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Zwölf Explosionen
22. Dezember 2011 09:17; Akt: 22.12.2011 22:05 Print
57 Tote bei Anschlagsserie
Die irakische Hauptstadt Bagdad wurde von mehreren schweren Bombenexplosionen erschüttert. Mindestens 57 Menschen wurden getötet. Es sind die schwersten Anschläge seit Abzug der US-Truppen.

Bei einer Anschlagsserie in Bagdad wurden fast 50 Menschen getötet. (Bild: Keystone)
Nur Tage nach dem Abzug der letzten US-Truppen aus dem Irak hat eine Anschlagsserie die Hauptstadt Bagdad erschüttert. Dutzende Menschen kamen ums Leben, als über ein Dutzend Bomben in zahlreichen Stadtteilen explodierten. Fast 200 Menschen wurden verletzt. Das Gesundheitsministerium gab die Zahl der Getöteten mit mindestens 57 an, ein Beamter des Innenministerium sprach von 63 Toten. Von den verschiedenen lokalen Behörden an den Anschlagsorten wurden mindestens 70 Tote gemeldet.
Die USA verurteilten die Anschlagsserie in Bagdad scharf. Regierungssprecher Jay Carney sagte aber, die Anschläge könnten die Fortschritte im Irak nicht aufhalten. Die irakischen Sicherheitskräfte seien in der Lage, mit der Situation fertig zu werden. Das Volk werde sich allen Spaltungsversuchen zur Wehr setzen.
Die Bomben explodierten am Donnerstag in Stadtteilen, in denen sowohl Schiiten und Sunniten als auch Christen leben. Explosionen wurden aus Allawi, Bab al-Muatham und Karrada im Zentrum sowie aus Adhamija, Schuala und Schaab im Norden gemeldet. Auch in den südlichen Teilen Al-Amil, Dura und Dschadrija sowie im westlichen Teil Ghasalija explodierten Bomben.
Bombe in Ambulanz versteckt
Die schwerste Explosion ereignete sich in Karrada. Zwischen 15 und 25 Menschen starben. Dort entzündete gemäss Polizeiangaben ein Selbstmordattentäter vor der Anti-Korruptionsbehörde eine in einer Ambulanz versteckte Bombe. Die anderen Bomben richteten sich gegen Zivilisten.
Es waren die schwersten Anschläge seit Mitte August, als an einem Tag bei verschiedenen Attentaten 74 Menschen getötet wurden. Zu den Attentaten vom Donnerstag bekannte niemand.
Einige vermuteten hinter den aufeinander abgestimmten Anschlägen die sunnitische Terrororganisation Al-Kaida. Die politischen Führer der Schiiten und Sunniten schoben sich gegenseitig die Verantwortung für das Blutbad zu.
Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten wachsen
Der Irak erlebt derzeit eine schwere politische Krise. Zuletzt hatte der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki mit der Entlassung aller sunnitischen Minister aus der Regierung gedroht. Diese boykottieren die Kabinettssitzungen. Der sunnitische Parteienblock Irakija setzte am Samstag auch seine Arbeit im Parlament aus.
Zuvor hatte die Justiz Haftbefehl gegen den sunnitischen Vizepräsidenten Tarek al-Haschemi erlassen. Haschemi setzte sich am Sonntag in den von den Kurden kontrollierten Nordirak ab.
Im Staatsfernsehen wurden diese Woche «Geständnisse» gegenüber der Justiz von drei seiner Leibwächter gezeigt. Diese gaben an, Haschemi habe ihnen Befehle für Terroranschläge erteilt. Haschemi weist die Vorwürfe als erfunden und politisch motiviert zurück.
Kampf um die Macht
Der höchste sunnitische Politiker im Irak gilt als scharfer Kritiker und Rivale Malikis. Er wirft Maliki vor, eine Alleinherrschaft anzustreben. Maliki versucht auch seinen sunnitischen Stellvertreter Saleh al- Mutlak loszuwerden. Er bat diese Woche das Parlament, Mutlak zu entlassen. Dieser hatte Maliki in die Nähe des früheren Diktators Saddam Hussein gestellt.
Der Streit hat die Furcht vor einem Wiederaufflammen der religiös motivierten Gewalt zunehmen lassen. 2006/2007 war der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten zu einem Bürgerkrieg eskaliert. Die Sunniten, die unter Saddam Hussein die Bevölkerungsmehrheit der Schiiten unterdrückten, werden seit dessen Sturz an den Rand gedrängt. Nach dem Abzug der um Ausgleich zwischen den Bevölkerungsgruppen bemühten Amerikaner müssen sie um ihren letzten Einfluss fürchten.
«Verlierer ist das Volk»
Die irakische Regierung war erst vor rund einem Jahr gebildet worden - nach monatelangen Verhandlungen zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden. Am Wochenende hatten die letzten US-Truppen das Land verlassen. Sie waren 2003 einmarschiert, um Saddam Hussein zu stürzen.
Maliki rief am Donnerstag die Sicherheitskräfte zu Wachsamkeit auf. Zugleich bezichtigte er indirekt seine politischen Gegner, hinter den Attacken zu stecken. Der Provinzrat von Kirkuk erklärte dagegen: «Die Explosionen von Bagdad sind die Folge des Konfliktes der politischen Fraktionen; der einzige Verlierer ist das irakische Volk.»
(sda)
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Alle 16 Kommentare

























Unglaublich....
Dieser religiöse Fanatismus in diesen Ländern ist ein riesen Problem. Schade dass man nun die zumindest teilweise gewonnene Stablilität wieder durch Anschläge zunichte machen muss. Selbiges würde wohl auch im Kosovo passieren, würde man die KFOR abziehen.
Bürgerkrieg
Der bürgerkrieg wird lanciert
Und jetzt!?
Die Amis sind weg! Wer soll jetzt als Suendenbock fuer das taegliche Abschlachten unterinander im Irak dienen!? Vermutlich wieder jemand aus dem Westen, die eigenen Mullahs, al al's etc., welche diese Toetungen organisieren und durchfuehren, laesst man in Ruhe! Das ist Traurig, vor allem fuer die Zukunft der Kinder, welche schon in den jungen Jahren dazu erzogen werden zu Hassen, zu Toeten und als sogenannte Maertyrer zu sterben! Die Mullahs leben hingegen in fuerstlichen Anwesen, in Harems und ohne jeglichen Bezug zur Realitaet der einfachen Menschen, ihrer Landsleute!