Neue Stützpunkte

21. September 2011 12:48; Akt: 21.09.2011 13:58 Print

USA forcieren den Drohnen-Krieg

von Peter Blunschi - Die USA setzen im Antiterrorkrieg verstärkt auf Drohnen. Sie errichten mehrere Stützpunkte in Afrika, um Angriffe auf Al Kaida in Somalia und im Jemen fliegen zu können.

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Sie sind ebenso effizient wie umstritten: Unbemannte und bewaffnete Luftfahrzeuge – so genannte Drohnen – spielen im Kampf gegen den Terrorismus eine immer wichtigere Rolle. Die USA verüben mit ihnen regelmässig Angriffe in der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan, die als Rückzugsort für Kämpfer der Taliban und des Terrornetzwerks Al Kaida gilt. Allein in den letzten Wochen wurden zwei ranghohe Al-Kaida-Mitglieder getötet.

Doch Drohnen sind nicht unfehlbar, immer wieder kommen unbeteiligte Zivilisten ums Leben, was vor allem in Pakistan regelmässig Proteste provoziert. Für die USA aber überwiegen die Vorteile bei weitem. Die Regierung Obama hat die Einsätze deutlich ausgeweitet, und nun baut sie gemäss einem Bericht der «Washington Post» eine Reihe von neuen Stützpunkten am Horn von Afrika und auf der Arabischen Halbinsel.

Eine dieser Anlagen werde in Äthiopien errichtet, das ein enger Verbündeter im Kampf gegen die radikalislamische Schabab-Miliz in Somalia sei, schreibt die Zeitung. Ein weiterer Stützpunkt werde auf den Seychellen gebaut, wo bereits mehrere Drohnen stationiert seien. Bereits heute würden zudem Angriffe auf Ziele in Somalia und im Jemen von dem kleinen Staat Dschibuti am Horn von Afrika aus geflogen. Ausserdem baue der Geheimdienst CIA eine geheime Landebahn an einem nicht genannten Ort auf der Arabischen Halbinsel.

Geheime Angriffe von den Seychellen

Den Hintergrund der Aktivitäten bildet laut «Washington Post» die Besorgnis der US-Regierung über die verstärkten Aktivitäten von Al Kaida in Somalia und im Jemen, während die Führung des Terrornetzwerks in Pakistan als geschwächt gilt. Beispielhaft für die Drohnen-Offensive sind laut «Washington Post» die Seychellen. Auf dem kleinen Inselstaat ist bereits seit zwei Jahren eine kleine Flotte von Reaper-Drohnen stationiert. Ihr offizieller Zweck ist Überwachung der Aktivitäten von somalischen Piraten im Indischen Ozean.

Um Befürchtungen der Inselbewohner entgegenzutreten, versicherte die US-Regierung, sie habe keine Pläne, die Flugzeuge zu bewaffnen. Doch diplomatische Dokumente, die von Wikileaks veröffentlicht wurden, belegen nun, dass von den Seychellen aus auch Antiterror-Missionen im 1300 Kilometer entfernten Somalia durchgeführt wurden. Präsident James Michel habe einer Bewaffnung grundsätzlich zugestimmt. Weder die US-Regierung noch eine Sprecherin von Michel wollten sich gegenüber der «Washington Post» dazu äussern.

Roboter-Drohnen getestet

Wie sehr die USA auf Drohnen setzen, zeigt ein weiterer Bericht der «Washington Post» vom Dienstag. Demnach wurden auf der Militärbasis Fort Benning im US-Bundesstaat Georgia bereits im letzten Herbst «vollautomatische» Drohnen getestet, die ihr Ziel ohne Fernsteuerung aufspüren und eliminieren können. Die Identifikation soll über eine Software etwa zur Gesichtserkennung erfolgen. Die Drohne würde dann eine Rakete abfeuern.

Solche Roboter-Systeme sind jedoch umstrittenen. Es dürfte Jahre dauern, bis sie einsatzreif sind. Experten zweifeln grundsätzlich daran, dass Roboter jemals den Menschen ersetzen können. Hinzu kommen humanitäre Einwände – automatische Tötungsmaschinen könnten gegen die Genfer Konvention verstossen. Jakob Kellenberger, Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), äusserte an einer Konferenz in Italien seine Bedenken: «Bevor solche Systeme entwickelt oder eingesetzt werden, müssen einige grundsätzliche Fragen rechtlicher, ethischer und gesellschaftlicher Art geklärt werden.»

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabio am 22.09.2011 20:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Krieg ist schon grausam genug! Und nun wird er auch noch pervers! Menschen die durch Maschinen vollautomatisch vernichtet werden. Soll so der Krieg der Zukunft aussehen? Wenn ein Mensch von einem anderen Menschen getötet wird dann ist dies schlimm genug, aber von einer Roboterdrohne? Terminator lässt Grüssen!

  • Michael Palomio (*1964) am 21.09.2011 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    Der Friedensnobelpreisträger

    Obama wurde Friedensnobelpreisträger - und er brachte Bomben.

  • Gerhald am 21.09.2011 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Drohnen gehört die Zukunft.

    Den Drohnen gehört die Zukunft, davon bin ich überzeugt. Wenn man entsprechende Modelle baut, welche auch noch viel schneller fliegen können, als dies mit Besatzung möglich wäre, dann hat der konventionelle Kampfjet ausgedient.

  • Roger Meier am 21.09.2011 16:24 Report Diesen Beitrag melden

    Zusammenhang mit biometrische Pässe

    ...Drohnen getestet, die ihr Ziel ohne Fernsteuerung aufspüren und eliminieren können. Die Identifikation soll über eine Software etwa zur Gesichtserkennung erfolgen. Die Drohne würde dann eine Rakete abfeuern. --->> Jetzt sollte eigentlich auch dem letzten Befürworter der biometrischen Pässe klar werden, wieso sie Eure Gesichtsbilder brauchen!

    • Felix am 09.10.2011 19:18 Report Diesen Beitrag melden

      ah ja es wird immer so sein...

      .. und warum dreht man den Spiess nicht um und verlangt von den AMIs das Gleiche - so wie es Brasilien machte? Ah ja, in Europa ist man eben AMI-hörig - in der Politik, der Justiz und den Finanzen. Wo also ist die Uanbhängigkeit? auf dem Scahffott des Geldes geopfert.

    einklappen einklappen
  • Propaghandi am 21.09.2011 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Krass, das so ein Bericht nicht etwas kritischer ausfällt! Eine Hinrichtung ohne Gerichtsverfahren ist eigentlich staatlich legitimierter Mord! Dies in einem fremden Land durchzuführen ein Verstoss diverser int. Verträge und eigentlich eine Kriegserklärung! Aber ich vergass, die Amis sind ja die guten. Die würden niemals foltern, den falschen erwischen oder aus niedrigen Gründen wie Ressourcen oder der Nationalen Sicherheit zum Drohnenmord greifen.