrug, genannt «Ruby, die Herzensdiebin», gehabt und später seinen Einfluss geltend gemacht zu haben, um den Fall zu vertuschen. Berlusconi bestreitet die Vorwürfe und bezeichnet die Vorwürfe als politisch motiviert.
(ske)






















