Europa streikt mit Gewalt

14. November 2012 05:56; Akt: 15.11.2012 10:10 Print

Um uns herum tobt der Kampf gegen das Sparen

In Spanien, Griechenland, Portugal, Italien und Belgien legen Streiks das öffentliche Leben lahm. In Italien und Spanien eskalieren die Proteste.

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Ein Solidaritätstag des Europäischen Gewerkschaftsbundes aus Protest gegen die Sparpolitik sorgt in mehreren EU-Ländern für massive Arbeitsniederlegungen sowie Verkehrsprobleme.

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Betroffen sind vor allem Spanien und Portugal. Dort begannen am frühen Mittwochmorgen landesweite, 24-stündige Generalstreiks. Auch die Schweiz bekommt den Protest zu spüren.

Verletzte Polizisten

In Italien und Spanien kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen. Angefangen in Mailand, wo es zu mehreren Protestaktionen gegen Banken kam. Der Sitz der italienischen Bankenvereinigung ABI wurde mit Eiern beworfen und die Eingänge von Bankfilialen wurden mit Lack beschmiert. Fünf Polizisten wurden bei Zusammenstössen in der Stadt verletzt.

In Turin verletzten Linksradikale einen Polizisten schwer. Er wurde von rund 20 Jugendlichen umringt, die mit Stöcken und Knüppeln auf ihn einschlugen. Der Polizist musste mit schweren Verletzungen ins Spital eingeliefert werden, wie italienische Medien berichteten.

In Rom setzte die Polizei Tränengas ein und rückte mit gepanzerten Fahrzeugen vor, um randalierende Schüler und Studenten vom Tiber-Ufer zu vertreiben. Diese hatten zuvor Steine, Flaschen und Sprengkörper auf die Sicherheitskräfte geworfen. Reporter sprachen von Szenen, die an einen Guerillakrieg erinnerten.

In Padua kam es zu Spannungen zwischen Polizisten und Demonstranten, als diese versuchten, in den Bahnhof einzudringen und die Abfahrt der Züge zu verhindern. Bei den Ausschreitungen wurden zwei Polizisten verletzt, zwei Demonstranten wurden festgenommen.

Festnahmen

Auch in Madrid ging die Polizei mit Schlagstöcken gegen Hunderte Demonstranten vor, die gewaltsam eine Polizeiabsperrung zur Plaza de Cibeles im Stadtzentrum durchbrechen wollten. Gleichzeitig gaben die Beamten mit Gummigeschossen Warnschüsse in die Luft ab. In ganz Spanien wurden mehr als 70 Personen festgenommen.

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(Video: Reuters)

Mit Streiks und Kundgebungen protestierten am Mittwoch zehntausende Menschen unter anderem auch in Portugal, Belgien, Frankreich, Deutschland und Griechenland gegen die harten Sparmassnahmen zur Bekämpfung der Finanzkrise. Mehrere europäische Gewerkschaften hatten zu einem länderübergreifenden Aktionstag aufgerufen.

Nichts geht mehr in Portugal

Ein Generalstreik aus Protest gegen neue Sparmassnahmen der Regierung hat weite Teile des öffentlichen Lebens in Portugal lahmgelegt. U-Bahnen und Züge fuhren nicht, Fluggesellschaften mussten etliche Flüge streichen.

Die Aktion sei ein starkes Signal des Unbehagens und eine Botschaft an die europäischen Regierungen, sagte der Generalsekretär des portugiesischen Gewerkschaftsbunds CGTP, Armenio Carlos. Der Verband hatte zu dem Streik aufgerufen.

Die portugiesische Fluggesellschaft TAP annullierte fast die Hälfte ihrer Flüge. In Spitälern legten bis zu 90 Prozent der Beschäftigten die Arbeit nieder.

Auf Spruchbändern forderten Demonstranten «Raus mit der Troika», um gegen die Sparvorgaben der internationalen Geldgeber Portugals zu protestieren. Der CGTP hatte Proteste in etwa 40 Städten angekündigt, die auf die Probleme der Portugiesen aufmerksam machen sollen.

Arbeitsniederlegung in Griechenland

Mit einer dreistündigen Arbeitsniederlegung beteiligen sich die griechischen Gewerkschaften am Mittwoch am europaweiten Aktionstag gegen die Sparpolitik der Regierungen. Es gibt jedoch keinen Generalstreik. Die Staatsbediensteten wollten um 12.00 Uhr Ortszeit (11.00 MEZ) für drei Stunden die Arbeit niederlegen.

Die Schulen und die Ministerien werden während des Ausstands geschlossen bleiben. Zudem wollen die Journalisten während der dreistündigen Arbeitsniederlegung im Radio und Fernsehen nur Nachrichten senden, die den europaweiten Aktionstag betreffen.


So berichtet die britische BBC über die Demonstrationen. Quelle: YouTube/MOXNEWSd0tC0M

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Ein Leser-Reporter schickte uns dieses Video von den Protesten in Madrid

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jessica Sánchez am 14.11.2012 16:51 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Schweizer

    Schweizer, vergesst bitte nicht dass euer Wohlstand unter anderem den Gastarbeitern aus Portugal, Italien, Spanien und Griechenland zu verdanken ist. Dass sich nun einige hier so negativ über das Volk dieser Länder äussern und sie sogar als Faul bezeichnen finde ich schade.

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  • Remo am 14.11.2012 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    EURO-TURBOS ABWÄHLEN

    Und die Linken und Grünen wollen heute immer noch in die EU! Liebe Leute, geht richtig wählen damit das NIE PASSIERT, SONST GEHT ES DER SCHWEIZ AUCH SO!

  • D.R. am 14.11.2012 10:39 Report Diesen Beitrag melden

    Handeln

    Wir sollten nicht reden, nicht schreiben. Wir sollten handeln und den Menschen in Europa Solidarität zeigen. Wir sollten es nicht zulassen, dass Menschen für die Fehler der Regierungen und Zinsempfänger hungern und die Existenz verlieren. Das System ist am Ende und wir nur noch mit Gelddrucken am Leben erhalten. Es kann nicht sein, dass Menschen für ein Zombiesystem leiden müssen. Es sind Menschen und keine Wahre, es sind Menschen und Schicksale, es sind Menschen und keine Roboter, Geldmaschinen. Stoppt das Zinssystem, stoppt die Menschen welche sich an Zinsen bedienen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank Schweizer am 16.11.2012 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EU & Euro Utopie

    Spanien-Siesta, Italien-Siesta, Griechenland-Siesta, Portugal-Siesta, Deutschland-arbeiten bis zum umfallen, Schweiz-arbeiten bis zum umfallen. Wen wundert's!

  • Remo am 14.11.2012 20:21 Report Diesen Beitrag melden

    EURO-TURBOS ABWÄHLEN

    Und die Linken und Grünen wollen heute immer noch in die EU! Liebe Leute, geht richtig wählen damit das NIE PASSIERT, SONST GEHT ES DER SCHWEIZ AUCH SO!

  • WerWeiss am 14.11.2012 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mir scheint,

    nicht der Mensch ist zu "retten", sondern das Geld.

    • ichweiss am 16.11.2012 16:42 Report Diesen Beitrag melden

      @werweiss

      es scheint nicht nur es IST so. Der ESM hat die EU zur Bankenditkatur gemacht.

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  • Chris von Swiss am 14.11.2012 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lächeln und winken!

    Macht euch keine Sorgen, die Schulterklopfer in Brüssel werden es schon richten!! Welche Partei kämpft schon wieder mit aller Kraft für einen EU-Beitritt??

  • Nobody is perfect am 14.11.2012 19:21 Report Diesen Beitrag melden

    Bin zwar kein Experte, aber...

    anhand der Aussagen sucht die Mehrheit entweder nach einem Schuldigen oder einer Alternative ohne Geld.Die Schuld trägt jeder einzelne Mensch,weil wir das Volk oder auch die Bürger genannt werden.Der Bürger "bürgt" also für den Staat.Wenn wir nicht mehr bürgen, erst dann beginnt die richtige Show.Der erste Schritt wäre schon wütend und sauer zu werden,das Fenster aufmachen und laut rufen: Leckt mich am ...., ich mache nicht mehr mit!Es ist genug! - Umso mehr für eine Sache stehen, umso wahrscheinlicher ist es dass es Gehör findet.