Gegen hohe Kaution

06. Juli 2012 22:01; Akt: 06.07.2012 22:10 Print

Todesschütze von Florida ist auf freiem Fuss

Der Nachbarschaftswächter, der den Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin zu verantworten hat, ist gegen Hinterlegung einer Kaution aus der Haft entlassen worden.

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Der Tod des schwarzen Teenagers Trayvon Martin löste in den USA neue Diskussionen über Rassendiskriminierungen aus. Der erst 17-Jährige wurde am 26. Februar 2012 in dieser Wohnanlage in Sanford, einem Vorort der Unterhaltungsmetropole Orlando im Bundesstaat Florida, erschossen. Trayvon Martin war unbewaffnet. Seine Leiche fand man in dieser Strasse. Schütze war der 28-jährige George Zimmerman, ein Weisser lateinamerikanischer Abstammung. Zimmerman ist Mitglied einer Nachbarschaftswache. Der bullige Student patrouillierte seit Monaten durch die eingezäunte Wohnanlage, in der es wiederholt zu Einbrüchen gekommen war. Die Polizei nimmt Zimmerman fest und bringt ihn aufs Polizeirevier, wie diese Bilder einer Überwachungskamera zeigen. Noch am selben Abend wird er zum Hergang befragt. Bei der Befragung gibt Zimmerman an, in Notwehr geschossen zu haben, weil er von Trayvon Martin bedroht worden sei. Er beruft sich dabei auf ein Gesetz, das in Florida seit 2005 existiert und besagt, dass jeder zur Waffe greifen kann, wenn er sich bedroht fühlt. Die Polizei glaubt ihm, Zimmerman wird nach einer Befragung freigelassen. Die Eltern des Opfers, Vater Tracy und Mutter Sybrina, glauben, dass ihr Sohn aus rassistischen Motiven erschossen wurde und gehen mit dem Fall an die Öffentlichkeit. Die Folge: Landesweit kommt es zu Protesten, Tausende gehen auf die Strasse (wie hier am 23. März in Philadelphia). Sie fordern Gerechtigkeit für den Tod des 17-jährigen Teenagers... Und das Aus des Waffengesetzes «Stand Your Ground» (Behaupte die Stellung), das Kritiker für einen «Erst schiessen, dann fragen»-Erlass halten. Die Proteste bringen den Gouverneur von Florida, Rick Scott, unter Druck. Er beschliesst, den Fall zu untersuchen und stellt eine Task Force ein. Bei der Leiche von Trayvon Martin wird neben einem Eistee auch eine Packung Skittles-Bonbons gefunden. Sie werden genauso zum Symbol des Protests wie die Kapuzenpullis, sogenannte «Hoodies». Als Trayvon Martin starb, trug er einen Kapuzenpulli. Viele sind überzeugt, dass das in den USA weit verbreitete Vorurteil, wonach alle Schwarzen in Hoodies kriminelle Gewalttäter seien, dem Teenager das Leben gekostet hat. Der «Hoodie»-Protest zog sich bis in die Politik. Der demokratische Kongressabgeordnete Bobby Rush löste mit seiner Aktion im Repräsentantenhaus, als er bei seiner Rede seinen Kapuzenpulli überzog, gar für einen Skandal. Die Basketballer der Miami Heat um Superstar LeBron James machten ebenso am Protest mit. Wie auch Bürgerrechtler Jesse Jackson. Am 12. April hat Sonderstaatsanwältin Angela Corey entschieden, George Zimmerman wegen Mordes mit bedingtem Vorsatz anzuklagen. Dem Todesschützen droht eine Gefängnisstrafe von 20 Jahren bis lebenslänglich. Neue Polizeifotos von George Zimmerman: Er befindet sich an einem unbekannten Ort in Florida in Untersuchungshaft und wartet dort auf seinen Prozess. Wann dieser beginnt, ist offen.

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Der im US-Bundesstaat Florida wegen der Tötung eines schwarzen Jugendlichen angeklagte Nachbarschaftswächter George Zimmerman ist gegen Zahlung einer Kaution auf freien Fuss gekommen. Der 28-Jährige kam am Freitag frei.

Zuvor hatte er wie gesetzlich festgelegt zehn Prozent der festgelegten Summe von einer Million Dollar hinterlegt, wie die Gefängnisbehörden mitteilten. Ein Gericht in Sanford hatte am Donnerstag die Höhe der Kaution festgelegt.

Zimmerman hatte Ende Februar in Sanford nahe Orlando den 17- jährigen Trayvon Martin erschossen. Der Schütze war an jenem Abend auf Patrouille in seiner Nachbarschaft unterwegs und hielt den Teenager für einen Einbrecher. Zimmerman sagte aus, in Notwehr gehandelt zu haben.

Debatte über Rassismus

Der Junge, der sich auf dem Weg von einem Einkauf nach Hause befand, war allerdings unbewaffnet. Der Tod des afroamerikanischen Jugendlichen führte in den USA zu einer aufgeheizten Debatte über Rassismus, in die sich auch Präsident Barack Obama einschaltete.

Die Polizei hatte Zimmerman nach der Tat kurz in Gewahrsam genommen und dann wieder laufen lassen. Sie berief sich dabei auf ein Gesetz, das den Bürgern in Florida das Recht zu schiessen gibt, wenn sie sich ernsthaft bedroht fühlen.

Nach heftigen Protesten nahm die Justiz Zimmerman schliesslich wieder fest. Die Staatsanwaltschaft erhob im April Anklage wegen Totschlags. Eine erste Freilassung auf Kaution wurde Anfang Juni widerrufen, weil Zimmerman die Justiz über seine finanzielle Situation getäuscht hatte.

(sda)