Obama und Xi

08. Juni 2013 04:34; Akt: 08.06.2013 22:12 Print

Der Gipfel der Beziehungspflege

US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Xi Jinping wollen frischen Wind in die Beziehungen zwischen beiden Ländern bringen. Dazu entledigten sie sich erst mal der Krawatte.

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Zum Auftakt des zweitägigen Treffens mit dem chinesischen Staatschef Xi Jinping hat US-Präsident Barack Obama das Thema Cyberspionage in den Mittelpunkt gerückt. Dabei zeigten sich die beiden Präsidenten am Freitagabend (Ortszeit) in Kalifornien versöhnlich. Er und Xi seien sich einig, dass in dieser heiklen Frage gemeinsame Regeln nötig seien, sagte Obama nach einem ersten Gespräch mit Xi.

«Als zwei der grössten Wirtschafts- und Militärmächte der Welt ist es wichtig, dass China und die Vereinigten Staaten zu einer Übereinkunft kommen, wie wir in diesen Themen zusammenarbeiten», sagte Obama vor Journalisten. US-Behörden hatten Hackern aus China jüngst vorgeworfen, gezielt Informationen und Technologien aus den USA zu stehlen.

Allerdings ist die Position des Präsidenten in der Debatte angeschlagen. Denn laut Medienberichten lässt die US-Regierung selbst flächendeckend Nutzer von Internet-Diensten wie Google, Apple und Facebook ausspionieren. Obama bezeichnete die Überwachung daraufhin als wichtig für die Terrorbekämpfung.

Xi, der seit März chinesischer Staatschef ist, sagte: «Chinas Regierung setzt sich sehr für Cybersicherheit ein.» Neue Technologien seien ein Motor für Entwicklung. Gleichzeitig müssten sie auch reguliert werden.

«Wir müssen diesem Thema grosse Aufmerksamkeit schenken.» Beide Seiten hätten eine Menge gemeinsamer Interessen, von der Förderung des heimischen und globalen Wirtschaftswachstums bis hin zur Bewältigung internationaler und regionaler Krisen, sagte Xi.

Chinas Aufstieg im Interesse Amerikas

Obama versicherte, dass die USA den «steten friedlichen Aufstieg Chinas zu einer Weltmacht» begrüssten. «Tatsächlich liegt es im Interesse der Vereinigten Staaten, dass China auf seinem Weg zum Erfolg weiter vorankommt», sagte Obama. Ein stabiles China in Wohlstand sei gut für die gesamte Welt.

Obama äusserte sich auch zu Menschenrechten. «Die Geschichte zeigt, dass die Verteidigung universeller Rechte am Ende der Schlüssel zu Erfolg, Wohlstand und Gerechtigkeit ist», sagte er. China werden eine Vielzahl von Menschenrechtsverstössen zur Last gelegt.

Mehrere hundert Regierungskritiker der chinesischen Bewegung Falun Gong demonstrierten gegen Xi. Sie trotzten bei einer Kundgebung Temperaturen von mehr als 40 Grad.

Ohne Krawatte

Die beiden Präsidenten trafen sich auf dem abgeschiedenen Anwesen Sunnylands des gestorbenen Medienmoguls und Kunstmäzens Walter Annenberg in Rancho Mirage. Der informelle Charakter soll es nach Einschätzung von Experten Obama und Xi erleichtern, eine persönliche Beziehung zu einander aufzubauen. Das sei auch das Hauptziel der Begegnung.

So traten Obama und Xi zwar im Anzug, aber ohne Krawatte auf, und die Begegnung begann vor laufenden Kameras mit einem freundschaftlichen Händedruck. Obama wies aber zum Auftakt des Treffens vor Journalisten auch darauf hin, dass es «Bereiche von Spannungen» zwischen beiden Ländern gebe. «Aber es liegt sehr in unserem Interesse, dass wir zusammenarbeiten», sagte der US-Präsident.

Er räumte ein, dass sich die beiden grössten Volkswirtschaften der Welt naturgemäss in einem Wettbewerb befänden - und mahnte zugleich an, dass sich Nationen an dieselben Regeln halten müssten. Die USA werfen China seit langem vor, sich im Handel unfaire Vorteile zu verschaffen.

Neustart der Beziehungen

Das Treffen auf dem Luxusanwesen gut 200 Kilometer östlich von Los Angeles ist das erste der beiden Präsidenten, seitdem Xi im März sein Amt übernahm. Es soll zu einem Neustart der in der Vergangenheit meist schwierigen diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen werden.

Im Kampf gegen den Klimawandel wollen die USA und China mehr gemeinsame Anstrengungen unternehmen. Darauf einigten sich US-Präsident Barack Obama und der neue chinesische Staatschef Xi Jingping am Samstag in Rancho Mirage. Beide Seiten verpflichteten sich insbesondere, den Ausstoss des Treibhausgases HFC (Fluorkohlenwasserstoff) zu verringern, wie es in einer gemeinsamen Erklärung hiess.

Die Staatschefs der beiden grössten Volkswirtschaften der Welt dürften neben Wirtschaftsfragen unter anderem auch über den Konflikt um Nordkoreas Atomprogramm und die US-Militärpräsenz im Pazifikraum sprechen.

(bem/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oh Bama am 09.06.2013 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Süss

    Ein Besuch des amerikanischen Leibeigenen beim Boss...herzig!

  • coolman am 08.06.2013 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    china und russland

    wenns drauf an kommt wird china zu russland stehen und nicht zum westen. der reichste kontinent wäre afrika aber der wird nur zur ressourcengewinnung genutzt. vermutlich sähe eine NWO vom osten besser aus als die westliche...

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  • Etienne Rainer am 08.06.2013 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrechte und China ?

    Ja China und die Menschenrechte ! Tibet! Obama und der Westen sollten die wirtschaftlichen Interessen hinter diese Frage stellen! Die Arbeits-und Menschenrechte sind verheerend in China, aber Hauptsache wir können uns mit billiger Ware eindecken.... Wir dürfen nicht aufhören mit einem kritischen Blick nach China zu schauen, aber nicht ohne dabei zu vergessen, dass wir auch auf unserem Kontinent, der Menschlichkeit zu ihrem Recht verhelfen müssen!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Oh Bama am 09.06.2013 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Süss

    Ein Besuch des amerikanischen Leibeigenen beim Boss...herzig!

  • Etienne Rainer am 08.06.2013 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschenrechte und China ?

    Ja China und die Menschenrechte ! Tibet! Obama und der Westen sollten die wirtschaftlichen Interessen hinter diese Frage stellen! Die Arbeits-und Menschenrechte sind verheerend in China, aber Hauptsache wir können uns mit billiger Ware eindecken.... Wir dürfen nicht aufhören mit einem kritischen Blick nach China zu schauen, aber nicht ohne dabei zu vergessen, dass wir auch auf unserem Kontinent, der Menschlichkeit zu ihrem Recht verhelfen müssen!

    • Hans S. am 08.06.2013 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wunschdenken

      Im Westen steht immer der wirtschaftliche Nutzen im Vordergrund, erst später Menschenrechte!

    • Peter am 08.06.2013 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      Ja Wunschdenken

      Ja, das Böse steckt im Schafspelz

    • chinese in switzenland am 08.06.2013 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Die Wahrheit

      Sie haben keine Ahnung von chinesische Menschrecht oder? Weil die schweizerische Journalist schreiben nur die negative Nachricht von China. Und ich kann Ihnen sagen, Dalai Lama sei kein gute Person, er kümmert sich nur auf Geld. Ich empfele Ihnen einmal nach Tibet reisen, dann werden Sie alles sehen.

    • Shengjialunren am 08.06.2013 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      @chinese in switzerland

      Sie haben absolut recht. Die Berichterstattung über China ist in der Schweiz sehr einseitig. Ich liebe ihr Land sehr und empfinde Chinesen als sehr angenehme Gesprächspartner, aber es gibt natürlich auch Schattenseiten des Wirtschaftsbooms (wie allerdings im Europa des 19. Jahrhunderts bis heute auch). Die Luftqualität in Peking, die Deforestation, die Lebensmittelskandale, etc. Chinesen haben ein Recht auf ein gutes Leben und Fairness am Arbeitsplatz wie alle Menschen auch. Chinesen wollen allerdings nun auch politisch mitreden, dass sieht man bei weibo, etc. Gut so!

    • reto am 08.06.2013 18:45 Report Diesen Beitrag melden

      reisen nach tibet

      ja reisen sie nach tibet, auch wenn sie im moment gar nicht können da die chinesische regierung tibet mal wieder abgeriegelt hat wahrscheinlich weil in tibet alle so frei sind und das leben dort ein zuckerschlecken ist

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  • coolman am 08.06.2013 07:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    china und russland

    wenns drauf an kommt wird china zu russland stehen und nicht zum westen. der reichste kontinent wäre afrika aber der wird nur zur ressourcengewinnung genutzt. vermutlich sähe eine NWO vom osten besser aus als die westliche...

    • Marcus Ballmer am 08.06.2013 09:43 Report Diesen Beitrag melden

      Russland?

      Warum soll China zu Russland stehen? Irgendeine nachvollziehbare Begründung dafür?

    • Beni am 08.06.2013 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      @Ballmer

      Symbol der Eigenständigkeit und immer noch ein wenig Ostblocknostalgie. China wollte nie Marionette des Westens werden. In China und Russland wird es nie einen US Stützpunkt / Army Base geben. Hingegen ist Europa von Jugoslawien bis nach Deutschland mit US Basen übersät

    • VomhohenRossrunterholer am 08.06.2013 17:06 Report Diesen Beitrag melden

      Russen und Chinesen?

      Die Chinesen hatten seit Chruschtschow kein gutes Verhältnis zu den ehemaligen Sowjets und es gab sogar Auseinandersetzungen an den Grenzen. China sieht sich als Reich der Mitte und würde sich nie bei Russland anbiedern. Die Chinesen stehen zu dem, der ihre Interessen vertritt, machen Sie sich da keine Illusionen. Wenn man mit chinesischen Teenies redet, schauen die sicher nicht zu Russland auf. Die spielen Basketball und verfolgen die NBA, tragen Spongebob-Shirts, gehen im Kentucky Fried Chicken essen und büffeln englische Vokabeln. Das ist die Realität. Sie nennt sich "soft power".

    • F.G. am 08.06.2013 21:32 Report Diesen Beitrag melden

      USA hat weder

      USA hat weder gegen Russland noch China je einen Krieg geführt. Die beiden untereinander jedoch schon.

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