Déjà-vu im Kongo?

21. November 2012 23:49; Akt: 22.11.2012 00:05 Print

Kongos Rebellen erhalten wieder Hilfe aus Ruanda

von Jason Straziuso, AP - Wiederholt sich die Geschichte im Ostkongo? Dort hat die Rebellengruppe M23 eine Stadt eingenommen – offenbar unterstützt von Ruanda. Zivilisten fliehen. Und erleben ein Déjà-vu.

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Am 8. Januar 2013 lässt die M23 die Waffen ruhen. Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen im rohstoffreichen Osten des riesigen afrikanischen Landes dauerten zuvor Monate an. Am 27. November kündigten die M23-Rebellen an, . Die kongolesische Armee hatte mit einem «Gegenangriff» gedroht, sollten sie es nicht tun. Am 24. November 2012 drohen die regionalen Truppen im Ostkongo mit einem Angriff, sollten sich die Rebellen nicht zurückziehen. Zwei Schweizer Offiziere der UNO-Mission MONUSCO sind im Osten des zentralafrikanischen Kongo von Bewaffneten überfallen worden. Die Rebellengruppe M23 ist im Kongo auf dem Vormarsch: Nach der Einnahme der Stadt Goma will sie das ganze Land unter ihre Kontrolle bringen. Das verkündete der Sprecher Vianney Kazarama an einer Veranstaltung in Goma. «Der Weg zur Befreiung Kongos hat begonnen», rief Vianney Kazarama in einem Stadion den versammelten Menschen in Goma zu. Mehr als 2100 Soldaten und 700 Polizisten desertierten am Mittwoch und liefen nach Angaben der Gruppe zu der M23 über. Diese Polizisten geben den Rebellen gerade ihre Waffen ab. Der Eroberung von Goma waren mehrtägige Kämpfe zwischen den Rebellen und von UNO-Truppen unterstützten kongolesischen Soldaten vorausgegangen. Dabei wurden laut lokalen Medienberichten mehrere Soldaten getötet und etwa 80 Soldaten verwundet. Die kongolesische Armee wurde zurückgeschlagen. Hier sieht man ein von den Soldaten verlassener Panzer in Goma, das sich jetzt in Rebellenhand befindet. Dieser Truck der kongolesischen Armee ist bei Kämpfen mit den Rebellen komplett ausgebrannt. Jetzt dient er Kindern als Spielplatz. Am 19. November eskalierten die Kämpfe zwischen der Armee und den Rebellen in Goma - diese Zivilisten flüchten vor den Feuergefechten in der Nähe des Flughafens.

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Die blutigen Kämpfe in den 1990er Jahren hatten ihre Wurzeln in Ruandas ethnisch motiviertem Völkermord. Jetzt geht es um Wohlstand. Die UNO hat ihre Blauhelme bislang aus dem Konflikt in Ostkongo herausgehalten.

Im rohstoffreichen Kongo sind Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt und Wolfram zu finden. In der Provinzhauptstadt Goma, die am Dienstag von den Aufständischen übernommen wurde, werden die Mineralien und andere Bodenschätze etwa für Smartphones und Laptops verarbeitet.

Ruanda dementiert zwar, die M-23-Rebellen im Kongo zu unterstützen, doch UNO-Experten kommen zu dem Schluss, dass Ruanda und auch Uganda den Rebellen mit Waffen und Geld helfen.

Viele der M-23-Kommandanten seien früher in der Rebellengruppe CNDP aktiv gewesen, die 2007 und 2008 Rückhalt aus dem Nachbarland erhielt. «Ich erlebe gerade ein Déjà-vu», sagt Carina Tertsakian von der Menschenrechtsgruppe Human Rights Watch.

Experten sehen deutliche Parallelen zur Vergangenheit

Bei jedem der Konflikte «haben die Streitkräfte Ruandas aktiv und massgeblich die kongolesischen Rebellengruppen unterstützt, die extrem gewalttätig vorgegangen sind und sehr schwere Verbrechen gegen Zivilisten begangen haben», sagt Tertsakian. Das grenzübergreifende Bündnis wolle die Kontrolle übernehmen, um die Bodenschätze unter sich zu verteilen.

Ein weiterer Grund für die ungewöhnliche Koalition könnte im Platzmangel Ruandas liegen. Die zehn Millionen Einwohner leben wesentlich enger gedrängt als die 60 Millionen Kongolesen. Viele Beobachter werfen dem Westen vor, die Augen vor der Rolle Ruandas zu verschliessen, um von 1994 abzulenken, als nichts unternommen wurde, um den Völkermord zu verhindern.

Amnesty International dokumentierte schon im Sommer Menschenrechtsverletzungen und Fälle, in denen die M-23 Waffen und Rekruten aus Ruanda einsetzte. Eine Analyse von UNO-Experten, die am Freitag veröffentlicht werden soll, hat schon dazu geführt, dass die USA ihre Militärhilfe für Ruanda ausgesetzt hat. Mehrere europäische Länder stoppten alsbald ihre humanitäre Hilfen.

Die Nichtregierungsorganisation International Crisis Group (ICG) rief am Dienstag UNO, USA, EU, Grossbritannien und Frankreich dazu auf, die Führung der M-23 und deren Unterstützer mit Sanktionen zu belegen. «Die vergangene Woche hat gezeigt, dass die Geschichte sich im Ostkongo wiederholt, mit denselben tragischen Folgen für Zivilisten in der Region», hiess es in der Stellungnahme der ICG.

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