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07. September 2010 10:36; Akt: 07.09.2010 10:42 Print
Iran will der Welt Obama erklären
von Omid Marivani - Auf einer neuen Website lässt die iranische Regierung die Politik Barack Obamas kommentieren. Einmal mehr offenbart sie dabei vor allem die eigene Agenda.

Pünktlich zum Auftakt der Nahost-Friedensgespräche hat die iranische Regierung ihr neuestes Propagandainstrument lanciert. Auf barackobama.ir geht es bei genauem Hinsehen allerdings nicht hauptsächlich um den amerikanischen Präsidenten. Rubriken wie «Israel», «9/11» und «Nuclear Issue» deuten unverkennbar auf die offizielle Linie der Regierung Ahmadinedschad. Immerhin: Selbst die flapsigsten Geschichten geben Aufschluss über den Gemütszustand der Machthaber in Teheran: Trotz gegenteiliger Beteuerungen scheren sie sich sehr wohl um die beissende Kritik aus dem Westen.
Infografik Politisches System des IranEin aktueller Beitrag in der Rubrik «US-Verbündete» trägt den Titel «Warum iranische Medien Carla Bruni eine Prostituierte nennen». Offenbar überrascht über das westliche Medienecho wird weit ausholend dargelegt, weshalb iranische Medien das Recht haben, die französische First Lady derart zu verunglimpfen. Zunächst wird der Leser über Bedeutungsunterschiede des Wortes «Prostituierte» aufgeklärt: «Obwohl Carla Bruni Monogamie langweilig findet, ist sie in der westlichen Kultur keine Prostituierte. Dort ist eine Prostituierte nur jemand, der Geld für Sex nimmt.» Die Argumentation ist klar: Carla Bruni setzt sich für Sakineh Ashtiani ein, weil sie selbst eine Ehebrecherin ist.
Irans verkannte Grösse
In einem anderen Beitrag wird die westliche Ignoranz gegenüber der persischen Hochkultur angeprangert. «Ein genauer Blick auf das alte Persien erklärt viele Veränderungen im Westen», moniert die Autorin Susan Ghaffaryan. Doch der Westen tue so, als gäbe es nur die griechische Antike. Dieselbe Autorin lässt an anderer Stelle keinen Zweifel offen, welches System, Westen oder Osten, sie für überlegen hält. «Islamische Kultur ist der Ausweg des Menschen aus der Ignoranz. Die westliche Kultur hingegen ist geprägt von Kapitalisten, Atheisten, Befürwortern von gleichgeschlechtlichen Ehen und dergleichen. Solche Leute bestimmen die dekadente Kultur des Westens.»
Diese und ähnliche Beiträge lesen sich wie Belege für eine Iran-These, die zuletzt der ehemalige Korrespondent der «New York Times», Stephen Kinzer, vertrat: Letztlich will die iranische Führung als wichtiger Akteur im Nahen Osten wahrgenommen und entsprechend mit Respekt behandelt werden. Die anhaltende Kritik an der Menschenrechtssituation und die Sanktionen gegen das Atomprogramm empfindet sie als erniedrigend und versucht - wenn auch höchst ungeschickt – Gegensteuer zu geben.






















