Wahlkampf in Frankreich

25. März 2017 22:23; Akt: 25.03.2017 22:23 Print

Macrons Frau bringt neuen Wind vor den Élysée-Palast

von S. Vogt, AP - Im Kampf ums Präsidentenamt steht Emmanuel Macron seine 24 Jahre ältere Frau Brigitte Trogneux zur Seite. Sie ist auch seine Beraterin.

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«Sie wird an meiner Seite sein.» Mit diesen Worten hat der als Favorit gehandelte Kandidat für das französische Präsidentenamt, Emmanuel Macron, die Rolle seiner Ehefrau klar umrissen. Wird der parteilose Politiker der Mitte neuer Staatschef, so steht die neue First Lady nicht im Schatten. «Nicht hinten, nicht versteckt», betont der ehemalige Wirtschaftsminister.

Auch jetzt im Wahlkampf ist Brigitte Trogneux stets dabei: Sie begleitet ihren Mann bei Veranstaltungen und Auftritten. Und dieser macht kein Geheimnis daraus, dass er sie zu seinen engen politischen Beratern zählt. Mit dem an die USA erinnernden und für Frankreich ungewohnten Stil macht das Paar Schlagzeilen. Doch auch sonst fallen die beiden aus dem Rahmen: Macron ist 39, Trogneux 24 Jahre älter. Der Altersunterschied ist so gross wie bei Donald Trump und dessen Frau Melania – wird aber weit mehr diskutiert und kommentiert.

Lob für ihren modischen Chic

Einige Beobachter glauben, die Beziehung könnte Macrons Image als moderne und unkonventionelle Persönlichkeit in der französischen Politik zugutekommen. Macron war 17, als er seine spätere Frau kennen lernte. Damals war die verheiratete Frau und Mutter dreier Kinder Französischlehrerin an seiner Schule in Amiens.

Nach ihrer Scheidung zog Trogneux nach Paris, wo Macron an der Elitehochschule ENA studierte. 2007 folgte die Hochzeit. In einem Video, das an dem Festtag aufgenommen wurde, dankt Macron den Kindern seiner Frau, dass sie ihn akzeptierten. Sie seien vielleicht kein «normales Paar – auch wenn ich dieses Adjektiv nicht besonders mag –, aber ein Paar, das es gibt», sagt er. Auf Stieftochter Tiphaine Auzière kann er sich auch politisch verlassen. Sie unterstützt den überzeugten Europäer aktiv im Wahlkampf.

Die Zeitungen, allen voran die Magazine und Boulevard-Blätter, lieben die aussergewöhnliche Politikergattin Trogneux. Immer wieder ist Lob für ihren modischen Chic zu lesen – in ihrer Garderobe finden sich Miniröcke, Jeans und Lederhosen. Im vergangenen Jahr schaffte es das Paar viermal auf die Titelseite des Lifestyle-Magazins «Paris Match». Der Zeitschrift verrieten die beiden, dass sie gern mit ihren sieben Enkeln Zeit in ihrem Haus in Le Touquet am Ärmelkanal verbringen.

Gerüchte um Homosexualität

Trotz aller öffentlicher Zweisamkeit musste sich Macron zuletzt Gerüchten stellen, er sei schwul. Er dementierte mit Humor. Seine Frau teile sein Leben von morgens bis in die Nacht und frage sich, wie er das denn bitte physisch bewerkstelligen solle. Die Partner der anderen Präsidentschaftskandidaten bleiben im Hintergrund – oder geraten unabsichtlich in die Schlagzeilen. So wie Penelope Fillon, die Frau des Konservativen François Fillon. Sie, die nie mit der Politik in Verbindung gebracht wurde, soll ebenso wie zwei ihrer Kinder bei ihrem Mann scheinbeschäftigt gewesen sein. Die Affäre bringt den Kandidaten unter Druck, gegen ihn wird ermittelt.

Die Rechtspopulistin Marine Le Pen, zweimal geschieden und Mutter dreier Kinder, hat sich den Vizepräsidenten ihres Front National, Louis Aliot, zum neuen Partner gewählt. Die beiden zeigen sich aber nicht oft zusammen in der Öffentlichkeit. Und der sozialistische Präsidentschaftskandidat Benoît Hamon hält seine Lebensgefährtin und seine beiden Kinder ohnehin lieber aus der Öffentlichkeit raus.

Brigitte Trogneux würde den Platz im Élysée-Palast einnehmen, den bis 2012 das Model Carla Bruni an der Seite von Nicolas Sarkozy innehatte. Der jetzige Präsident François Hollande brachte dann seine Freundin Valérie Trierweiler mit – doch diese zog zwei Jahre später wieder aus, nachdem eine Zeitung eine Liebesaffäre Hollandes mit der Schauspielerin Julie Gayet enthüllt hatte. Diese wiederum hat sich nie öffentlich als neue Frau des Staatschefs in Position gebracht.