Autoren sind empört

07. Dezember 2012 12:28; Akt: 07.12.2012 13:25 Print

Nobelpreisträger findet Zensur eine gute Sache

Der aktuelle Literaturnobelpreisträger Mo Yan verteidigt die Zensur in China. Landsmann Ai Weiwei kritisiert ihn als Wächter und zugleich Nutzniesser des diktatorischen Systems.

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Zensur sei ein notwendiges Übel - so wie Sicherheitskontrollen am Flughafen. Mit diesem Vergleich verteidigt Literaturnobelpreisträger Mo Yan die Unterdrückung der Meinungsfreiheit in China. Die Empörung ist gross. Kritiker nennen Mo Yan einen «Lakaien» des Systems.

«Er sollte sich schämen», sagte der berühmte chinesische Künstler Ai Weiwei am Freitag der Nachrichtenagentur DPA in Peking. «Er verteidigt dieses bösartige System.» Der Regimekritiker verwies darauf, dass in China Schriftsteller und Künstler in Haft gesteckt oder bedroht werden.

Chinesische Intellektuelle zeigten sich auch empört über Mos Schweigen über den chinesischen Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo, dessen Freilassung zuvor 134 Nobelpreisträger in einem offenen Brief an den neuen chinesischen Parteichef Xi Jinping gefordert hatten.

«Ich war immer unabhängig. Das ist meine Einstellung. Wenn mich jemand dazu zwingt, etwas zu tun, dann komme ich dem nicht nach», sagte Mo der «South China Morning Post». Er habe schon früher gesagt, dass er hoffe, Liu würde bald freikommen. «Schon am Abend, als bekannt wurde, dass ich den Literaturnobelpreis erhalten werde, habe ich diese Meinung klar kundgetan.»

Literaturpreis in Frage gestellt

«Dass ein Nobelpreisträger die Zensur unterstützt, kann auf keinen Fall akzeptiert werden», sagte der Direktor des Hongkonger Pen-Zentrums unabhängiger chinesischer Schriftsteller, Patrick Poon, der DPA. «Wir alle sollten uns fragen, ob ein solcher Schriftsteller den höchsten Literaturpreis der Welt verdient hat.»

Die Literaturnobelpreis-Gewinnerin von 2009, Herta Müller, nannte die Wahl der Jury, Mo zum diesjährigen Preisträger zu ernennen, in einem Interview mit der Schwedischen Tageszeitung «Dagens Nyheter» eine «Katastrophe». Sie bezichtigte ihn, die chinesischen Zensur-Gesetze zu schützen.

Der im Exil in den USA lebende chinesische Autor Yu Jie nannte Mo Yan einen «Lakaien» des Systems. «Er verteidigte öffentlich die Zensur der Kommunistischen Partei - das ist wie einst das Loblied deutscher Schriftsteller auf Adolf Hitler und Joseph Goebbels.»

«Aggressive» ausländische Medien

«Mo Yans blinder Glaube an die Staatsgewalt und seine Ignoranz gegenüber persönlichen Rechten verwundert die Menschen», schrieb der im südwestchinesischen Chengdu beheimatete Autor Ran Yunfei im Kurznachrichtendienst Twitter. Mo Yan betrachte die Staatsmacht als den «obersten Richter der Wahrheit». Die staatlich kontrollierten Medien in China liessen in ihrer Berichterstattung die Antworten zur Zensur häufig aus und enthielten sich auch jeder Kommentierung.

Nur die Zeitung «Huanqiu Shibao» erwähnte, dass sich Mo Yan zu Liu Xiaobo nicht äussern wollte. Das Blatt sprach von «wiederholten aggressiven Fragen ausländischer Medien». Wie andere Blätter berichtete die englischsprachige Tageszeitung «China Daily», Mo Yan sei bei der Pressekonferenz in «humorvoller Stimmung» gewesen. Das Blatt bezog sich auf Mo Yans Bemerkung, wie er mit seiner plötzlichen Berühmtheit und Autogrammjägern umgehen müsse.

Mit der Regierung abgesprochen

Das auf Ausländer abzielende Blatt zitierte aber auch ausführlich seine Äusserungen zur Zensur: «Ich ärgere mich über alle Arten von Zensur, genauso wie ich die Sicherheitskontrollen vor Botschaften oder vor dem Besteigen eines Flugzeuges nicht mag. (...) Aber ich denke, Zensur - genau wie Sicherheitskontrollen - ist notwendig. Ich denke, Zensur von Nachrichten gibt es praktisch in jedem Land, auch wenn die Kriterien und das Ausmass variieren können.»

«Seine Äusserungen waren eine mit den chinesischen Behörden abgestimmte Erklärung», sagte dazu der Künstler Ai Weiwei. «Er ist ein Wächter des diktatorischen Systems und zugleich sein Nutzniesser.»

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • V. Martoglio am 07.12.2012 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Gesinnungs-Nobelpreis

    Ich dachte, der Nobelpreis für Literaur wird für die literarische Leistung eines Autors verliehen und nicht für seine politische Haltung.

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  • Beobachter am 07.12.2012 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Und ohne Zensur?

    Wenn ich die Hetzschriften lese die regelmaessig vor dem interreligioesen Gebetsraum auftauchen wuenschte ich mir manchmal man koennte die Urheber dafuer bestrafen. Zum Beispiel "wer Schweinefleisch isst ist automatisch untreu auch Alkoholiker". Da wuenschte ich mir dann schon manchmal das solche Dinge zensuriert wuerden. Sicher, das Problem ist wo man die Grenzen setzt. Nur negative finde ich es nicht. Ausserden ist jede Stellungsnahme in irgend einer Form "einseitig". Das ist nun mal so.

  • Petra am 07.12.2012 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt für Mo Yan

    Jedenfalls ist Mo Yan weit konstruktiver und bewundernswerter als dieser Künstler Ai Weiwei!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beobachter am 07.12.2012 17:12 Report Diesen Beitrag melden

    Und ohne Zensur?

    Wenn ich die Hetzschriften lese die regelmaessig vor dem interreligioesen Gebetsraum auftauchen wuenschte ich mir manchmal man koennte die Urheber dafuer bestrafen. Zum Beispiel "wer Schweinefleisch isst ist automatisch untreu auch Alkoholiker". Da wuenschte ich mir dann schon manchmal das solche Dinge zensuriert wuerden. Sicher, das Problem ist wo man die Grenzen setzt. Nur negative finde ich es nicht. Ausserden ist jede Stellungsnahme in irgend einer Form "einseitig". Das ist nun mal so.

  • Petra am 07.12.2012 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Respekt für Mo Yan

    Jedenfalls ist Mo Yan weit konstruktiver und bewundernswerter als dieser Künstler Ai Weiwei!

  • Hans Tobler am 07.12.2012 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    Nobelpreis oder Anpassungspreis ?

    Beim Nobelpreis geht es doch um Literatur! Oder habe ich was verpasst ?

  • James Habibi am 07.12.2012 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig So

    Pro Propaganda.. Man sollte möglichst viel zensieren damit sich nicht alle Beschränkten dazu äussern können.. ;-)

    • Hans Müller am 07.12.2012 15:16 Report Diesen Beitrag melden

      1000 mal JA!

      Wenn ich mir überlege, wieviel Mist ich tagtäglich hören/lesen muss. Da wäre ein Bisschen Zensur echt gut :)

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  • Xang Lo Huang am 07.12.2012 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    China-Feindlichkeit

    Hört endlich mal auf, immer auf China rumzuhacken. Wo wärt ihr ohne uns Chinesen? Ihr wärt nirgendwo und werden euch bald überholen!

    • Clank am 07.12.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      Hört Hört

      Ich finde China hat zwei Gesichter. Das eine, das schöne China mit viel Wohlstand und einer der aufstrebenden Weltmachten. Das Andere, die Bürger und Arbeiter werden schlecht entlöhnt und nonstop kontrolliert, die Ausbildungsmöglichkeiten für den durchschnitts Chinesen sind verherend schlecht. P.S Als Weltmacht habt ihr die Schweiz schon längst überholt jedoch vom durchschnitts Wohlstand und der Ausbildung her hinkt ihr noch hinter her.

    • Sabri Sagoglu am 07.12.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      Zensur Feindlichkeit

      Sei nicht gleich eingeschnappt... es geht nicht um Chinesen oder so, es geht um Zensur... Und das mit "Wo wärt ihr ohne uns...", naja, das zieht nicht wenn das ein Ausländer in der Schweiz sagt... :) p.s: Den obigen Artikel kannst du so nicht in China lesen... denk mal darüber nach!

    • H. Müller am 07.12.2012 14:12 Report Diesen Beitrag melden

      China Hype

      Ich hoffe Sie haben recht, sobald es bei uns keine Technologien mehr gibt welche sich zum kopieren lohnen müssen Sie selber mal ein Buch aufschlagen und selber etwas lernen um uns zu überholen. Oh, ausserdem wird auch irgendwann der fremde Kapitalstrom nach China abreissen wenn Sie richtig liegen. Aber zum Glück basiert Ihr System ja auf einem System welches Russland und alle anderen Länder für Jahrzehnte ruiniert hat.

    • Fraba am 07.12.2012 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      Selbstüberschätzung

      Ja, ja Ihren Optimismus müsste man haben. Aber auch Chinas Bäume wachsen nicht in den Himmel. Es könnte rascher gehen als vermutet!

    • Sepp Seitler am 07.12.2012 14:17 Report Diesen Beitrag melden

      Einbisschen Schweiz-Feindlich?

      Du kannst nicht: "Hört endlich mal auf, immer auf China rumzuhacken" schreiben, nur um danach: "Wo wärt ihr ohne uns Chinesen? Ihr wärt nirgendwo und werden euch bald überholen!" Wobei im letzten Satz noch ein Schreibfehler ist, was das ganze nicht ganz Verständlich macht... Einen schönen Tag noch :)

    • Ciao Xang am 07.12.2012 14:18 Report Diesen Beitrag melden

      Ping Pang Pong

      Es kritisiert niemand die Chinesen, dieser Artikel ist sachlich.

    • Los Zue am 07.12.2012 14:24 Report Diesen Beitrag melden

      eingebildeter Nationalismus

      China hat sich jahrhundertelang abgeschottet. Schwer nachvollziehbar, wie man argumentieren kann, der Rest der Welt wäre ohne China nirgends und hätte sich ohne China nicht entwickelt. Natürlich wird billige chinesische Produktion vielerorts gefragt. Aber es ginge auch ohne. Und wo wird China sein, wenn sein Mittelstand gewachsen ist und seine ausländischen Devisen nicht mehr mit Billiglöhnen und Umweltzerstörung erkauft werden können?

    • We're all living in China am 07.12.2012 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch...

      ...wir wären am genau gleichen Punkt wie jetzt. Die Industrialisierung ist schliesslich unser Baby. Das Problem ist nur dass wir künftig nirgendwo mehr sein werden, da haben Sie absolut recht. Allein schon die Tatsache dass halb Amerika mittlerweile China gehört spricht Bände! Der Kapitalismus wird scheitern, aber der Kommunismus ist es längst....

    • Roman Bolliger am 07.12.2012 14:51 Report Diesen Beitrag melden

      Rückständiges China!

      Die China-"Feindlichkeit" ist gerechtfertigt, Herr Xang, weil China nicht nur einer der grössten weltweiten Umweltverschmutzer ist, sondern klar auch einer der grössten Menschenrechtsverletzer. Diesbezüglich ist China nur ein rückständiges Entwicklungsland.

    • Hanfred am 07.12.2012 15:06 Report Diesen Beitrag melden

      Pro pagandaaaaaa

      Hahaha, einfach mal den Zenusrbericht (Löschaufforderungen) von google ansehen. Danach bleibt von der Propagand des "freien Westens" Vs. "pöhses China" nichts mehr übrig ausser der Erkenntnis, dass wir unsere eigene Propaganda genaus so glauben, wie der Chinese, Amerikaner, Brite, Deutsche.... Tja, das passiert, wenn sich Demokraten zu Konsumaten wandeln...

    • t.ruther am 07.12.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      @xang lo huang

      du must dich damit abfinden. China und Russland werden kontinuierlich schlecht gemacht in unseren medien und nur negativen berichtet, sehr einseitig. das zeigt das westliche medien auch nicht besser sind.

    • Sandro H. am 07.12.2012 15:17 Report Diesen Beitrag melden

      China

      Wir wären immer noch in der Schweiz wo wärst du wenn wir nicht währen?? Ich habe die Kommentare gelesen aber sehe nichts China feindliches in den Texten warum greiffst du das Land an in dem du lebst? Ich nehme an du lebst nicht in China sonst könntest du die 20min nicht online lesen.

    • old samson am 07.12.2012 15:25 Report Diesen Beitrag melden

      Dank der chinesischen Inovation

      @Sabri: Mit dem Satz "Wo wärt ihr ohne uns..." hat Xang absolut recht. Falls Sie nicht gut in Geschichte sind, sollten Sie sich mal über die chinesische Geschichte, sowie die Seidenstrasse informieren. Kurz gesagt, ohne Chinesen wären einige Erfindungen wahrscheinlich erst Jahrhunder später entwicklet worden, wie z.b. der Kompass, was die grosse Zeit der Europäischen Seefahrt überhaupt möglich machte, sowie die Entdeckung Amerikas. Noch früher in der Geschichte, haben die Chinesen das Broze-Schwert "erfunden", was zum Königreich China führte. Wäre es nicht so gewesen, wäre heute alles anderst.

    • Die Begine am 07.12.2012 15:34 Report Diesen Beitrag melden

      China-Feindlichkeit

      Ich finde Sie nehmen recht grosse Worte in den Mund als jemand, der in der Schweiz wohnt und vermutlich hier lebt und die gesamte Infrastruktuer in Anspruch nimmt. Ihre Worte sind unüberlegt und entbehren jeglichen Sinns, da sie nichts, aber auch gar nichts mit dem Artikel zu tun haben, denn darauf nehmen Sie in keiner Weise Stellung. Deshalb finde ich: bitte mehr Respekt, Danke

    • Matthias D. am 07.12.2012 15:59 Report Diesen Beitrag melden

      Moralischer Fortschritt

      Ich weiss nicht wo wir ohne euch Chinesen wären, wahrscheinlich am gleichen Ort wie vorher. Aber sicher wären viele Tiere ohne euch besser dran. Schon Ghandi sagte, man könne die Grösse und den moralischen Fortschritt einer Nation daran beurteilen, wie sie ihre Tiere behandelt. Ich war mal auf einem Markt in Shanghai und kann nur sagen: Nie mehr wieder!

    • Markus Z. am 07.12.2012 16:54 Report Diesen Beitrag melden

      Alles bla bla

      Sowohl China wie auch Europa können viel von einander lernen. Auch im Westen wird viel mehr zensiert als wir uns bewusst sind!

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