Al Kaida

30. April 2011 19:05; Akt: 30.04.2011 19:05 Print

Blutbad in Deutschland geplant

Die drei am Freitag festgenommenen mutmasslichen Mitglieder des Terrornetzwerks Al-Kaida wollten in Deutschland mit einer Splitterbombe ein Blutbad anrichten.

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Die mutmasslichen Al-Kaida-Terroristen wurden mit dem Helikopter ins Gerichtsgebäude gebracht.

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Die Terroristen planten offenbar, einen mit Metallteilen versetzten Sprengsatz in einer grösseren Menschenmenge explodieren zu lassen. Ein genaues Anschlagziel stand aber noch nicht fest, wie der stellvertretende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum am Samstag in Karlsruhe sagte. Die Terrorverdächtigen seien «noch in der Experimentierphase» gewesen.

Gegen die drei Männer aus Nordrhein-Westfalen wurde am Samstag Haftbefehl erlassen. Sie seien dringend verdächtig, als Mitglieder von Al-Kaida einen Terroranschlag geplant zu haben.

Marrokaner war der Chef

Zentrale Figur ist ein 29 Jahre alter Marokkaner. Er soll Anfang vergangenen Jahres in ein Ausbildungslager von Al-Kaida im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet gereist sein.

Dort habe er von einem hochrangigen Mitglied des Terrornetzwerks den Auftrag erhalten, in Deutschland einen Sprengstoffanschlag zu verüben. Seine beiden Komplizen, ein 31 Jahre alter Deutsch- Marokkaner und ein 19-Jähriger mit deutscher und iranischer Staatsangehörigkeit, sollen ihn bei der Umsetzung der Pläne unterstützt haben.

Ganzes Netzwerk

Die Beschuldigten seien Mitglieder eines Netzwerks von sieben bis acht Personen gewesen, sagte Ziercke. «Aber es können auch mehr sein.» Die Ermittlungen zur Aufdeckung des Netzwerks seien noch nicht abgeschlossen.

Dennoch hätten sich die Ermittler zur Festnahme entschlossen, um «mögliche Schäden Unbeteiligter auszuschliessen». In abgehörten Gesprächen in einer Düsseldorfer Wohnung hätten die Drei den Bombenanschlag in Marrakesch «freudig begrüsst», berichtete Ziercke. Bei dem Attentat am Donnerstag waren 16 Menschen getötet worden.

«Marrakesch hätte ein stimulierendes Ereignis sein können», sagte Ziercke. Auch deshalb hätten sich die Fahnder zu einer schnellen Festnahme entschlossen, obwohl die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen waren.

Verschiedene Szenarien

Ein mögliches Ziel für einen Anschlag in Deutschland hätten Veranstaltungen im Grossraum Düsseldorf sein können. Gemäss den abgehörten Gesprächen hatten die Beschuldigten aber auch darüber nachgedacht, den Sprengsatz «an einer Bushaltestelle oder in einem Bus» zu zünden.

Die technischen Vorbereitungen zum Bombenbau waren allerdings noch nicht abgeschlossen. Wie Ziercke berichtete, suchten die Beschuldigten im Internet nach elektronischen Bauteilen und nach sogenannten Bombenkochbüchern, also Anleitungen zum Bau von Sprengsätzen. Ausserdem versuchten sie, Wasserstoffperoxid, Aceton und weitere Materialien zu beschaffen.

Fertiger Sprengstoff wurde entgegen erster Berichte nicht sichergestellt, wohl aber ein Behältnis, in dem möglicherweise Sprengstoff aufbewahrt wurde. Insgesamt durchsuchten die Ermittler sechs Wohnungen.

(sda)