Krawalle in Ägypten

03. Februar 2012 20:23; Akt: 03.02.2012 21:26 Print

Büro der Steuerbehörde in Brand gesetztBüro der Steuerbehörde in Brand gesetzt

Zwei Tage nach der Stadion-Tragödie in Port Said gehen die Proteste in Kairo weiter. Demonstranten stürmten das Gebäude der Steuerbehörde. Fünf Menschen kamen ums Leben.

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Am 4. Februar versuchen zwei Männer, die Demonstranten in Kairo am Werfen von Steinen zu hindern - vergeblich. Bei den neuen Unruhen sind erneut elf Menschen ums Leben gekommen. Die Proteste in Ägypten entzündeten sich wieder, nachdem es an einem Fussballspiel in Port Said im Zuge schwerer Ausschreitungen über 70 Tote gegeben hatte. Die Demonstranten wollen teils nichts geringeres als die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats. Am Rande der gewaltsamen Proteste in der ägyptischen Hauptstadt Kairo ist am 3. Februar im Gebäude der Steuerbehörde in Feuer ausgebrochen. Am 3. Februar stürmten Demonstranten in Kairo ein Gebäude und versuchten es in Brand zu setzen. Die Proteste in Ägypten weiten sich aus. Zwei Personen wurden in der Stadt Suez erschossn Über 600 Fussball-Fans wurden einen Tag nach der Tragödie von Port Said bei einer Demonstration in Kairo verletzt. Die Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas gegen die Fussball-Fans vor. Vor dem Innenministerium kam es zur Konfrontation zwischen der Polizei und den Demonstraten. Tausende Ägypter marschieren vom Fussballklub Al-Ahly zum Innenministerium. Vor dem Parlamentsgebäude kommt es zu Protesten. Dort entlässt Premierminister Kamal al-Ganzouri in einer Krisensitzung die Spitze des Fussballverbands. Auf dem Sphinx-Platz in Kairo versammeln sich Tausende Fussballfans. Die Trauer um die Toten ist gross. Hier weinen Frauen bei einer Beerdigung eines Opfers der Ausschreitungen. Nach dem Abpfiff einer Fussball-Partie im ägyptischen Port Said zwischen Al-Masry und Al-Ahly Kairo sind am 1. Februar 2012 dutzende Menschen ums Leben gekommen. Die Armee setzte Hubschrauber ein, um Spieler und Fans in Sicherheit zu bringen. Zuschauer haben den Rasen gestürmt und sollen Jagd auf die Spieler und Fans des Vereins Al-Ahly gemacht haben. Die Spieler von Al-Ahly flüchteten in die Kabinen, wo sie sich einschlossen. Der Mediziner sprach von Chaos und forderte eine umgehende Untersuchung. Die Ordnungskräfte mussten dem Treiben hilflos zusehen. Als Reaktion auf die Gewalt in Port Said zünden auch Fans an einem Fussballmatch in der Hauptstadt Kairo die Tribünen an. Verzweifelt versuchten sie, dem Treiben zu entkommen. «Das ist Krieg, der geplant war», wurde der Mannschaftsarzt von Al-Ahli zitiert. Auf die Spieler war von den gegnerischen Fans regelrecht Jagd gemacht worden. Bei den Ausschreitungen wurden wohl über 1000 Menschen verletzt. Die Fans warfen Steine, Feuerwerkskörper und Flaschen. Ein Mann hält in einer Moschee in Port Said Totenwache für seinen Bruder, der bei den Unruhen sein Leben verloren hatte. Am Bahnhof von Kairo warten Krankenwagen und tausende Angehörige und Freunde auf die Rückkehr verletzter Al-Ahli-Fans aus Port Said. Am Bahnhof von Kairo. Eine Militärmaschine transportierte die Verletzten. Sie wurden nach Kairo gebracht, wo sie medizinische Hilfe erhielten. Zahlreiche Verletzte werden von Sanitätern weggetragen. Blutverschmierte Tribünen-Sitze zeugen von den Ereignissen am Vorabend. 73 Menschen sind bei den Auseinandersetzungen nach dem Fussballspiel vom 1. Februar in Port Said gestorben. Hier trauert ein Mann um seinen Bruder. Zuvor haben Fans der Klubs al-Ahly und al-Zamalek vor dem Fussballstadion in Kairo gegen die Gewaltexzesse am gestrigen Match demonstriert. Am Morgen des 2. Februar warten Menschen am Bahnhof von Kairo auf ihre Angehörigen, die vom Fussballspiel in Port Said zurückkehren. Manche sind verletzt und werden von ihren Freunden getragen. Am 2. Februar treffen sich Al-Ahly-Fans sich vor dem Klubhaus in Kairo und skandieren Anti-Militär-Slogans. Generalstaatsanwalt Mahmoud Abdel-Meguid (2.v.l.) besucht am Tag nach den Ausschreitungen das Stadion von Port Said. Der Gouverneur von Port Said, Mohamed Abdullah, ist zurückgetreten. Die Leiter der Sicherheits- und Polizeibehörde sind suspendiert worden.

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Nach dem Blutbad in einem Fussballstadion ist die Gewalt in Ägypten am Freitag weiter eskaliert und hat mindestens fünf Menschen das Leben gekostet. In Kairo kam es den zweiten Tag in Folge zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Bei gewaltsamen Protesten in der Hauptstadt starben zwei Demonstranten. Nach Angaben von Ärzten kamen sie durch das Einatmen von Tränengas ums Leben. Sie hatten sich einer Protestkundgebung nahe des Innenministeriums angeschlossen, wo die Polizei mit Tränengas gegen die steinewerfenden Demonstranten vorging.

Hunderte Menschen wurden von Sanitätern behandelt. Mehr als 10 000 Demonstranten hatten sich zuvor auf dem Tahrir-Platz versammelt, von wo sie zum Innenministerium weiterzogen. Dort schlug der anfangs friedliche Protestmarsch in Gewalt um.

Büro der Steuerbehörde in Brand gesetzt

Während der Krawalle ist in einem Regierungsgebäude ein Feuer ausgebrochen. Ein Gebäude der Steuerbehörden direkt gegenüber des Innenministeriums sei in Flammen aufgegangen, berichtete das ägyptische Staatsfernsehen am Freitag.

Angaben zur Brandursache wurden nicht gemacht, Sicherheitskreisen zufolge waren aber kurz zuvor Unbekannte in das Gebäude eingedrungen. Am frühen Freitagabend lieferten sich tausende Demonstranten vor dem Innenministerium weiter gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Die Polizei habe Instruktion erhalten, im Umgang mit den Randalierern zurückhaltend zu sein. Daran hätten sich die Beamten auch gehalten, obwohl bei den jüngsten Unruhen 138 Polizisten verletzt worden seien. Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur MENA kam am Freitag ein Angehöriger der Sicherheitskräfte ums Leben.

Zwei Tote in Suez

Auch in der rund 140 Kilometer von Kairo entfernten Stadt Suez, wo in der Nacht auf Freitag zwei Menschen bei Protesten erschossen wurden, gab es neue Ausschreitungen.

Etwa 3000 Menschen hatten sich am Donnerstagabend vor dem Polizeihauptquartier versammelt. Die Polizei habe Tränengas eingesetzt und mit scharfer Munition in die Menge geschossen, berichteten Augenzeugen. Der Sicherheitschef bestritt, dass die Todesopfer durch Schüsse von Polizisten gestorben seien.

Auslöser der Proteste waren die schweren Krawalle nach einem Fussballspiel in Port Said, bei denen am Mittwoch 74 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden waren.

Misstrauen gegen Militärrat

Die Demonstranten in Kairo und anderen Städten sowie Abgeordnete des neu gewählten Parlaments werfen der Polizei vor, gegen die Ausschreitungen in dem Stadion von Port Said nicht entschieden vorgegangen zu sein oder die Gewalt geschehen haben zu lassen. Die Proteste richten sich auch gegen den herrschenden Militärrat.

Etwa 1500 Menschen marschierten am Freitag zum Verteidigungsministerium in Kairo und forderten in Sprechchören die Hinrichtung von Feldmarschall Tantawi. Die Demonstranten werfen dem Militärrat vor, er wolle trotz gegenteiliger Beteuerungen die Macht nicht an eine gewählte Regierung abgeben.

Der von den Streitkräften ernannte Ministerpräsident Kamal al- Gansuri gab erste personelle Konsequenzen gegen Sicherheitsverantwortliche bekannt. Zur Enttäuschung vieler Parlamentarier hielt die Regierung aber am Innenminister fest.

(sda)

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  • Jackman am 03.02.2012 23:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was bahnt sich da bloss an?

    Bahnt sich da vielleicht eine neue Revolution an oder gar ein Bürgerkrieg? Habe gedacht, nach dem Sturz Mubaraks käme das Land so langsam wieder zur Ruhe, wovon auch die ersten freien Wahlen zeugten. Scheine mich wohl geirrt zu haben u hoffe nicht, das es ein Flächenbrand geben wird, der auch andere arab. Länder erfasst und zum Schluss sind sämtliche Opfer der Revolutionen umsonst gewesen u die alte Ordnung herrscht schrecklicher als je zuvor.

  • Bild 1 am 03.02.2012 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Die können aber klettern!

    Ob sie früher auch auf die Pyramiden gestiegen sind, wenn sie unzufrieden waren?

  • Andreas am 03.02.2012 11:08 Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist's gewesen?

    Ein Vergleich: Jeder Fragt sich wie man bei einem Autounfall fahrerflucht begehen kann. Jeder würde ja dann heissen dass es das gar nicht gibt. Und doch ist es so... will heissen auch unter den "Guten" sind die "Schlechten".