Proteste in Hongkong

01. Oktober 2014 03:03; Akt: 01.10.2014 04:49 Print

Chinesische Hacker attackieren iPhones

Die Mobiltelefone der Demonstranten in Hongkong werden gezielt angegriffen. Es ist der bislang wohl raffinierteste Angriff auf Apple-Geräte.

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Das Sicherheitsunternehmen Lacoon Mobile Security berichtete am Dienstag von einem Trojaner mit dem Namen «Xsser». Damit greifen die Hacker gezielt die Demonstranten in Hongkong an.

Das Programm richte sich gegen Handys und Tablet-Computer mit dem Apple-Betriebssystem iOS. Die Angreifer seien damit in der Lage, Daten wie SMS, Fotos und Passwörter zu stehlen.

Eine ebenfalls wohl gegen die Demonstranten gerichtete, ähnliche Software für Googles Android-Geräte sei vergangene Woche entdeckt worden. Da im Programmcode Chinesisch zu finden sei, gehe man von Angreifer mit Sitz in China aus.

iOS-Geräte statt PCs

Lacoon-Chef Michael Shaulov sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es handle sich um den bislang raffiniertesten Angriff dieser Art auf Apples Handy-Betriebssystem. «Das ist der erste klare Hinweis, dass die wirklich fähigen Leute sich jetzt iOS-Geräte vornehmen statt PCs oder Laptops zu infizieren», sagte er.

Mit Xsser werde auch erstmals ein iOS-Trojaner eingesetzt, der offenbar seinen Ursprung irgendwo in China habe. In Hongkong fordern Zehntausende Demonstranten seit Tagen mehr Demokratie.

Proteste überschatten Nationalfeiertag

Die Proteste in Hongkong haben am Mittwoch die Feiern zum chinesischen Nationalfeiertag überschattet. Tausende hatten über Nacht dem Regen in Chinas Sonderverwaltungsregion getrotzt und die Demonstrationen auf einen weiteren Geschäftsbezirk ausgedehnt.

Mit einem Schweigeprotest begleiteten die prodemokratischen Demonstranten am Morgen die offizielle Flaggenzeremonie zum Nationalfeiertag, während Regierungschef Leung Chun-ying bei einem Empfang mit Ehrengästen mit Sektgläsern auf den Feiertag anstiess.

Demonstrativ wandten Studentenführer Joshua Wong und andere Aktivisten der traditionellen Zeremonie den Rücken zu, als die chinesische und Hongkonger Flagge gehisst wurden. Sie hielten schweigend die Hände über Kopf gekreuzt.

Merkel «soll Proteste unterstützen»

Die Chefin der Hongkonger Demokratie-Partei, Emily Lau, forderte unterdessen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, die Proteste zu unterstützen. Auf ihre Wort höre Peking, sagte Lau der «Bild«-Zeitung vom Mittwoch. Dass die Zentralregierung militärisch eingreift, um die Demonstrationen zu stoppen, glaubt sie nicht: «Das kann sich das Regime nicht leisten. Wenn Peking Panzer schickt, dann bricht Hongkong zusammen», sagte sie dem Blatt.

Der britische Premierminister David Cameron will den chinesischen Botschafter in London einbestellen. Zwar sei es nicht an Grossbritannien, sich in jedes i-Tüpfelchen der Pläne Pekings einzumischen, sagte Cameron am Dienstag. Doch sei es wichtig, dass die Bürger von Hongkong ein echtes Recht darauf hätten, ihren Regierungschef zu bestimmen.

(num/sda)