Russland-Affäre

01. November 2017 16:35; Akt: 01.11.2017 16:35 Print

Wie unfair behandeln US-Medien Donald Trump?

von Martin Suter, New York - Über die Anklagen des Sonderermittlers Mueller wird so gegensätzlich berichtet wie selten zuvor. Drei Beobachtungen zur Berichterstattung in den US-Mainstream-Medien.

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Donald Trump fühlt sich von den Medien nicht fair behandelt. (31. Oktober 2017) Eine extrem unterschiedliche Berichterstattung gab es nach der Ankündigung der ersten Anklagen durch Sonderermittler Robert Mueller, der die Einflussnahme Russlands in den Wahlkampf von 2016 untersucht. (13. Juni 2013) Angeklagt wegen Verschwörung gegen die USA, Meineid und Geldwäscherei wurde Paul Manafort, der einstige Wahlkampfchef Donald Trumps. (31. Oktober 2017) Zusammen mit seinem Mitarbeiter Rick Gates soll Manafort schmutzige Gelder aus russisch-ukrainischen Quellen angenommen haben. Die zwei Angeklagten Manafort und Gates bekannten sich vor Bundesgericht für nicht schuldig. Manaforts Anwalt Kevin Downing bezeichnete die Anklage als «lächerlich». Ein Schuldbekenntnis hat Mueller von Geore Papadopoulos (rot umrandet) erhalten. Der frühere Berater Trumps wollte im Wahlkampf «Schmutz» über Hillary Clinton verbreiten und ein Treffen Trumps mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin organisieren. Das Trump-Kampagnen-Team lehnte seine Avancen jedoch ab. Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders nannte Papadopoulos einen «freiwilligen Berater», der erst noch gelogen habe. (30. Oktober 2017) In den Medien dominierte die Auffassung, dass die Anklagen eine unheilvolle Entwicklung für Trump darstellten. (31. Oktober 2017) Trump und seine Unterstützer glauben, dass Mueller nichts Stichhaltiges gegen den Präsidenten bereithält. Die beiden Perspektiven stehen sich unversöhnlich gegenüber und widerspiegeln die politische Spaltung in den USA.

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So gegensätzlich wie selten zuvor berichten die US-Medien darüber, dass Trumps Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort und sein Partner Rick Gates wegen Verschwörung, unwahrer Aussagen und Geldwäscherei unter Anklage gestellt wurden. Ebenso unterschiedlich erschien in den Medien das Meineidsbekenntnis des einstigen Beraters George Papadopoulos, der ein Treffen Trumps mit Putin vermitteln wollte.

Für die Beantwortung der Frage, wie fair die Berichterstattung sei, sind drei Beobachtungen hilfreich:

1. Trump feindlich gesinnte Medien sind in der Überzahl

Die US-Medien waren schon immer ideologisch orientiert, bloss weniger intensiv als heute. Dass sie den Nachrichten einen extremen «Spin» (Drall) geben, lässt sich mit Überschriften über News und Kommentaren belegen.

Zwei Beispiele: Auf der einen Seite titelten die Trump-Kritiker des Fernsehsenders MSNBC: «Dies ist erst der Anfang», «Widerspiegeln die Mueller-Ermittlungen Watergate?», «Weisses Haus versucht, von Mueller-News abzulenken», «Trump soll über die Anklage der Mueller-Ermittler toben».

Die Trump-Verteidiger bei Fox News setzen hingegen folgende Titel: «Trump distanziert sich von den Anklagen und sagt, Papadopoulos sei ein erwiesener Lügner», «Hillary Clinton braucht unbedingt, dass Mueller die Russen-Absprache beweist», «Robert Mueller soll zurücktreten».

Die zwei News-Welten wirken wie zwei separate Universen, sagt Medienbeobachter Howard Kurtz. Entscheidend ist für die meisten Medien nicht nachgewiesenes Recht oder Unrecht, sondern bloss, ob etwas Trump schadet oder hilft. Und weil die ihm feindlich gesinnten «Mainstream»-Medien in der Überzahl sind, kann Trump mit einigem Recht behaupten, nicht fair behandelt zu werden.

2. Medien interpretieren Muellers Belege unterschiedlich

Bei all dem ist objektiv unklar, auf wie viel Material Mueller sitzt und welche Schritte von ihm noch zu erwarten sind. Als für Trump am gefährlichsten schätzen die meisten Medien die Machenschaften von Papadopoulos ein. Doch auch hier sind zwei Interpretationen denkbar: Entweder trug der Berater einen Monat lang ein verstecktes Mikrofon und überführte so andere Trump-Mitarbeiter der Absprache mit den Russen. Oder die Bundespolizei FBI verfügt über nicht mehr als die in dem Bekenntnis erwähnten Aussagen und E-Mails. Gemäss dieser Belege leistete die Trump-Kampagne den russischen Avancen Widerstand.

3. Die Medien widerspiegeln die Spaltung im Land

Die Medien haben sich nicht selbstständig entzweit, sondern widerspiegeln eine zunehmend tiefe ideologische Spaltung in Amerika. Immer weniger Menschen haben eine Mischung von konservativen und liberalen Ansichten, hat das Pew Research Center festgestellt. Die Politik wird zum Medium ihrer Identifikation und nimmt die frühere Stellung von Religion, Familie und Herkunftsort ein. In seinem neusten Kommentar in der «New York Times» bezeichnet David Brooks diesen unheilvollen Trend als eine Art Vergötzung der Politik.

Und wer ist der Götze, der über allem thront? Den die einen herunterreissen wollen und den andere in den Himmel heben? Natürlich Donald Trump, der Mächtigste aller Politiker.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lehrer am 01.11.2017 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Gesteuert

    Das überhaupt keine Positiven Meldungen dabei sind, ist augenscheinlich. Ein Beweis, dass offensichtlich etwas nicht stimmt.

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  • Anakena am 01.11.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr unfair

    Auch die europäischen Medien behandeln Trump unfair. Die Schweizer Medien sind davon nicht ausgenommen. Es scheint so, als ob die Medien die Wahl Trumps, immer noch nicht verkraftet haben und nun jede Möglichkeit nutzen, ihn schlecht zu schreiben/reden. Das Volk tickt anders, als die Medien. Und das ist gut so.

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  • Wolle am 01.11.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der 1. Stein

    Soweit ich es beobachten konnte, haben die Medien in übelster und verunglimpfender Weise gegen Trump Stimmung gemacht. Es ist also langsam Zeit, dass einer Klartext spricht. Und jetzt können die Trump Feinde mal wieder richtig losbashen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • RicBellini am 02.11.2017 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu freundlich

    Alle viel zu freundlich. Würde ihn in der Morgenausgabe... Online... und Abendausgabe zerreissen!

  • Acuaria am 02.11.2017 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Unfähig

    Natürlich übertreiben die Medien manchmal, aber auf beiden Seiten. Da hilft nur sich orientieren und selber denken. Es reich allerdings schon, wenn man Trumps getwitter liest um festzustellen, dass er unfähig ist und keine Ahnung von irgendetwas hat ausser vielleicht dauernd Golf spielen. Dann noch seine Minister. Der Umweltminister zerstört die Umwelt, die Bildungsministerin baut Bildung ab, der Innenminister verkauft Nationalparks an Öl- und Minengesellschaften..... Aller versuchen sich zu bereichern und in Staatsflugzeugen herumzufliegen. Ein Haufen Unfähiger.

  • Chtulhu am 02.11.2017 10:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Demokratie abträglich

    Die Menschen können doch kaum noch gut und böse unterscheiden. Nachdem man seine Interesse bei youtube oder twitter angedeutet hat, wird man nur noch von den selbigen Infos bombardiert. Dann taucht man auf und ist komplett mit nur einer Ansicht indoktriniert. Das wird gefährlich, wenn bereits wenig Hintergrundwissen vorhanden war. ( und wer gibt das zu) Denn Wahrheit sagen irgendwie alle. Auch die unzähligen Twitterbots aus Russland. Oder die selfmade youtuber die ihre Meinung und geringes Wissen darlegen und dabei mehr Zuhörer haben als Hitler bei seiner Reichsparteitagsrede.

  • Rerruf am 02.11.2017 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair was

    Wer austeilt, kann nicht einstecken. Ist ein alter Hut. Und der Trumpel sowieso nicht!

  • Rerruf am 02.11.2017 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair was ?

    Unfair? Zum Lachen! Fragen Sie mal die von Ihm unfair Behandelten!!!