Vorwahl in Iowa

04. Januar 2012 10:48; Akt: 04.01.2012 10:57 Print

Ein zwiespältiger Sieg für Mitt Romney

von Martin Suter - Iowa hat die Entscheidung über Barack Obamas Herausforderer an die nächsten Vorwahlen delegiert - eine schlechte und eine gute Nachricht für Sieger Mitt Romney.

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Mitt Romney hat sich bei den Vorwahlen in Iowa durchgesetzt - allerdings nur knapp. Das Rennen um die republikanische Nomination bleibt somit spannend. (Bild: AFP/Win Mcnamee)

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Wer von Iowa eine Wende im langwierigen Auswahlverfahren des republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahlen erwartet hatte, sah sich am Dienstag getäuscht. An den 1784 Parteiversammlungen in dem landwirtschaftlich geprägten Gliedstaat des amerikanischen Mittelwestens wurde einzig ein Duo der chancenreichsten Anwärter erkoren, mehr nicht.

An den sogenannten «Caucuses» erhielten zwei Spitzenreiter rund 25 Prozent der Stimmen und ein Dritter mit 21 Prozent fast gleich viele. Mitt Romney, der frühere Geschäftsmann und Gouverneur von Massachusetts, hat sich hauchdünn gegen Ex-Senator Rick Santorum aus Pennsylvania durchgesetzt. Der libertäre Kongressabgeordnete Ron Paul wird Dritter.

Trotz seiner knappen Niederlage war Santorum klar die grosse Überraschung in dieser ersten Runde der Ausmarchungen. Der sozial konservative Katholik dümpelte noch zwei Wochen zuvor in den Umfragen mit tiefen einstelligen Prozentzahlen ziemlich am Schluss des sechsköpfigen Felds chancenreicher Anwärter. In Interviews kokettierte er mit einem Ausstieg aus dem Rennen. Doch dann begann sich auszuzahlen, dass er mit seinem Pickup-Truck seit Monaten den ganzen Gliedstaat bereist hatte und 381 Mal an Wahlkampfanlässen aufgetreten war. So wurde er zunehmend als authentischer Kandidat wahrgenommen.

Anti-Romney oder eigenständiger Kandidat?

«Rick Santorum hat jetzt nationale Berühmtheit erlangt», sagte David Yepsen, ein langjähriger Beobachter der politischen Szene in Iowa. «Und er tat es auf die gleiche Weise wie Jimmy Carter: indem er von einem Restaurant zum anderen zog.» Yepsen glaubt, dass Santorum nun für die folgenden Primärwahlen in New Hampshire am nächsten Dienstag und vor allem am 21. Januar im konservativen South Carolina einen kräftigen Schub erhalten wird. Dem bisher finanziell Klammsten unter den Kandidaten würden nun auch Geldgeber unter die Arme greifen, so dass er besser gerüstet in den zunehmend medialen Primärwahlkampf der nächsten Wochen steigen kann.

Offen ist indes die Frage, ob Santorum künftig die Rolle des Anti-Romney überzeugend spielen kann. Analysten waren am «Caucus»-Abend geteilter Meinung. Die einen glaubten, Santorum habe mit seiner seriösen Kampagne eine wachsende Zahl der genau hinschauenden Iowa-Wähler überzeugen können. Der linke Ed Schulz meinte auf dem TV-Kanal MSNBC, als Wahlkämpfer sei «Santorum so gut wie Obama». Andere vermuteten, der Ex-Senator sei einfach als Letzter in der Reihe von «Nicht-Romneys» hochgespült worden und habe seine kritische Prüfung noch vor sich. Als Sieger in Iowa werde er nun die Aufmerksamkeit der Rivalen - und entsprechende negative TV-Spots - auf sich ziehen.

Mitt Romney plafoniert

Für Mitt Romney ist es ein zwiespältiger Sieg. Trotz seines dicken Geldbeutels und seiner aufwändigen Organisation wäre er beinahe von einem «Nobody» überrundet worden. Zudem hat Romney, der schon 2008 in Iowa angetreten war, sein damaliges Ergebnis von 25 Prozent nicht übertreffen können. Für Bill Kristol, den neokonservativen Chefredaktor der Zeitschrift «Weekly Standard», ist dieser Stillstand ein Rückschritt: «Der Mythos von der Unausweichlichkeit eines Siegs von Mitt Romney ist widerlegt.»

Was die Arithmetik angeht, kann Romney allerdings mit dem Ergebnis von Iowa zufrieden sein. «Taktisch war es eine gute Nacht», glaubt der einflussreiche Kommentator Charles Krauthammer von der «Washington Post» und von Fox News. Romney geniesse nämlich weiterhin den Luxus, von zwei Rivalen herausgefordert zu werden, sagte Krauthammer. «Er wird weiterhin eine gespaltene und deshalb geschwächte Opposition gegen sich haben.»

Ron Paul, obwohl drittplatziert, wird den Kampf nämlich nicht vor dem Sommer aufgeben. Der radikal-libertäre Kandidat verfügt über eine willige Anhängerschaft, die für ihn Geld sammelt und eine schlagkräftige Organisation unterhält. Der Konsens der Analytiker, wonach Paul die Nomination unmöglich gewinnen könne, wurde am Dienstag nicht in Frage gestellt - auch nicht von Paul selbst. Befragt, ob er damit rechne, nominiert zu werden, sagte er im Vorfeld der Parteiversammlungen: «Nicht wirklich. Aber dieses Risiko gehe ich ein.»

Gingrich, Perry und Bachmann enttäuschen

Enttäuschender war das Ergebnis für die verbleibenden vier Kandidaten. Laut dem Politkenner Yepsen sind die Sieger in Iowa zwar nicht immer, wie zum Beispiel Barack Obama, nachher nominiert worden. Aber nie hat jemand den Zuschlag erhalten, der in Iowa nicht zumindest zu den Top 3 zählte.

Newt Gingrich, den ehemaligen Vorsitzenden des Repräsentantenhauses, trennen elf Prozentpunkte vom Sieger. Bei seiner Rede am späten Abend wirkte Gingrich verärgert und frustriert. Noch vor kurzem lag er in den Umfragen in Führung. Er machte die massive Negativkampagne Mitt Romneys für seine Niederlage verantwortlich. Ans Ausscheiden denke er jedoch nicht, sagte er. Um dies zu unterstreichen, schaltete er für den Mittwoch ein ganzseitiges Inserat in der grössten Zeitung New Hampshires.

Bitterer ist die Bilanz für den fünftplatzierten Gouverneur Rick Perry aus Texas, der bloss den Zuspruch von elf Prozent der «Caucus»-Teilnehmer erhielt. Perry erklärte, er werde nach Texas zurückkehren und sich überlegen, ob es für ihn einen Weg zur Nomination gebe. Ans Ausscheiden dürfte auch die mit fünf Prozent weit abgeschlagene Abgeordnete Michele Bachmann aus Minnesota denken, obwohl sie das am Dienstag nicht ankündigte.

Möglicherweise erst in Florida Gewissheit

Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf den Ostküstenstaat New Hampshire, wo Romney bisher einen grossen Vorsprung auf alle Konkurrenten genoss. Er wird alles unternehmen, um diesen Vorteil gegen den auftrumpfenden Santorum zu verteidigen. Für wen sich die Partei mehrheitlich entscheidet, wird aber frühestens an den Ergebnissen von South Carolina oder womöglich erst Ende Monat in Florida abzulesen sein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • igor am 04.01.2012 11:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    konservativer katholik

    liebes 20 min team, was ist ein konservativer katholik? ist das was negatives?

    • Sausi am 04.01.2012 12:35 Report Diesen Beitrag melden

      maybe?

      Ich denke ein konservatir Katholik richtet sich eng ans Weltbild des Christentums, sprich keine Homo - Ehen und dergleichen. Weniger Weltoffen als normale Katholiken.

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