Jetzt spricht Sebastian Edathy

16. März 2014 12:00; Akt: 16.03.2014 22:15 Print

«Ich bin nicht pädophil»

Erstmals hat sich der wegen Kinderpornografie-Vorwürfen in die Schlagzeilen geratene Sebastian Edathy zu Wort gemeldet. Der SPD-Politiker will sich nicht entschuldigen.

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Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy hat während des Kinderporno-Prozesses am 2. März 2015 zugegeben, Bild- und Videomaterial auf seinen dienstlichen Laptop heruntergeladen zu haben. Edathy hat sich am 16. März 2014 erstmals zu den Vorwürfen geäussert, dass er Kinderporno-Material auf seinem PC gespeichert haben soll. «Ich möchte eines klar sagen: Ich bin ein Gegner von Kinderpornografie. Ich hätte nie geglaubt, eine solche Selbstverständlichkeit jemals betonen zu müssen», sagte er dem Magazin «Spiegel». Der Kinderporno-Skandal um den SPD-Bundestagabgeordneten Sebastian Edathy weitete sich im Februar 2014 zur Staatsaffäre aus. Bundeskanzlerin ärgert sich über die Plaudereien der Politiker. Worum geht es? Der CSU-Vizepräsident wird am 17. Februar 2014 Agrarminister und übernimmt damit das Amt von Hans-Peter Friedrich. Dieser musste im Zusammenhang mit dem Fall Edathy am 14. Februar zurücktreten. CSU-Parteichef warf der SPD-Spitze am 15. Februar 2014 «Geschwätzigkeit» und «Vertrauensbruch» vor. Der SPD-Shootingstar soll zwischen Oktober 2005 und Juni 2010 von einem PC in Kanada 31 heikle Videos und Fotos von unbekleideten Buben im Alter von etwa 8 bis 14 Jahren bestellt haben. Am 7. Februar, drei Tage bevor seine Wohnung und seine Büros durchsucht wurden, hatte Edathy sein Bundestagsmandat niedergelegt. Dabei handelte es sich um sogenannte Posing-Bilder an der Grenze zur Strafbarkeit, wie von der Staatsanwaltschaft Hannover am 14. Februar 2014 mitteilte. Er bestätigte zudem, dass gegen Edathy Ermittlungen laufen. Und hier kommt Landwirtschaftsminister ins Spiel. Der CSU-Spitzenpolitiker soll bereits im Oktober 2013 den SPD-Chef Sigmar Gabriel über die Ermittlungen gegen Edathy informiert haben. Wenn das stimmt, wäre das juristisch höchst problematisch. Friedrich reichte am 14. Februar nach Beratungen der Koalitionsspitze seinen Rücktritt ein, Merkel nahm ihn an. SPD-Chef gab die Informationen, die er von Friedrich erhalten hatte, an seine Parteikollegen ... ... und ... ... (Fraktionschef der SPD-Bundesfraktion) weiter. Oppermann stritt am 16. Februar ab, dass Edathy «direkt oder indirekt» von der SPD-Spitze informiert worden sei. Im Dezember 2014 wurde auch Christine Lambrecht (parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundesfraktion) informiert.

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Der frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy wehrt sich entschieden gegen die Pädophilen-Vorwürfe gegen ihn. In die Schlagzeilen kam Edathy, weil gegen ihn wegen Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie ermittelt wird. In einem Gespräch mit dem Magazin «Spiegel» nimmt er nun das erste Mal ausführlich Stellung zum Fall. «Ich möchte eines klar sagen: Ich bin ein Gegner von Kinderpornografie. Ich hätte nie geglaubt, eine solche Selbstverständlichkeit jemals betonen zu müssen», sagte Edathy, der mittlerweile in Südeuropa untergetaucht ist.

«Kinder stehen unter einem besonderen Schutz. Kindesmissbrauch ist verwerflich und ist zu bestrafen. Diesen habe ich weder begangen noch unterstützt», sagt Edathy im Gespräch weiter. Dass er aber Videos kaufte, auf denen Kinder nackt zusammen spielen, gibt Edathy zu. «Wenn jemand sagt, ich finde das nicht gut, kann ich das verstehen. Ich bin nicht pädophil. In der Kunstgeschichte hat der männliche Akt, auch der Kinder- und Jugendakt, eine lange Tradition. Man muss daran keinen Gefallen finden, man darf es aber.»

Neonazis warten vor seinem Haus

Entschuldigen will sich Edathy dafür nicht. Denn die Aufnahmen seien nicht illegal. «Ich muss und werde mich für mein Privatleben nicht entschuldigen oder rechtfertigen. Niemand, der sich im privaten Bereich rechtskonform verhält, muss das. Der Schutz der Privatsphäre ist elementar für einen Rechtsstaat.»

Gerne würde Edathy laut dem «Spiegel» nach Deutschland zurückkehren. Doch ein Nachbar habe ihn gewarnt, dass sich vor seinem Haus drei Autos mit Journalisten und zwei mit Neonazis darin befänden. Wie es mit seinem Leben weitergeht, weiss Edathy nicht. «Mir fehlt gegenwärtig die Fantasie zu sagen, was ich wann aus meinem Leben machen kann. Ich weiss nur, dass es noch lange nicht vorbei ist.»