Protestaktion

20. Oktober 2017 10:30; Akt: 20.10.2017 15:18 Print

Katalanische Separatisten stürmen Bancomaten

Zwischen acht und neun Uhr morgens sollten die Katalanen Geld abheben. Viele sind dem Aufruf gefolgt und machen so Druck auf Banken.

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Heute Morgen haben sich in Katalonien vor einzelnen Bankomaten erste Schlangen gebildet. Die zwei wichtigsten separatistischen NGOs Kataloniens, die Assemblea Nacional Catalana (ANC) und Òmnium Cultural, haben ihre Anhänger dazu aufgerufen, aus Protest gegen die Zentralregierung in Madrid ihr Geld abzuheben.

Die Separatisten haben es im Speziellen auf Banco Sabadell und La Caixa abgesehen, die im Rahmen der sich zuspitzenden Krise ihren Hauptsitz nach Valencia und Madrid verlagert haben.

Katalonien: Geld abheben als Protest gegen Madrid (Video: Tamedia/AFP)

Mit der Aktion soll letztendlich politischer Druck aufgebaut werden. Sogenannte «Bank Runs» können bei Banken Liquiditätsengpässe kreieren und sie so in Schwierigkeiten bringen. In ihrer Erklärung schrieb Òmnium, es sei «an der Zeit, zu zeigen, dass unsere Kraft von jedem Einzelnen von uns abhängt und dass die Summe von kleinen individuellen Gesten alles verändern kann».

Symbolische Beträge

«Das ist eine Art des Protests», sagte die 42-jährige Anwältin Roser Cobos, die am Morgen in Barcelona 1714 Euro abhob. Den Betrag wählte sie in Anlehnung an den 11. September 1714, der in Katalonien seit einigen Jahren als «Nationalfeiertag» begangen wird. Damals hatten spanische und französische Truppen während des Spanischen Erbfolgekrieges Barcelona erobert.

Der 58-jährige Verleger Joaquim Curbet entschied sich dafür, 155 Euro abzuheben – und bezog sich damit auf den Artikel 155 der spanischen Verfassung, den die Regierung in Madrid im Ringen mit der katalanischen Regionalregierung heranziehen will, um die Autonomierechte der Region zu beschneiden.

Aktion soll auch Brüssel beeindrucken

Einige Separatisten verstehen die Geldabhebe-Aktion auch als Fingerzeig nach Brüssel. Die EU steht hinter der Zentralregierung und lehnt eine Einmischung in dem Streit ab. Eine Frau richtet sich über Twitter an die EU-Kommission: «Wenn wir eure Herzen nicht erreichen, dann halt das Portemonnaie.»

Mit der Aktion wollen die beiden Organisationen gegen die Inhaftierung der Präsidenten der beiden Organisationen, Jordi Sànchez (ANC) und Jordi Cuixart (Omnium), und gegen die Firmenflucht protestieren sowie den Willen zur Gründung eines eigenen Staates bekräftigen.

In ihrem Unabhängigkeitsbestreben argumentieren viele Katalanen damit, dass sie von der Zentralregierung in Finanzfragen ungerecht behandelt werden. Katalonien erwirtschaftet rund ein Fünftel des spanischen Bruttoinlandprodukts.

Streit eskaliert

Der Konflikt zwischen Barcelona und der Zentralregierung hatte sich am Donnerstag drastisch zugespitzt. Nachdem Regionalpräsident Carles Puigdemont ein Ultimatum des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zur Beendigung aller Unabhängigkeitsbestrebungen zurückgewiesen hatte, kündigte Madrid Zwangsmassnahmen gegen die Separatisten an. Ein Ministerrat soll am Samstag in Madrid über diese Massnahmen beraten.

Bei einem von der spanischen Zentralregierung und Justiz als rechtswidrig eingestuften Referendum hatten sich am 1. Oktober 90 Prozent der Teilnehmer für eine Unabhängigkeit Kataloniens ausgesprochen. Die Wahlbeteiligung lag allerdings bei lediglich 43 Prozent.

(mch/rub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • locusto am 20.10.2017 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viva catalunya

    Etwas, das die Schweizer leider als selbstverständlich sehen, ist dass man auch eine Demokratie nicht ohne die Minderheiten führen kann. Die Mehrheit zu sein ist schön, aber man darf nie die Minderheiten vernachlässigen. Es braucht jeden einzelnen in einem Staat.

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  • bozz am 20.10.2017 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Genau so!

    Dies sollte weltweit so gehen, nehmt alle euer Geld von der Bank und geht nicht mehr arbeiten (sofern ihr kein für anderen überlebensnotwendigen Beruf habt) für einige Tage. Dann will ich die Reichen und die Politiker sehen wie sie angsterfüllt alles verlieren und nur noch ihr empathieloses Ich übrig bleibt.

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  • Didi Weidmann am 20.10.2017 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Bargeld abheben macht Sinn!

    Ich kann den Katalanen angesichts des nun drohenden Kriegs mit Spanien sowie so nur raten, all ihr Geld bei den Banken abzuheben (gibt ja sowieso kaum noch Zins) und in bar zu lagern. Der Sparstrumpf ist in solchen Zeiten sicherer als die Bank! Ebenso ist es sinnvoll einen Notvorrat anzulegen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fernando am 01.11.2017 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kein echter Katalane

    Die Grossmutter von Puidgemont war aus Andalusien .

  • pedro am 24.10.2017 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gerechtigkeit

    wie würden sie das finden...? die katalanen wollten eigentlich nur gleiches Recht für alle!!! ein Beispiel wie würden sie das finden wenn sie im Kanton Zürich das zehnfachen an die änderen Kantone abliefern würden aber die zuger weil die Regierung Angst hat vor denen nur einen Bruchteil...in Zürich Autobahn Gebühren verlangt wird und in Kanton Bern nicht...die MwSt nur 45% da bleibt aber in anderen Kanton nicht...sie in Andalusien nach 29Tagen arbeitslose Geld kriegen und un Katalonien nach 1 Jahr!!!sie das seit 10 Jahren thematisieren im Parlament aber alle nur sagen "ihr habt ja Geld" aus diesen Sachen ist die Abspaltungs idee entstanden ..wäre froh wenn mir das jemand erklären würde

    • Javier am 01.11.2017 13:37 Report Diesen Beitrag melden

      Kein vergleich

      Man kann die Schweiz nicht mit Spanien vergleichen Informieren Sie im voraus lieber bevor man drauf los redet. Man gibt den Katalanen die Hand und Sie wollen den ganzen Arm. Egal was ist es ist immer zu wenig und man will mehr. Gesetze sind ein Tabu für die Katalanen. Andere halten sich wenigstens daran.

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  • Franciso Muller, Cadiz/Basel am 23.10.2017 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Adelante!

    Sodeli so! Langsam aber sicher läuft die Zeit Naivling Puigdemont in Barcelona davon. Seine Verhaftung steht kurz bevor, mit der Anklage Hochverrat und Aufruf zur Rebellion. In SP ist ein Strafmass für dieses Delikt bis zu 25 Jahre möglich! E viva il rey y Espagna!

    • pedro am 24.10.2017 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franciso Muller, Cadiz/Basel

      hört jetzt mindestends jemand ihnen zu...glaube sie nicht ...Gewalt ist nicht die Lösung

    • Francisco Garcia am 26.10.2017 22:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Franciso Muller, Cadiz/Basel

      Puigdemont liebt Katalonien nicht. Er will sich in ein Abgrund stürzen und möglichst viele mit in den Abgrund reissen. Schade um das geliebte Katalonien.

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  • B. Kerzenmacher am 22.10.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Eine...

    erneute Wahl dürfte der letzte Weg sein um wieder in den politischen Diskurs zu kommen. Die Regierung der Katalanen hat zuletzt so getan, als würde man im Namen aller Bürger sprechen. Das ist in diesem Fall nicht so und das wissen auch alle. Solch eine Regierung hat sich eigentlich bereits disqualifiziert. Wenn die Katalanen diesen Kurs weiterfahren wollen, haben sie nun die Chance, in einer der Verfassung entsprechenden Wahl dafür zu stimmen. Sollte es so kommen, muss Madrid dann aber auch die Blockade aufgeben und ernsthaft über mehr Selbstbestimmung verhandeln.

  • Fernando Rey am 22.10.2017 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Risiko

    Der Sturm auf die Bancomaten ist eher heuchlerisch. In Tat und Wahrheit haben schon viele ihre Kohle auf sichere Banken ausserhalb Kataloniens transferiert. Wer will schon ein Risiko eingehen?