Prozess in Celle

27. September 2017 09:49; Akt: 27.09.2017 09:49 Print

Hassprediger soll IS-Netzwerk geführt haben

Unter grossen Sicherheitsvorkehrungen hat in Celle der Prozess gegen den «Prediger ohne Gesicht» begonnen. Der Iraker soll die zentrale Führungsfigur des IS in Deutschland sein.

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Am 26. September 2017 hat im deutschen Celle der Prozess gegen den Hassprediger Abu Walaa begonnen. Der 33-jährige Iraker ist aus Sicht der Bundesanwaltschaft die zentrale Führungsfigur der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Deutschland. Beim inzwischen verbotenen «Deutschen Islamkreis Hildesheim» soll Abu Walaa radikalislamische Predigten gehalten und die Moschee des Vereins zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben. Mitangeklagt sind vier weitere Männer im Alter zwischen 27 und 51 Jahren, weil sie Freiwillige für den Kampf des IS rekrutiert haben sollen. Ihnen wird Unterstützung und Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Ahmad Abdulaziz Abdullah A. – genannt Abu Walaa – lebt seit rund 15 Jahren in Deutschland und gilt als einer der wichtigsten IS-Rekrutierer im Land. Der Iraker inszeniert sich in seinen Video-Predigten gern, indem er sich mit einem schwarzen Umhang meist von hinten zeigt. 25'000 Personen folgten ihm auf Facebook. Im November wurde er in Niedersachsen festgenommen, Abu Walaa wird «Unterstützung einer terroristischen Vereinigung» vorgeworfen. Er gilt in der salafistischen Szene als der «oberste Repräsentant des IS in Deutschland». Auch er soll zu den Anhängern des «Predigers ohne Gesicht» gehört haben: der mutmassliche Attentäter von Berlin, Anis Amri. Amri wurde 1992 im tunesischen Tataouine nahe der libyschen Grenze geboren. Sein Vater gab an, dass Amri viel getrunken und Drogen konsumiert habe. Er habe Tunesien 2011 verlassen und sei in einem italienischen Gefängnis radikalisiert worden.

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Im Prozess gegen fünf terrorverdächtige Islamisten in Celle hat die Bundesanwaltschaft den Hauptangeklagten als «Deutschland-Repräsentanten» der Terrormiliz Islamistischer Staat (IS) bezeichnet. Ahmad Abdulaziz Abdullah A. – genannt Abu Walaa — soll die Ausreise von IS-Kämpfern aus Deutschland organisiert haben.

Aufgabe des Hauptangeklagten sei es unter anderem gewesen, als «Kopf eines Netzwerks» die Ausreise von freiwilligen Kämpfern aus Deutschland nach Syrien und in den Irak zu organisieren, erklärte die Anklage am Dienstag zum Prozessauftakt gegen den als Abu Walaa bekannten 33-Jährigen und vier Mitangeklagte vor dem Oberlandesgericht Celle. Der Hauptangeklagte habe «direkte Kontakte» zur IS-Führungsspitze gehabt, hiess es weiter.

Abu Walaa soll radikalislamische Predigten gehalten haben

Abu Walaa war zusammen mit seinen vier Mitangeklagten im November festgenommen worden und sitzt seitdem in Haft. Er ist unter anderem wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung angeklagt.
Die übrigen Beschuldigten im Alter zwischen 27 und 51 Jahren müssen sich wegen Unterstützung einer Terrororganisation verantworten. Ausserdem geht es um Terrorfinanzierung und andere Vorwürfe.

Beim inzwischen verbotenen «Deutschen Islamkreis Hildesheim» soll Abu Walaa radikalislamische Predigten gehalten und die Moschee des Vereins zu einem bundesweiten Rekrutierungszentrum des IS gemacht haben. Ausser in Hildesheim war Abu Walaa in Nordrhein-Westfalen aktiv, wo er in Tönisvorst bei Krefeld lebte.

Zweifel am Kronzeugen

Die Verteidigung des Hauptangeklagten wies die Vorwürfe in einer kurzen Erklärung zum Prozessauftakt als haltlos zurück. Sie basierten auf Angaben eines nicht vertrauenswürdigen Kronzeugen, der den Sicherheitsbehörden als V-Mann zuarbeite.

Bei diesem handle es sich um einen verurteilten IS-Terroristen, sagte Anwalt Peter Krieger. «Der Kronzeuge ist ein Hochstapler - er bezichtigt bedenkenlos andere Menschen schwerster Straftaten, wenn er sich davon einen Vorteil verspricht.»

Hohe Sicherheitsmassnahmen

Das Gericht direkt in der Celler Altstadt im norddeutschen Niedersachsen wurde zu Prozessbeginn stark gesichert. Polizisten mit Maschinenpistolen und Schutzwesten bewachten das Gebäude und waren auf Patrouille.

Der Prozess selbst fand in einem Sicherheitssaal statt. Abu Walaa war bis zu seiner Festnahme im November nach Angaben von Ermittlern eine Schlüsselfigur in der radikalislamischen Szene. Der Prozess wird voraussichtlich mindestens bis Januar 2018 dauern.

(kle/sda)