Kommunalwahlen Italien

13. Mai 2011 22:50; Akt: 13.05.2011 22:55 Print

Berlusconis erster Test seit dem Sex-ProzessBerlusconis erster Test seit dem Sex-Prozess

von Alessandra Rizzo, AP - Bei den Kommunalwahlen am kommenden Sonntag und Montag in Italien steht für den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi viel auf dem Spiel.

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Der italienische Ministerpräsident muss sich wegen seiner mutmasslichen Sexaffäre mit der damals 17-jährigen Prostituierten Ruby und wegen Amtsmissbrauch vor Gericht verantworten. Die 25-jährige lombardische Regionalrätin Nicole Minetti, die im Auftrag Berlusconis Ruby nach der Haftentlassung in Gewahrsam nahm, ist wegen Förderung der Prostitution mitangeklagt. Die Ermittler verdächtigen Berlusconi, mit einer «erheblichen Zahl» junger Prostituierter verkehrt zu haben, darunter auch die junge Brasilianerin Iris Berardi. Diese soll minderjährig gewesen sein, als sie an Festen in einer Villa Berlusconis in Arcore teilnahm. Das Callgirl Nadia Macri tauchte plötzlich in den Medien auf. Sie erzählte von Drogen für die angeheuerten Mädchen in Berlusconis sardischer Villa und von 5000 Euro pro Nacht für sexuelle Leistungen. Berlusconi intervenierte persönlich, um eine damals 17-jährige Prostituierte aus dem Polizeigewahrsam zu befreien. Später plauderte «Ruby Rubacouri» Details über wilde Orgien in Berlusconis Villa in Arcore bei Mailand aus. Dabei sollen die Gäste in den Genuss von Bunga Bunga gekommen sein, einem angeblich erotischen Schauspiel, das Berlusconi bei seinem libyschen Freund Muammar Al-Gaddafi kennengelernt haben will. Patricia D'Addario gehört zu den 30 Frauen, die in einem Protokoll der Staatsanwaltschaft als Teilnehmerinnen an bis zu 18 Berlusconi-Partys genannt werden. Bei den Treffen sollen einige Frauen den Gästen auch für Sex zur Verfügung gestanden haben. Ebenfalls auf der Liste der Schönen, die angeblich Berlusconi trafen: Barbara Guerra. Der Unternehmer Gianpaulo Tarantini behauptete, er habe Treffen von Berlusconi mit Callgirls arrangiert. Auch die TV-Moderatorin Linda Santaguida tauchte in den brisanten Protokollen auf. Barbara Montereale: Auch sie schaffte es auf die Liste. Früher war diese Dame auf Pin-up-Kalendern zu finden. Silvio Berlusconi soll in Neapel zur Geburtstagsfeier der 18 Jahre alten Noemi Letizia erschienen sein. Die junge Frau behauptet, teure Geschenke vom «Cavaliere» bekommen zu haben und nennt ihn liebevoll «Papi». Angela Sozio war einmal Teilnehmerin an der italienischen Version von «Big Brother». Das reichte Berlusconi offensichtlich, um die junge Rothaarige als Kandidatin seiner Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl auszusuchen. Ehefrau Veronica Lario schäumte und rastete aus: «Ein schamloses Luder im Dienste der Macht», nannte sie Sozio. Auch die Schauspielerin Eleonora Gaggioli landete auf Berlusconis Liste für das Europa-Parlament. Die ehemalige TV-Moderatorin Barbara Matera ist die einzige aus der Gruppe der jungen und schönen Frauen, die es nach dem heftigen Streit um die Qualifikation dieser Kandidatinnen tatsächlich auf die Liste der Partei «Volk der Freiheit» für die Europawahl geschafft hat. Eine Bemerkung Berlusconis löste die bis dahin heftigste öffentliche Ehekrise aus. Damals hatte der «Cavaliere» über seine Ministerin für Gleichstellungsfragen behauptet: «Ich würde sie heiraten, wenn ich nicht schon verheiratet wäre.» Ex-Miss Carfagna begann ihre Karriere als Showgirl im italienischen Fernsehen und Nackt-Modell für diverse Herren-Magazine. Gutaussehende Damen förderte Berlusconi gerne - die schöne Stefania Prestigiacomo bekleidete einst das Amt der Gleichstellungsministerin. Dem Model Aida Yespica versprach der Ministerpräsident: «Mit dir ginge ich überall hin.» Prompt musste er sich öffentlich bei seiner damaligen Ehefrau Veronica Lario entschuldigen.

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Es ist die erste grosse Abstimmung seit Silvio Berlusconi sich wegen einer Sexaffäre mit einer minderjährigen Prostituierten vor Gericht verantworten muss. Bei den Kommunalwahlen steht nicht nur das Bürgermeisteramt in seiner Machtbasis Mailand auf dem Spiel, sondern auch das Ansehen seiner Regierung.

Berlusconi hat die Kommunalwahlen zu einer persönlichen Angelegenheit gemacht. Er führte bis zuletzt einen unermüdlichen Wahlkampf und rief Italiener auf, für die Kandidaten seiner Partei zu stimmen und ihre Unterstützung für die nationale Regierung zu signalisieren. «Wir müssen gewinnen, nicht nur, um eine gute Regierung in Städte zu bringen, sondern auch - mehr als alles andere - die nationale Regierung zu bestätigen und zu stärken», sagte Berlusconi in einer auf seiner Webseite veröffentlichten Erklärung.

Während Berlusconi vor allem in Mailand um die Wählergunst warb, wollte er seinen Wahlkampf am Freitag in Neapel abschliessen. Berlusconis Anhänger hoffen, in der süditalienischen Stadt die seit längerem regierende Mitte-links-Regierung aus dem Bürgermeisteramt zu drängen.

Der italienische Ministerpräsident entsandte diese Woche Soldaten nach Neapel, um das dortige Müllentsorgungsproblem anzugehen. Der Ministerpräsident hatte versprochen, die Müllkrise in Neapel zu lösen, doch drei Jahre nach der ersten Kabinettssitzung seiner damals neu gewählten Regierung stapelt sich noch immer der Müll in der Stadt.

Aufmerksamkeit auch auf Mailand gerichtet

Bei den Kommunalwahlen wird sich die Aufmerksamkeit aber auch auf die Stadt Mailand konzentrieren, wo nicht nur Berlusconis Medienimperium und sein Fussballclub AC Mailand beheimatet sind. In der Stadt findet derzeit der Prozess gegen Berlusconi wegen Prostitutionsvorwürfen statt. Die angebliche Sexaffäre mit der Nachtclubtänzerin «Ruby» hat sich jüngsten Umfragen zufolge auf die Popularität des Ministerpräsidenten ausgewirkt.

Dass der Prozess die Wähler beeinflussen wird, hält der politische Analyst Franco Pavoncello dennoch für unwahrscheinlich. «Der Prozess ist in einem Anfangsstadium, ich glaube nicht, dass Personen darauf basierend wählen werden, sondern mehr im Allgemeinen», sagte er.

Trotz Berlusconis aggressiven Wahlkampfs könnte es für die von ihm unterstützte Kandidatin für das Bürgermeisteramt von Mailand, Letizia Moratti, eng werden. Die amtierende Bürgermeisterin muss sich womöglich einer Stichwahl stellen.

Mailand ist auch eine Machtbasis von Berlusconis ausländerfeindlichem Koalitionspartner, der Liga Nord. Während sowohl die Liga Nord als auch Berlusconis Partei Volk der Freiheit (PDL) Moratti unterstützen, könnten gute Ergebnisse der Liga Nord bei den Kommunalwahlen Auswirkungen auf das Kräfteverhältnis in der nationalen Regierung haben.

Rund 13 Millionen Menschen - fast ein Viertel der italienischen Bevölkerung - sind am Sonntag und Montag aufgefordert, ihre Stimme abzugeben. Gewählt wird in rund 1.200 Städten und Gemeinden.

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  • Bruno Hochuli am 14.05.2011 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Italien hat wohl keine fähigen Leute

    So wie ich die Italiener kenne, werden sie Berlusconi auch jetzt wieder wählen. Sie sind sogar Stolz auf ihn. Im Bett bringt er eben mehr fertig als in der Politik. Komme soeben aus Neapel, einfach miserable Verhältnisse, auch dort wählen sie ihn wieder nach Umfrage.

  • Spaghetti EIs am 14.05.2011 12:23 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Geschichte

    Vor einiger Zeit gab es in italien einen kleinen Bericht über einen Parlamentarier der nur für wenige Tage im Amt war und danach zurücktrat. Dieser Kassiert bis heute die volle Pensionsauszahlung eines Parlamentariers ca.10'000 Euro. Das alles für 3-4 Tage rumeiern. Aber eben solch ein Fall ist nur die Spitze des Berges!

  • Spaghetti Eis am 14.05.2011 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Brot und Spiele für den Pöbel

    Die italienische Politik ist eine richtige Schande. Il Cavalliere ist nicht auf diesem ehrenwerten Posten um sich um die sorgen und bedürfnisse der italiensche Bevölkerung zu kümmern sondern um seine eigenen Machenschaften und Gelüste zu stillen. Er dreht die Gesetze wie er will und wer nicht mitmacht weiss nicht das das er tanzen muss. Seit den Kaisertagen in Rom hat sich nicht viel geändert nur sind die Mitesser mehr. Die Spielregeln blieben die gleichen: Brot und Spiele für den Pöbel.