Nahost-Konflikt

02. Juli 2009 07:10; Akt: 02.07.2009 11:27 Print

«Israel hat Gaza mutwillig zerstört»«Israel hat Gaza mutwillig zerstört»

Amnesty International hat wegen des Gaza-Kriegs im Januar schwere Vorwürfe gegen Israel erhoben. Aber auch die Hamas wird scharf kritisiert. Es gebe aber keine Belege dafür, dass die palästinensischen Extremisten Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbraucht hätten.

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Israel habe den palästinensischen Gazastreifen während der dreiwöchigen Offensive mutwillig zerstört, kritisierte AI. «Ein grosser Teil der Zerstörungen im Gazastreifen war mutwillig und gezielt», urteilte Amnesty in dem Bericht. «Davon wurden viele Aktionen auf eine Weise und unter Umständen ausgeführt, die darauf schliessen lassen, dass keine militärische Notwendigkeit vorlag.» Damit habe Israel das internationale Kriegsrecht gebrochen.

Rund 1400 Palästinenser getötet

Dem Bericht zufolge wurden in den Auseinandersetzungen rund 1400 Palästinenser getötet, darunter 300 Kinder und mehrere hundert Zivilisten. Die Zahlen stimmen weitgehend mit den Angaben des von der Hamas geführten Gesundheitsministeriums und dem unabhängigen Palästinensischen Zentrum für Menschenrechte überein.

Die israelische Armee gab die Zahl der Todesopfer mit 1166 an, darunter 295 Zivilisten. Auf israelischer Seite wurden 13 Menschen getötet, darunter drei Zivilisten.

Die israelische Streitkräfte hätten während des dreiwöchigen Einsatzes Anfang des Jahres Hunderte unbewaffneter Zivilisten getötet und Tausende von Häusern zerstört. Hamas und andere militante Gruppen feuerten Hunderte von Raketen auf Zivilisten im israelischen Grenzgebiet, schreibt Amnesty in dem 117 Seiten umfassenden Bericht.

Mangelnde Zusammenarbeit kritisiert

Donatella Rovera von Amnesty, die ein Untersuchungsteam in Gaza und im südlichen Teil Israels leitete, kritisierte Israel für mangelnde Zusammenarbeit. Sie forderte die internationale Gemeinschaft dazu auf, Israel zur Kooperation mit einem UNO- Expertenteam unter Leitung des südafrikanischen Richters Richard Goldstone zu drängen.

Die Raketenangriffe militanter Palästinenser auf Israel verurteilte sie als «inakzeptable Kriegsverbrechen».

Neue Dimension der Kriegsführung

Die Offensive «Gegossenes Blei» wird von Amnesty in ihrem Umfang und ihrer Intensität als bisher einmalig eingestuft. Etwa 300 Kinder und hunderte weitere unbewaffnete Zivilisten, die nicht an den Kämpfen teilnahmen, seien getötet worden.

In den meisten Fällen habe Israel hochpräzise Waffen eingesetzt, häufig mit Hilfe unbemannter Flugzeuge (Drohnen). In anderen Fällen seien Zivilisten von Panzergranaten getötet worden. Erstmals habe Israel in dicht bewohnten Gebieten in Gaza auch Phosphorbomben eingesetzt.

«Der Tod so vieler Kinder und anderer Zivilisten kann von Israel nicht einfach als «Kollateralschaden» abgetan werden», sagte Rovera. «Viele Fragen über diese Angriffe müssen noch beantwortet werden.»

Israel verärgert

Die israelische Armee reagierte verärgert auf den Bericht. Amnesty habe sich von der Hamas manipulieren lassen, sagte ein Armeesprecher in Jerusalem. Der Bericht sei «unausgewogen» und berücksichtige weder die anhaltenden Raketenangriffe der Hamas noch die Bemühungen der israelischen Armee, zivile Opfer so weit wie möglich zu vermeiden.

(sda)