Armee-Einsatz

09. Februar 2012 16:47; Akt: 09.02.2012 17:13 Print

«Eroberer» William erzürnt Argentinien

von Peter Blunschi - Eiszeit zwischen London und Buenos Aires: Der Prinz leistet Militärdienst auf den Falklands. 30 Jahre nach dem Krieg droht der Streit um die Inseln zu eskalieren.

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Die Herzogin von Cambridge ist derzeit allein zu Hause. Erstmals seit der Traumhochzeit im letzten Frühjahr musste Kate für längere Zeit von ihrem William Abschied nehmen. Für sechs Wochen, denn so lange dauert der Einsatz von Flight Lt. William Wales als Helikopterpilot der Royal Air Force auf den 12 000 Kilometer entfernten Falkland-Inseln. Als Teil einer vierköpfigen Rettungscrew war er letzte Woche im Südatlantik eingetroffen.

Es handle sich um einen «Routine-Einsatz», sagte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond. Alle Such- und Bergungspiloten der britischen Armee würden auf den Falklands Station machen. Die Nummer zwei der Thronfolge sei in einer «humanitären Funktion» im Einsatz, so Hammond. Die argentinische Regierung reagierte dennoch verärgert. Prinz William komme «in der Uniform des Eroberers und nicht mit der Weisheit des Staatsmanns, der für Frieden und Dialog zwischen den Nationen arbeitet», hiess es in Buenos Aires.

Seit dem 19. Jahrhundert gibt es Streit um die karge, windumtoste Inselgruppe, die von Argentinien Malvinas genannt wird. Der Konflikt eskalierte am 2. April 1982, als die argentinische Militärjunta die Inseln besetzen liess. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher setzte darauf ihre Flotte in Marsch. Nach 74 Tagen Krieg mit rund 900 Toten kapitulierte Argentinien vor der materialmässig überlegenen und besser ausgebildeten britischen Armee. Die Niederlage besiegelte das Ende der argentinischen Militärdiktatur.

Krieg der Worte

Heute sind beide Länder solide demokratisch regiert, doch die Spannungen sind so hoch wie nie in den letzten 30 Jahren. Auf die Entsendung von Prinz William reagierte Argentinien mit der Ankündigung, die kommende Fussballsaison nach dem Kreuzer «General Belgrano» zu benennen, der während des Kriegs von einem britischen U-Boot versenkt worden war. 323 Soldaten kamen ums Leben, es war das verlustreichste Einzelereignis im Falkland-Krieg. Die Briten wiederum wollen ihr modernstes Kriegsschiff, den Zerstörer «HMS Dauntless», in den Südatlantik verlegen – laut offizieller Sprachregelung eine Routine-Übung.

Auch die Regierungschefs schenken sich nichts. Der britische Premierminister David Cameron warf Argentinien «kolonialistische Ziele» vor und verwies auf das klare Bekenntnis der 3000 Inselbewohner zur britischen Krone. Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner wiederum bezichtigte Cameron der «Mittelmässigkeit, die an Dummheit grenzt». Die einzige Zeitung der Falklands lud darauf am Mittwoch ein Bild von Kirchner auf ihre Website, dessen Filename die Bezeichnung «Bitch» (Miststück) enthielt, was die Gemüter im zweitgrössten südamerikanischen Land zusätzlich erhitzte.

Öl und innenpolitische Probleme

Was aber steckt wirklich hinter der Eskalation? Vordergründig Öl. In den Gewässern um die Falkland-Inseln werden grosse Vorkommen vermutet, die auf beiden Seiten Begehrlichkeiten geweckt haben. Experten warnen allerdings vor zu viel Optimismus. Die Förderung des in grosser Tiefe liegenden Öls dürfte mit beträchtlichen Kosten verbunden sein. «Man muss gewaltige Mengen Material dorthin bringen, denn derzeit gibt es dort nichts – nur Schaffarmer», sagte Alex Kemp, ein Ölexperte der Universität Aberdeen, gegenüber CNN.

Die meisten Analysten gehen von politischen Motiven aus. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, den Konflikt zu schüren, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Argentinien verweist auf die hohe Arbeitslosigkeit in Grossbritannien. Unabhängige Experten sehen die Verantwortung eher bei der argentinischen Präsidentin. Sie wurde letztes Jahr noch klar wiedergewählt, doch nun hat ihr Volk unter hoher Inflation und reduzierten Subventionen für Öl, Gas und Elektrizität zu leiden. Der konservative Premier David Cameron auf der anderen Seite sei als «Erbe» Thatchers gezwungen, Härte zu zeigen.

Zu neuem Krieg nicht in der Lage

Eine Entspannung ist vorläufig nicht zu erwarten. Cristina Kirchner hat Brasilien und Uruguay, zwei Partnerländer in der Mercosur-Allianz, davon überzeugt, ihre Häfen für Schiffe mit Falkland-Flagge zu schliessen. Ausserdem hat Kirchner die einzige kommerzielle Flugverbindung von Falkland nach Südamerika, genauer nach Santiago de Chile, im Visier. Ihre Einstellung wäre ein schwerer Schlag für die Inseln. Am Mittwoch kündigte die Präsidentin zudem eine Beschwerde bei der UNO gegen die «Militarisierung» des Südatlantik an.

Von einem neuen Krieg aber geht niemand aus. Dazu sind beide Länder nach Ansicht von Experten gar nicht in der Lage. Das argentinische Militär etwa ist für einen Waffengang noch schlechter gerüstet als vor 30 Jahren. Und die britischen Streitkräfte sind von Sparmassnahmen betroffen und durch den Krieg in Afghanistan absorbiert. Trotzdem kann man sich fragen, ob die Verlegung von Prinz William auf die Inseln wirklich nötig war, denn sein Onkel, Prinz Andrew, war 1982 im Falkland-Krieg im Einsatz – ebenfalls als Helikopterpilot.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • peter am 10.02.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    fakten zählen

    und fakt ist dass die inseln von englischen seefahrern entdeckt wurden, in französischem, spanischem, danach und seitdem in englischen besitz waren und das alles zu einer zeit als es argentinien noch gar nicht gab. weshalb sollen die inseln den jetzt auf einmal argentinien gehören? argentinien hat keinen anspruch, auch nicht wen sie den inseln einen spanischen namen geben...

  • 7mickey7 am 10.02.2012 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Roman wird Wirklichkeit?!

    Ich sage nur: "Codename Viper" von Patrick Robinson... Manchmal erschreckend wie realitätsnah diese Action-Thriller sind..

  • wurzel am 10.02.2012 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Status quo wird bleiben

    Die Argies haben seinerzeit ohne Kriegserklärung die Falklandinseln hinterhältig überfallen und damit gegen das Völkerrecht verstossen. Damit haben sie alle Ansprüche auf die Inseln verloren. Da helfen auch Drohungen mit der UNO nichts.

  • Security am 10.02.2012 05:40 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist da Kolonialist?????

    Dass Cameron den Argentiniern "kolonialistische Ziele" vorwirft, ist grotesk. Gerade England mit seiner Geschichte und Politik ist nicht gerade glaubwürdig mit diesem Vorwurf!!!

  • Andy M am 10.02.2012 02:42 Report Diesen Beitrag melden

    UK go home, now, please!

    Traurig das die Engländer noch nicht's gelernt haben aus der Kolonialzeit. The time is over now! Diese Inseln gehoeren rein geografisch zu Argentinien & nicht zu den UK. Was haben ueberhaupt diese Engländer fernab der Heimat verloren auf anderen Kontineten. Die wuerden besser einmal in ihrem Heimatland zum rechten sehen, den da gibt es ja soviel Probleme.