Kongos Krieg ums Kobalt

23. November 2012 22:13; Akt: 23.11.2012 22:44 Print

Sie kämpfen, damit unsere Handys Saft haben

von Adrian Eng - Der Krieg im Kongo ist nicht nur brutal geführt, sondern auch kaum in unserer Öffentlichkeit präsent. Zu Unrecht, denn die Ursache dafür tragen wir in unseren Hosentaschen.

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Ein Bürgerkrieg in einem afrikanischen Land, möge er auch noch so blutig sein, vermag in westlichen Ländern keine Empörung hervorzurufen. Rebellen auf der einen und ein oft diktatorischer Machthaber auf der anderen Seite, die sich um die Macht im Land streiten: Das Schema ist immer ähnlich und scheint kaum mehr zu interessieren.

Ein solches Bild könnte man auch von der aktuellen Lage im Kongo erhalten, wo die mächtige M-23-Miliz einen Aufstand gegen die Regierung Kabila führt. Doch der Eindruck täuscht. In der Demokratischen Republik Kongo geht es um viel mehr als um das Schicksal eines einzigen Landes.

Kampf um das Kobalt

Die Kämpfe im Kongo haben einen andern Grund: Kobalt. Die Demokratische Republik Kongo ist mit über der Hälfte der weltweiten Förderung (letztes Jahr rund 98'000 Tonnen, laut US-Daten) der wichtigste Lieferant des Metalls. Kobalt wird vor allem im Osten des Landes, meist als Nebenprodukt von Nickel, abgebaut.

Die M-23-Rebellen haben ihre Offensiven genau dort gestartet, um Herr über die wichtigen Gebiete zu werden. Denn Kobalt ist heiss begehrt und bezahlt wird mit harter Währung. Es wird vor allem zur Herstellung von Batterien für Smartphones, Notebooks und Elektroautos verwendet und ist darum im Visier der internationalen Elektrohersteller. Praktisch jedes Handy in der Schweiz hat zumindest einen kleinen Anteil an Kobalt aus dem Kongo in sich verarbeitet.

Zum Arbeiten gezwungen

Mit den Erlösen aus dem Kobalt-Handel finanzieren sich die Warlords der Region neue Waffen, welche wiederum oft gegen die Bevölkerung eingesetzt werden. Zehntausende Kinder werden zum Beispiel entweder als Soldaten entführt oder zum Arbeiten in die Bergwerke geschickt. Rund 100'000 Arbeiter sind mit dem Kobalt-Abbau beschäftigt, ein grosser Anteil von ihnen nicht freiwillig.

Meist wird das wertvolle Metall mit einfachen Mitteln abgebaut, gewaschen und sortiert. In einem Bericht des deutschen Öko-Instituts aus dem Jahr 2011 steht: «Rechnet man diese Arbeitsleistung in Produkte um, so stecken in jedem Notebook etwa zehn Arbeitsminuten von Bergarbeitern im Südostkongo. Bei modernen Hybridautos sind es mehr als sechs Stunden.»

China gross im Geschäft

Diverse Länder haben für die Einfuhr von Kobalt ihre Bestimmungen verschärft. Allen voran verlangen die USA ab nächstem Jahr einen Nachweis für die Herkunft des von den Herstellern verwendeten Kobalts. Dies soll die Verstrickung der Unternehmen in den blutigen Konflikt schmälern. Die Herrschaft über den Grossteil der Vorkommen im Kongo hält aber China. Es hat sich diesen mit rund neuen Milliarden Dollar Investitionen in das Land gesichert.

Das sind gute Nachrichten für unseren Handykonsum, im Kongo gilt indes weiter das Faustrecht. Wer die Kobalt-reichen Gebiete beherrscht, verdient an den Erlösen mit. Solange die Gelder fliessen, wird sich daran kaum etwas ändern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris_SG am 24.11.2012 00:21 Report Diesen Beitrag melden

    ach ...

    und vor dem Krieg war das kein Thema ? Ich bitte euch... Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Ist so und wird auch immer so bleiben ! Ausser wir verzichten auf alles. Kein Problem oder ?

  • Burak Ickin am 23.11.2012 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Ungerechte

    Wer will noch Ipad4, IpadMini und Iphone5...?????

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  • Jim Knopf am 24.11.2012 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Diktatoren

    Es ist doch klar dass für die Rohstoffe wieder einmal mehr Krieg und Armut herrscht im betroffenen Land nur dass sich der Rest der Welt unseren Wohlstand leisten kann. Ob wir den Wohlstand wollen oder nicht ist nicht die Frage sonder für welchen Preis und auf welche Art und Weise. Unsere Gesellschaft glaubt aber immer noch Leuten ,Investoren und Politiker die über Leichen gehen, falsche Versprechungen machen und weiterhin nicht fähig sind aus der Welt eine bessere zu machen soviel Profit wie möglich zu machen und die Schulden dem Volk zu überlassen dass schöne weiterhin deren Sklaven bleiben

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hansueli Lötscher am 26.11.2012 19:42 Report Diesen Beitrag melden

    Yes - Glencore

    Zum Glück mischt da Glencore mit - dann läuft sicher alles ganz sauber ab... :-)

  • tobi am 26.11.2012 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    WIR SIND SCHULD

    glencore Xstrata.. mehr muss man dazu nicht sagen.

  • Samuel König am 25.11.2012 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Oh...

    daran sind wir jetzt auch noch Schuld? An Nordkoreas Diktatur auch, oder? Und an Chinas Kommunismus auch noch... Bitte, bitte so beschränkt können doch nicht alle sein. Ob es nun furchbar ist, Schuld trifft uns keine und Konflikte in Afrika können wir NICHT lösen.

    • Patrick Müller am 25.11.2012 15:03 Report Diesen Beitrag melden

      Leider schon

      Natürlich sind wir schuld. Wir westlichen Länder beuten nun einmal die anderen aus, damit wir unseren Konsumhunger stillen können.

    • the janitor am 25.11.2012 21:50 Report Diesen Beitrag melden

      an herrn könig

      Bitte setzen sie sich mal mit dem Produktionsprozess ihres Handys auseinander. Ich hoffe dann kommen sie zu einem anderen Schluss. Wir benötigen die Rohstoffe aus diesen Gebieten, dafür zahlen wir Geld, wer am meisten von diesen Rohstoffen an uns liefern kann, bekommt das Geld. Also schlagen sie sich die Köpfe ein um an das Kobalt zu gelangen. Ergo: unser absolut egoistisches Bedürfnis nach immer mehr und immer neuerem technischen Schnick Schnack löst diese blutigen Kriege aus. Es ist ja nicht so dass wir ein Handy wollen und dies dann 10 Jahre brauchen. nö am besten alle 6 monate ein neues..

    • Bruno am 25.11.2012 22:21 Report Diesen Beitrag melden

      So ists überall

      Wenn jemand schneller und günstiger arbeitet als ich, dann hab ich auch keinen Job mehr und somit kein Geld. Ich darf deshalb auch keine Gewalt anwenden und der Kunde ist ja dann auch nicht schuld daran, sondern ich bin dann selber schuld

    • Markus Wegmann am 26.11.2012 00:12 Report Diesen Beitrag melden

      Egomania

      Also was ist den das Problem. Das die Leute anderen nicht gönnen und ein möglichst grosses Stück vom Kuchen für sich selbst wollen. Das hat nicht mit den Rohstoffen noch deren Gewinnung zu tun. Das ist nicht die Ursache, aber ein guter Grund dem Westen ein schlechtes Gewissen zu machen.

    • Phil am 26.11.2012 09:10 Report Diesen Beitrag melden

      Frage des Geldes....

      Die Dauer, Anzahl und Grösse solcher Konflikte sind eine reine Geldfrage. Gewalt = Geld = Eigentum. Ohne die Gier und das Streben nach diesen Papierfetzen und nach Zahlen auf irgendwelchen Computern von Banken, ohne den Zwang und die Verpflichtungen die daraus erwachsen (Zins und Zinseszins, Schulden, Rechnungen, Hypotheken, Steuern, Lohn usw. usw....) wären solche Konflikte unnötig. Es gilt allgemein unseren Begriff von "Eigentum" und somit auch von "Geld" als Wertebegriff zu überdenken. Wie sagte schon Oscar Wilde so schön: "Heute kennt man von allem den Preis, von nichts den Wert."

    • Florian Forster am 26.11.2012 17:57 Report Diesen Beitrag melden

      Danke Herr König...

      für diese Beobachtung, ich bin ganz ihrer Meinung. Bei uns herrscht auch freie Marktwirtschaft und Preiskonkurrenz, desswegen schlagen sich die Leute in der zivilisierten Welt aber nicht die Köpfe ein. An alle die hier versuchen dem Westen ein schlechtes Gewissen einzureden möchte ich sagen dass nicht unsere "Gier" oder "Konsumzwang" diesen Konflikt ausgelöst hat. Sondern die Habgier und der Egoismus der Leute die im Kongo an der Macht sind resp. an die Macht wollen. DAS sind die Barbaren, nicht der Westen der dafür sorgt dass in diesem Land überhaupt irgend eine Form von Wirtschaft existiert.

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  • Thomas W am 25.11.2012 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Afrika

    Was helfen Spenden und/oder boykottierungen etc., wenn die dort lebenden Diktatoren und Militärs sowieso alles kontrollieren? Wir können Probleme anderer Länder nicht lösen und tragen auch keine Schuld daran.

    • t.ruther am 26.11.2012 09:20 Report Diesen Beitrag melden

      @thomas

      klar tragen wir daran schuld. wir wehren uns nicht dagegen. dass westliche konzerne die rohstoffe und das volk asubeutet, das internationale organisationen wie der IWF oder die Weltbank, 3. Weltländer absichtlich in die kreditfalle locken und auf Dauer arm halten. wir sind auch schuld, auch sie thomas!

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  • vic laport am 24.11.2012 08:20 Report Diesen Beitrag melden

    Blood in Mobile

    SF hat vor etwa einem Jahr mal eine DOKU über den abbau von Coltan in den Minen von Kongo gezeigt...(Blood in Mobile) schon Krass in welchen zustände die dort dieser Rohstoff gewinnen....