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Gewalt in Syrien
02. Februar 2012 08:50; Akt: 02.02.2012 08:50 Print
Weshalb Assad an seinen Sieg glaubt
Die Vereinten Nationen diskutieren zurzeit über einen Resolutionsentwurf für Syrien. Klar ist: Baschar al-Assad muss weg. Doch der syrische Präsident ist sich gewohnt, allein zu kämpfen.
14 Tote in Homs, elf Tote in Hama, verwackelte Videos, die Demonstranten zeigen, Schüsse die fallen und Menschen die blutverschmiert über den Boden geschleift werden – täglich erscheinen neue schreckliche Bilder aus Syrien. Die Lage scheint sich seit einigen Wochen nahezu täglich zu verschärfen. Nachdem die Beobachtermission der Arabischen Liga nicht die gewünschte Beruhigung der Lage gebracht hat, jetzt soll eine UNO-Resolution die Gewalt stoppen. Doch ob diese tatsächlich zu Stande kommt, ist fraglich. Auch wenn die Resolution international auf breite Zustimmung stösst – Russland ist nicht bereit, die in der Resolution enthaltenen Forderungen mitzutragen.
Infografik Die arabische Welt im UmbruchSyrienSyrien Amnesty International kritisiert RusslandDie russische Haltung zu einer Syrienresolution im UNO-Sicherheitsrat ist bei Amnesty International auf scharfe Kritik gestossen. Die Blockade sei unverantwortlich, erklärte die Gefangenenhilfsorganisation am Mittwoch in New York. «Russland trägt erhebliche Verantwortung dafür, dass die brutale Niederschlagung gerechtfertigter Forderungen ungebremst weitergehen kann», sagte der UNO-Experte der Organisation, José Luis Díaz. Russland hatte gedroht, gegen einen arabisch-europäischen Resolutionsentwurf ein Veto einzulegen.
Russland hatte bereits im Oktober zusammen mit China eine UNO-Resolution per Veto gestoppt. «Nach den uns vorliegenden Berichten wurden seitdem mehr als 2600 Menschen in Syrien getötet», sagte Díaz. Russland sei der grösste Waffenlieferant für die syrische Regierung und trage deshalb eine besondere Verantwortung. «Russland muss mit den anderen Sicherheitsratsmitgliedern endlich zusammenarbeiten, um eine starke und bindende Resolution zu verabschieden, damit das Blutvergiessen und die Menschenrechtsverletzungen in Syrien aufhören.»
Der Resolutionsentwurf verlangt von Assad, die Gewalt im Land zu beenden und wie es schon die Arabische Liga verlangt hatte – die Macht an seinen Sicherheitsberater abzugeben. Tut Assad dies nicht, könnten «weitere Massnahmen» folgen, zum Beispiel wirtschaftliche Sanktionen. Russland aber befürchtet ein zweites Libyen. Schon im März 2011 waren auf eine von arabischen Ländern unterstützte Resolution gegen Libyen militärische Operationen gefolgt. Für Russlands stellvertretenden Aussenminister Gennadi Gatilow ist denn auch klar, eine UNO-Resolution sei «der Weg in den Bürgerkrieg» in Syrien.
Russland in Erklärungsnot
Es stelle sich aber die Frage, ob sich Russland und möglicherweise auch China die Blösse geben wollen, als einzige Staaten ein Veto einzulegen, wenn eine Resolution bei allen anderen Ländern auf Zustimmung stösst, meint der «Telegraph». Ein Sprecher des britischen Premiers David Cameron hatte bereits am Montag gesagt, Russland könne seine Versuche, UNO-Handlungen zu verhindern, «nicht mehr länger erklären», wenn alle anderen betonen, dass man handeln müsse, um die Gewalt zu stoppen.
Russland gerate zunehmend unter Druck. Auf den Vorschlag, Verhandlungen zwischen der syrischen Regierung und dem syrischen Nationalrat (den Vertretern der Opposition) in Moskau durchzuführen, reagierten die Oppositionellen abweisend. Der Rücktritt von Syriens Präsident Baschar al-Assad sei eine Vorbedingung für Gespräche, teilten sie mit. Diese Bedingung ist in der Resolution enthalten und auch das Weisse Haus machte klar, dass Baschar al-Assad nicht zu halten sei. Eine politische Lösung sei bestrebenswert, aber es sei «unvermeidlich», dass Assad fallen müsse.
Zähes Regime
Doch gerade diesen Aspekt will Russland auf keinen Fall in der Resolution enthalten haben. Das Land stellt sich klar gegen die Forderung, dass Assad sowieso gehen müsse. Aber was würde aus dem Land, wenn das syrische Regime überleben würde? Und warum glaubt Assad überhaupt, gegen alle Widerstände an der Macht bleiben zu können? Robert Fisk vom «The Independent» schreibt, das syrische Regime sei eines der Zähsten im Mittleren Osten. Das Land sei sich sowohl Angriffe von Freunden als auch von Feinden gewöhnt. Syriens «Nein» zum vollständigen Abzug von den Golan Höhen für Frieden mit Israel sei fast genauso berühmt wie De Gaulle’s «Nein» zum Beitritt der Briten zur Europäischen Union.
Syrien sei ein Symbol, schreibt er. In den Augen der Araber habe sich das Land gegen den Westen gestellt, als sich das Land als einziges geweigert hatte, einen aus ihrer Sicht ungerechten Frieden im Mittleren Osten zu akzeptieren – denjenigen zwischen Ägypten und Israel. Das Land kehrte Jassir Arafat den Rücken, als dieser für Frieden Israel entgegen kam. Und aus historischer Sicht hatte Syrien als einziges Land gegen seine deutschen Besetzer im Jahr 1920 und dann nochmals im Jahr 1946 gekämpft.
Syrien kämpft gerne allein
Zudem hat Syrien ständig Territorium verloren. Den Libanon an Frankreich, Alexandretta an die Türkei, die Golan Höhen an Israel. Syrien kann deshalb mit viel Sympathien und Respekt von Seiten der arabischen Welt rechnen. Tatsächlich kämpfe die syrische Regierung gerne allein. Das habe sie immer getan. Die Assad Vater-Sohn Doktrin war immer eine der Geduld gewesen. Wie gross die Verurteilungen vom Rest der Welt auch sein mögen, wie schrecklich die Bedrohungen aus Israel und den Vereinigten Staaten – in Syrien gehe man stets davon aus, dass sich möglicherweise das Schicksal einmal mehr zugunsten des Landes bewege. Das hoffe das Regime und dessen Anhänger auch dieses Mal.
Das Blutbad in Homs und im Rest Syriens, die Folter und die Tötungen deuten darauf hin, dass für Assad die Zeit dieses Mal wirklich abläuft. Menschen in Syrien sterben genauso, wie zuvor bereits in Ägypten, Libyen und im Jemen. Baschar al-Assad scheine aber immer noch zu glauben, dass er die Massen mit den vorgeschlagenen Reformen beruhigen könne, schreibt «The Independent». Ausserhalb Syriens nehme ihm dies aber keiner mehr ab.
(ske)






















